Fortuna Köln hat zum Auftakt der Regionalliga West 1:3 gegen Alemannia Aachen verloren © imago

Die Regionalliga strotzt vor Traditionsklubs mit glorreicher Vergangenheit. Vor allem im Westen tummeln sich Ex-Bundesligisten.

Von Andreas Reiners

München - Auf den ersten Blick ist der große Klassen-Unterschied fast nicht zu erkennen. Man muss schon ganz genau hinschauen.

Es geht zwar "nur" um die Regionalliga. Doch in Sachen Tradition muss sich die vierthöchste deutsche Spielklasse hinter der Bundesliga nicht groß verstecken.

Hermann Korfmacher bringt es auf den Punkt. Und die Superlative passen.

"Die Regionalliga West ist die Königsklasse der Amateure und somit ein perfekter Unterbau zum Profifußball", sagt der Präsident des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes (WFLV), der die Liga ausrichtet.

(Die Regionalliga LIVE im TV auf SPORT1 - immer dienstags ab 19.45 Uhr und bei SPORT1.fm)

"Renaissance der Oberliga West"

"Das ist eine kleine Renaissance der Oberliga West", erklärt Hajo Sommers und meint die höchste deutsche Spielklasse der Nachkriegszeit.

Das ist zwar lange her und zahlreiche Traditionsklubs von damals sind in den Niederungen des deutschen Fußballs verschwunden. Doch diese angeblichen Niederungen, die heute Regionalliga heißen, sind so gut besetzt wie nie.

"Da ist die Dritte Liga nichts gegen", so Sommers, Präsident von Rot-Weiß Oberhausen, einem von sechs ehemaligen Bundesligisten in der 4. Liga, Staffel West.

34 Jahre Bundesliga sind es insgesamt, neben RWO (4) sind Rot-Weiss Essen (7), Fortuna Köln (1), Wattenscheid 09 (4), Alemannia Aachen (4) und der KFC Uerdingen (14) dabei.

Viktoria Köln spielte 1962 im Europapokal, Essen und Uerdingen sind ehemalige DFB-Pokalsieger, RWE wurde 1955 mit Weltmeister Helmut Rahn sogar deutscher Meister.

Regionalliga LIVE bei SPORT1

Und Tradition verpflichtet. Deswegen ist SPORT1 in dieser Saison unter dem Motto "Königsklasse der Amateure" regelmäßig dabei.

"Wir zeigen Partien aus den Staffeln West, Südwest, Nord und Bayern. Das wird eine Liga zum Anfassen. Wir berichten auch über die Historie der Traditionsvereine. Der feste Sendeplatz ist dienstags um 19.45 Uhr", erklärt SPORT1-Chefredakteur und Programmchef Olaf Schröder.

Der nächste Live-Termin: Am 13. August steigt das West-Duell zwischen Fortuna Köln und dem KFC Uerdingen (Di., ab 19.45 Uhr Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und bei SPORT1.fm).

Den Anfang machten am 30. Juli Waldhof Mannheim und der SSV Ulm in der Südwest-Staffel. Klar, zwei weitere ehemalige Bundesligisten. Ebenfalls geballte Tradition.

Im Süden können daneben auch Kickers Offenbach und der FC Homburg auf ihre frühere Zugehörigkeit in der Beletage des deutschen Fußballs verweisen - das Quartett kommt auf insgesamt über 600 Spiele in der Bundesliga.

Tradition verpflichtet

Auch der Zuspruch im Stadion wird wachsen. In der ersten Spielzeit nach der Reform pilgerten eine halbe Million Fans zu den Spielen. Im Schnitt waren, auch aufgrund der mäßig attraktiven Zweitvertretungen der Profiklubs (2013/14: 23), 1198 Zuschauer dabei.

Doch wie gesagt, Tradition verpflichtet. Deswegen ist es kein Wunder, dass Essen mit knapp 8000 Fans Zuschauerkrösus war. Auch in Aachen rechnet man mit einem ähnlichen Zuspruch wie in der vergangenen Saison in Liga drei (11.500).

Bayern schon weiter

Während es im Westen und Südwesten mit dem ersten Spieltag bereits erste Appetithäppchen auf die mit Spannung erwartete Saison gab, ist die Liga in Bayern bereits voll im Gange.

Nach fünf Spieltagen ist die Zweitvertretung des FCB bereits Tabellenführer - nicht auszuschließen, dass die Fans noch den ein oder anderen prominenten Profi zu sehen bekommen.

Bayern-Coach Pep Guardiola ist inzwischen ja alles zuzutrauen. Im Norden wird die Saison an diesem Wochenende eröffnet ? natürlich mit Kult-Klub SV Meppen.

Problem Aufstiegsregelung

Tradition, Derbys und hohe Zuschauerzahlen hin oder her, in der Regionalliga ist nicht alles eitel Sonnenschein. Streitpunkt ist die Aufstiegsregelung.

Nach der Reform vor einem Jahr ist der Regionalligameister nicht mehr direkt Aufsteiger, sondern muss sich in zwei Playoff-Spielen gegen einen der vier anderen Sieger oder den Zweiten der Südwest-Staffel durchsetzen.

Eine Änderung der umstrittenen Regelung ist aber nicht in Sicht.

Obwohl es erst jüngst den Beweis für die Unsinnigkeit gab: Die Sportfreunde Lotte scheiterten an RB Leipzig und müssen trotz der Rekordzahl von 86 Punkten einen neuen Versuch unternehmen. Bei der attraktiven Konkurrenz im Westen ist das aber zumindest halbwegs zu verschmerzen.

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