Noelle Maritz, Merle Frohmsand Alexandra Popp (v.l.) bejubeln den Titel © getty

Die Wolfsburger Frauen feiern den Sieg in der Champions League ausgelassen und kassieren Lob von höchster Stelle.

Aus Lissabon berichtet Frank Hellmann

Lissabon - Hinterher hatte Rolf Schnellecke bei der Party der Fußballerinnen des VfL Wolfsburg schwer zu tun.

Hände schütteln, Schultern klopfen.

Auch wenn der frühere Oberbürgermeister der Stadt Wolfsburg nicht immer wusste, welcher Spielerin er da genau gratulierte, so war seine Anerkennung ehrlich gemeint.

"Das ist ein toller Erfolg für den Stadt und den Verein." Und dann fügte der 69-Jährige bei der Feier in der angemieteten Diskothek "Pousada de Cascais", mitten in der Kleinstadt Cascais fast 30 Kilometer vom Stadtzentrum Lissabons gelegen, noch an: "Da können sich die Männer ruhig mal ein Beispiel nehmen."

Tatsächlich fiel in Schnelleckes Amtszeit, der von 2001 bis 2011 die Autostadt repräsentierte, die Sensationsmeisterschaft 2009 unter Felix Magath, doch seitdem herrschte bei den Männern absolute Flaute.

Frauen für die Titel zuständig

Aber für fröhliche Titelfeiern gibt es unter dem VW-Dach ja seit geraumer Zeit die Frauen.

Nach dem Triple in der Vorsaison, was damals für die Frauen-Abteilung einen Quantensprung bedeutete, verteidigte der VfL Wolfsburg nun im Estadio do Restelo die wertvollste Trophäe im weiblichen Segment.

Der spektakuläre 4:3 (0:2)-Finaltriumph in der Women's Champions League gegen den von der Pleite bedrohten schwedischen Vertreter Tyresö FF im Lissaboner Stadtteil Belém war ein bemerkenswertes Produkt von fantastischer Moral und herausragender Physis.

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Der anwesende Bundesliga-Trainer Dieter Hecking fügte noch an, dass er zudem "eine herausragende Trainerleistung" gesehen hatte.

Er meinte die Maßnahmen seines Klubkollegen Ralf Kellermann, einem ehemaligen Zweitligatorwart, der tatsächlich die richtigen Kunstgriffe anwendete, um nach den Rückständen durch die fünfmalige brasilianische Weltfußballerin Marta (28. und 56.) und der spanischen Ausnahmespielerin Veronica Boquete (30.) noch zurückzuschlagen.

Deja-vu für Martina Müller

Alexandra Popp (47.), Martina Müller (53. und 80.) und Geburtstagskind Verena Faißt (68.) trafen für den Titelverteidiger, wobei es der "Fußballerin des Jahres" Martina Müller vorbehalten blieb, wie im Vorjahr an der Stamford Bridge beim 1:0 gegen Olympique Lyon das Siegtor zu erzielen.

"Sie ist das Aushängeschild und seit 2005 im Verein. Mich freut besonders, dass sie das Tor macht", sagte Kellermann, der den Triumph von Lissabon höher schätzte als die Sensation von London. (Shop: Jetzt Fanartikel vom VfL Wolfsburg kaufen)

Begründung des 45-Jährigen: "Noch einen Riesenschritt nach vorne zu gehen, wenn eine Mannschaft schon alles abgeräumt hat, ist nicht selbstverständlich."

Und die nächsten Träume könnten sich schon 2015 erfüllen, wenn die Champions-League-Endspiele in Berlin stattfinden - beide im Olympiastadion.

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"Unser Ziel ist schon jetzt das Champions-League-Finale 2015", rief Kellermann aus und erteilte für die kurzfristig in die Atlantikbucht verlegte Fete die Erlaubnis, es richtig krachen zu lassen.

"Keine muss Rücksicht nehmen, das muss gefeiert werden."

"Der große Druck ist weg"

Erst am Freitagabend geht es zurück aus Lissabon, denn bereits am Sonntag geht die Bundesliga mit der Pflichtaufgabe gegen die SGS Essen weiter.

Noch hat der VfL Wolfsburg auch gute Chancen auf die Meisterschaft, "aber der große Druck ist weg", wie Kellermann erklärte.

Als Titelverteidiger ist Wolfsburg für die Women's Champions League direkt wieder qualifiziert. Entsprechend gelöst gingen die VfL-Spielerinnen die Feierlichkeiten an.

Kapitänin Nadine Keßler, die mustergültig das Siegtor vorbereitet hatte ("Ich habe geschaut, die Martina gesehen und die stand goldrichtig"), scharte die Kolleginnen in ihren Stöckelschuhen zum Queen-Evergreen "We Are the champions" um sich.

Beauty Queen Lena Goeßling

Und die an der Theke frei verfügbaren Sektgläser fanden bei Josepine Henning und Co. reißenden Absatz.

Und sogar Lena Goeßling, intern als "Beauty Queen" bezeichnet, wirkte wieder fröhlich, obwohl ihr ein hässlicher Check und ein blutiger Cut auf der Wange zu schaffen machte.

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"Für die Siegerehrung habe ich mir das Pflaster runtergerissen. Wie sieht das denn aus!" erklärte die Nationalspieler lächelnd, die unbeschreiblich fand, "dass wir das schon wieder geschafft haben."

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der an der Seite von UEFA-Boss Michel Platini den spannenden Schlagabtausch zwischen zwei gut ausgebildeten Vereinsmannschaften verfolgte, geriet hinterher ins Schwärmen: "Das war eine super Werbung für den Frauenfußball. Grandios und sensationell. Eine tolle Sache."

Und Niersbach fügte mit einem scherzhaften Seitenhieb in Richtung der Wolfsburger Führungsetage noch an: "Ich hoffe, die Herren haben sich ausreichend Notizen gemacht, wenn ihre Männer mal Champions League spielen."

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