Claus-Dieter Wollitz ist seit dieser Saison Trainer bei Viktoria Köln © getty

Claus-Dieter Wollitz ging für "ein reizvolles Projekt" freiwillig in die Regionalliga. Lange verweilen will er dort aber nicht.

Von Andreas Reiners

Köln - Auf den ersten Blick sah es aus wie ein Abstieg.

Jedoch nicht für Claus-Dieter Wollitz. Das "Projekt", wie es der Trainer von Viktoria Köln und SPORT1-Experte bei seiner Vorstellung im Sommer nannte, sei "absolut reizvoll".

Ein aufstrebender Klub, profiähnliche Bedingungen und genug Geld, um eine schlagkräftige Mannschaft aufzubauen: Wollitz musste nicht lange überlegen, als das Angebot aus der Domstadt kam.

"Für mich ist nicht die Liga entscheidend, sondern die Gesamtaufgabe", sagte der 48-Jährige, der die Viktoria aus der Regionalliga West mittelfristig wieder in die 2. Bundesliga führen soll.

Und Wollitz ist mit seinem Projekt auf Kurs: Vor dem Spiel beim KFC Uerdingen (ab 19.45 LIVE im TV auf SPORT1 und auf SPORT1.fm) sind die Kölner Vierter.

Sechs Punkte beträgt der Rückstand auf die Sportfreunde Lotte, aber die Wollitz-Truppe hat bisher auch zwei Spiele weniger als der Spitzenreiter bestritten.

Wollitz reist in die Vergangenheit

Für den Trainer ist das Gastspiel in Uerdingen auch eine Rückkehr in die Vergangenheit: Von 1996 bis 1998 kickte "Pele" als Kapitän in der Grotenburg, von 2002 bis 2004 stand er an der Seitenlinie.

Doch für Wollitz zählt vor allem die nähere Zukunft. Die soll ihn im ersten Schritt in die 3. Liga führen. Doch mit einem ambitionierten Trainer alleine sind große Ziele nicht zu stemmen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle der Regionalliga West)

Erfolg kostet Geld. Auch bei der Viktoria. Und für den Erfolg haben sie im Arbeiterstadtteil Höhenberg Mäzen Franz-Josef Wernze.

Der Gründer des Steuerberater-Imperiums ETL und Multi-Millionär holte mit seinem Geld bereits Germania Windeck aus den Niederungen des Amateurfußballs auf die mittelgroße Fußball-Bühne.

Seit zwei Jahren bastelt der 65-Jährige nun an seinem neuen persönlichen Spielzeug. An seinem Traum, in Köln einen zweiten Profiklub neben dem FC zu etablieren.

"Geld schießt Tore"

Ausgerechnet, könnte man meinen. Denn ursprünglich wollte der bekennende FC-Fan Wernze auch beim dreimaligen deutschen Meister eine tragende Rolle spielen.

2009 finanzierte er die Rückkehr von Lukas Podolski mit. 2012 kam jedoch der Bruch. Die Stimmung drehte sich gegen ihn. Viele sahen ihn nicht als Gönner, sondern in erster Linie als Investor.

Wernze hat sich schließlich mehr und mehr der anderen Rheinseite, im kölschen die "Schäl Sick", zugewandt. Dabei war der Klub im Grunde klinisch tot.

Nach der Insolvenz 2010 sollte der neu gegründete Verein zurück in die Kreisliga D. Durch die Aufnahme der Seniorenabteilung des NRW-Liga-Aufsteigers FC Junkersdorf startete Viktoria 2011/2012 in Liga fünf.

Und mit Wernze ging es fortan bergauf. "Geld schießt nun mal Tore", sagt Wernze. Deshalb öffnete "der kölsche Dietmar Hopp" vor der Saison mal wieder die Schatulle.

Vier Trainer in einem Jahr

Der Etat des Klubs liegt bei fast zwei Millionen Euro, knapp 20 neue Spieler kamen im Sommer in den Kölner Osten, nachdem die so vielversprechend begonnene Saison 2012/2013 in einem kleinen Desaster endete.

Drei Trainer versuchten sich in der vergangenen Saison an dem "Projekt" und an einer Mannschaft, die zwar mit guten Namen gespickt, aber eben keine Mannschaft war.

Gute Einzelkönner, die im Herbst ihrer Karriere noch einmal gutes Geld einstreichen wollten, zerstörten vorerst das große Ziel.

"Inzwischen scheue ich mich nicht mehr vor der Behauptung, dass ein Großteil des Teams von damals keinen Charakter hatte. Jetzt haben wir endlich die richtigen Typen in der Mannschaft", sagt Kölns Sportlicher Leiter Franz Wunderlich.

Wollitz rasiert Streit

Und den richtigen Typen an der Seitenlinie. Unter Wollitz hat sich der Ton geändert. Albert Streit ist dafür ein passendes Beispiel.

Nachdem der streitbare Streit seine x-te Chance nicht nutzte, warf Wollitz den Spielmacher aus dem Kader. Ohne Chance auf Bewährung. "Der Einzelne ist nichts, das Team alles", nennt Wollitz sein Motto. Das lebt der Übungsleiter vor.

Und bekommt von seinem Arbeitgeber dann auch den einen oder anderen Sonderwunsch erfüllt. Wollitz und die Viktoria - im Moment passt die auf den ersten Blick etwas ungewöhnliche Partnerschaft.

Wollitz weiß jedoch um die harte Aufgabe, die ihn erwartet.

Harter Weg nach oben

Als Tabellenerster nach 36 Partien warten noch einmal zwei Relegationsspiele, ehe der mögliche Aufstieg des früheren Zweitligisten unter Dach und Fach ist. Spürt der 47-Jährige Druck? Wollitz drückt sich vorsichtig aus.

"Sagen wir mal so: In dieser Saison wollen wir gerne aufsteigen. Sollte es nicht klappen, dann müssen wir nächste Saison aufsteigen."

Auch ein reizvolles Projekt hat seine Kehrseiten.

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