Mittelfeldspieler Ozan Yilmaz steht seit 2011 bei Fortuna Köln unter Vertrag © imago

In der Regionalliga schauen die Traditionsklubs Fortuna Köln und der KFC Uerdingen nach mageren Jahren wieder nach oben.

Von Andreas Reiners

Düsseldorf - Ohne Moos nix los - der Spruch passt sowohl bei Fortuna Köln als auch beim KFC Uerdingen wie die Faust aufs Auge.

Beide Klubs stehen sinnbildlich für das Schicksal zahlreicher Traditionsvereine: Ob nun Misswirtschaft, abgesprungene Geldgeber oder einfach nur Pech - nicht nur die Fortuna und der KFC verschwanden lange in den Niederungen des deutschen Fußballs.

Beide Vereine kämpften sich aber zurück ins kleine, aber feine Regionalliga-Rampenlicht.

Und ernten nun den Lohn: SPORT1 überträgt das Duell der beiden Traditionsklubs in der Regionalliga West (ab 19.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und bei SPORT1.fm).

Im Schatten des 1. FC Köln

Im DFB-Pokal gab es auf dem ersehnten Weg zurück in den Profifußball für die Fortuna zuletzt bereits einen kleinen Vorgeschmack - und ein unglückliches 1:2 gegen Mainz.

Fortuna-Trainer Uwe Koschinat freute sich trotz der Niederlage über den couragierten Auftritt seiner Mannschaft. "Wir haben gegen einen total etablierten Bundesligisten komplett auf Augenhöhe agiert", sagte er im Gespräch mit SPORT1.fm.

"Wir haben für unsere Verhältnisse ein nahezu perfektes Spiel gemacht und standen kurz vor der Pokalsensation."

Stets im Schatten des Stadtrivalen

Auch wenn die Fortuna jahrzehntelang eine Institution in der Zweiten Liga war, stand der Verein stets im Schatten des großen Stadtrivalen 1. FC Köln.

Der zerstörte auch den großen Traum vom großen Titel: 1983 gewann der FC das DFB-Pokalfinale gegen Fortuna mit 1:0.

Drei Jahre später fehlten im Relegations-Rückspiel in Dortmund Sekunden zum Aufstieg, ehe Jürgen Wegmann ein Entscheidungsspiel notwendig machte. Das verlor Fortuna mit 0:8.

Fortunas Zeit im Profifußball, darunter auch eine Saison in der Bundesliga, war immer untrennbar mit Mäzen Jean Löring verbunden, der von 1967 bis 2001 als Präsident die Geschicke des Vereins leitete und angeblich 15 Millionen Euro in seine große Liebe gesteckt haben soll.

Eine der zahlreichen Episoden charakterisiert den 2005 verstorbenen Löring wohl am besten.

Schumacher-Episode legendär

Am 15. Dezember 1999 stürmte Löring in der Halbzeit des Spiels gegen Waldhof Mannheim (0:2) in die Kabine und entließ Trainer Toni Schumacher angeblich mit den Worten "Hau ab, du Wi...". Lörings Erklärung: "Ich als Verein musste reagieren."

Doch bereits damals ging es bergab: Wirtschaftliche Probleme führten zur Insolvenz und 2005 zum Absturz in die Verbandsliga.

Es folgte der Wiederaufbau verbunden mit Beharrlichkeit und Kreativität.

Mit einem einmaligen Projekt machte der Verein 2008 bundesweit von sich reden. Die Mitglieder sollten darüber mitbestimmen, welcher Trainer und welche Spieler verpflichtet werden.

Rund 10.000 Leute fanden sich, um für jährlich knapp 40 Euro direkten Einfluss nehmen zu können. Das Projekt existiert offiziell nicht mehr. 5000 Fans zahlen aber weiterhin.

Zurück in die Zweitklassigkeit

Präsident Klaus Ulonska formuliert nach dem knapp verpassten Aufstieg in der letzten Saison ein klares Ziel: "Wir wollen aufsteigen, möglichst schnell durch die unattraktive Dritte Liga kommen und dann wieder zweitklassig spielen", verkündete Ulonska.

Jean Löring hätte wohl seine helle Freude gehabt.

7:3 bleibt unvergessen

Auch der KFC Uerdingen hat seinen festen Platz in der deutschen Fußball-Historie. 1985 gewann Uerdingen den DFB-Pokal (2:1 gegen Bayern München) und schaffte im Jahr darauf sogar den Sprung ins Europapokalhalbfinale.

Spätestens mit dem 7:3-Sieg über Dynamo Dresden im "größten Spiel aller Zeiten" - vom Magazin "11Freunde" dazu gekürt - schrieb man Fußball-Geschichte. Damals noch unter dem Klubnamen Bayer Uerdingen.

Und das war am Ende auch das Problem: 1995 zog sich Bayer als Geldgeber zurück - was folgte, waren Abstiege im Stakkatostil, drei Insolvenzverfahren und der Absturz in die sechstklassige Niederrheinliga.

Trainerposten bei Ebay

Der Klub machte mit zahlreichen ungewöhnlichen Rettungsaktionen auf sich aufmerksam.

So wurde unter anderem der Trainerposten inklusive Entlassung für das damalige "Retterspiel" gegen Rot-Weiß Oberhausen bei Ebay versteigert.

Letztendlich rettete der Geschäftsmann Agissilaos "Lakis" Kourkoudialos den Klub und hauchte ihm neues Leben ein.

So sorgte der Grieche Ende 2009 mit der Verpflichtung des früheren Bundesliga-Torschützenkönigs Ailton zwar nicht für eine sportliche Verstärkung, dafür aber für ein mittelschweres mediales Echo.

Schillernder Präsident

Lakis, wie Ailton selbst nie um einen Spruch verlegen, wechselte sich im Frühjahr nach dem feststehenden Aufstieg in die Regionalliga gegen Germania Ratingen selbst ein, um sich "einen Kindheitstraum" zu erfüllen.

Ob der 47-Jährige tatsächlich davon geträumt hatte, einen Foulelfmeter zu verschießen, darf aber bezweifelt werden. Nichtsdestotrotz charakterisieren solche Aktionen den KFC-Boss wohl am besten.

Und auch solche Ansagen: "Wir werden weiterhin hart arbeiten, um irgendwann zurück in die Bundesliga zu kommen."

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