Der SPORT1-Reporter irrt nach dem Drama der Bayern im "Finale dahoam" gegen den FC Chelsea frustriert durch München.

Es hätte eine rauschende Münchner Sommernacht werden können, doch das lang angekündigte "Finale dahoam" endete in einem Desaster.

Doch nicht nur Spieler und Verantwortliche des FC Bayern fanden nach der traumatischen Finalpleite gegen den FC Chelsea nicht in den Schlaf.

Ich, der SPORT1-Reporter, erlebte das Drama nach dem Drama hautnah - gezwungenermaßen.

[image id="8cb581a6-6449-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Um 1.30 Uhr verlässt Roberto di Matteo nach seinen ausführlichen Statements zum Chelsea-Triumph mit einem Lächeln den noch immer voll besetzten Presseraum der Arena.

Die UEFA schenkt Freibier an die durstigen und müden Journalisten aus, das ich dankend annehme. Schließlich ist Kollege Mathias Frohnapfel bereits mit dem Dienstwagen auf dem Weg zum Bayern-Bankett in der Nähe der Hackerbrücke.

Doch meine schlaue Idee, mit einem der bei Heimspielen immer so zahlreich wartenden Taxen rasch den Weg ins eigene Bett anzutreten, erweist sich als klassisches Eigentor.

Von Taxen ist weit und breit nichts zu sehen, die wenigen rauschen voll besetzt davon. "Die Polizei ist schuld, die lässt uns nach der Autobahnausfahrt nicht durch", erklärt uns ein Fahrer, dessen Wagen schon längst für irgendwelche VIPs reserviert ist.

Die Schlange der gestrandeten Berichterstatter aus der ganzen Welt und übrig gebliebener Fans wird länger und länger. Nach ewigem Warten haben ein Kollege und ich doch noch Glück.

Das Problem: Der Mitfahrer muss genau an die andere Ecke der Stadt. Der Taxler telefoniert sich einen Wolf, schmeißt mich dann am BMW-Museum raus und kündigt einen Kollegen in fünf Minuten an. Nach mehr als 20 Minuten vergeblichem Warten gebe ich auf und laufe Richtung Innenstadt.

Mit mir laufen allerdings hunderte frustrierter Bayern-Anhänger, die vom nahe gelegenen Public Viewing im Olympiastadion kommen und ebenfalls vergeblich den vorbei rasenden Taxen hinterher wedeln.

Als ich schon fast aufgegeben und mich auf einen langen Fußmarsch mit dem minütlich schwerer werdenden Laptop eingestellt habe, hält plötzlich doch noch ein - freies! - Taxi vor meiner Nase. Zum laustarken Bedauern der gegenüber fluchenden rund 20 FCB-Fans.

"Wo ist eigentlich das Problem?", frage ich den Fahrer leicht gereizt. "Das kann ich Ihnen sagen: "Heute sind 300.000 Menschen mehr als sonst in der Stadt, das ist schlimmer als Silvester. Da ist ein freies Taxi praktisch wie ein Sechser im Lotto."

Als Hauptgewinn fühlt es sich trotzdem nicht an, als ich um 3.30 Uhr endlich mein persönliches "Finale dahoam" erlebe.

Weiterlesen