Melanie Behringer (r.) wechselte 2010 vom FC bayern München zum 1. FFC Frankfurt © imago

Nach der Schlappe im Champions-League-Finale blickt der FFC auf die Trümmer der Saison. Der Manager bleibt kampfeslustig.

Aus dem Münchner Olympiastadion berichtet Mathias Frohnapfel

München - Auf der Haupttribüne wehten noch fingerlange Konfettistreifen über die Ränge, als Saskia Bartusiak mit zusammengekniffenen Lippen gegen den Frust ankämpfte.

Das zweite Finale innerhalb fünf Tagen und erneut hatte der 1. FFC Frankfurt verloren.

Nach der finalen Pleite im DFB-Pokal gegen den FC Bayern mussten die hochehrgeizigen Hessinnen auch im Champions-League-Finale ihren Kontrahentinnen bei den Freudensprüngen zuschauen.

"Die Enttäuschung ist erstmal riesengroß, obwohl wir ein gutes Spiel gezeigt haben, sind wir eben nur Zweiter", sagte die Abwehrspielerin auf SPORT1-Nachfrage.

Die 0:2-Niederlage gegen Olympique Lyon (Spielbericht) erklärte sie so: "Wir wollten unbedingt, haben auch an uns geglaubt, aber der Ball wollte einfach nicht ins Tor."

Dabei hätte der namhafteste Kader der Liga vor der Rekordkulisse von 50.212 Zuschauern durchaus mehr erreichen können.

Ex-Münchnerin als Pechvogel

Doch erst verhalfen die Frankfurterinnen durch den ungeschickten Einsatz von Melanie Behringer Lyon per Elfmeter zur Führung und danach versiebten sie beste Chance.

Die aussichtsreichste hatte Behringer kurz vor der Pause freistehend aus zehn Metern.

Jene Behringer, die früher für den FC Bayern spielte und nur zu gerne ihren Teamkolleginnen gezeigt hätte, wo man in München die Sau rauslassen kann.

"Alle sind sehr enttäuscht, es tut mir leid für die Mannschaft", zeigte sich der Pechvogel untröstlich.

Dietrich appelliert ans "Wir-Gefühl"

Stattdessen stand für sie wie das Frankfurter Management Trauerarbeit an.

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"Wir wissen, dass wir einen hervorragenden Kader und ein hervorragendes Trainerteam haben. Der 1. FFC Frankfurt hat ein großes Wir-Gefühl, es wird auch mal Spielzeiten geben wie diese", sagte Manager Siggi Dietrich im Gespräch mit SPORT1.

Und er betonte, dass die beiden Finalteilnahmen dem Klub "durchaus geholfen" haben. Allein für das Erreichen des Champions-League-Finales erhielten die Hessen 200.000 Euro.

"Wir haben keine schlechte Saison gespielt, aber auch keine wirklich erfolgreiche", fiel sein Urteil milde aus. Die Finalniederlage gegen Lyon nahm er als Anlass, gleich an eine Revanche zu denken.

"Das ist für uns Motivation Gas zu geben", sagte Dietrich, Konkurrenz belebe nunmal das Geschäft.

Viel investiert, nichts gewonnen

Und Dietrich fand immerhin ein Trostpflaster nach den beiden verkorksten Finalspielen: Gegen Lyon hätte anders als gegen den FC Bayern zu jedem Zeitpunkt die Einstellung gestimmt.

Ansonsten blickte der Manager trotzig nach vorne und stärkte auch Trainer Sven Kahlert den Rücken.

"Der FFC ist langfristig gut aufgestellt, und wir werden mit dem Trainerteam in dieser Form weiterarbeiten", sagte Dietrich, stellte aber klar: "Eine Saison ohne Titel ist nicht unser Anspruch, da muss es im nächsten Jahr wieder Richtung Erfolgsstraße gehen."

Der hat trotz des finanzkräftigen Hintergrund des Klubs in dieser Saison alle Titelchancen ausgelassen und es spricht ziemlich wenig dafür, dass die Frankfurterinnen angesichts von sechs Punkten Abstand auf Platz zwei in der Bundesliga noch die Champions-League-Qualifikation schaffen.

Der Coach führte die fast schon unheimliche Verletzungsserie an und legte an einer Stelle bewusst den Finger in die Wunde.

Torjägerin dringend gesucht

Eine "echte Torjägerin" fehle eben. Eine, die knipst und zumindest aus zwei Großchancen ein Tor macht. Im Moment scheinen seine Spielerinnen mit solch einer Vorgabe weit überfordert.

"Wir hatten über die ganze Saison Schwierigkeiten, die vielen Torchancen, die wir rausgepielt haben, zu nutzen", klagte Kahlert und sprach über den Umbruch in der Mannschaft nach dem Abschied von Sturmlegende Birgit Prinz.

"Das ist für mich als Trainer keine Saison, auf die man aufbauen kann."

Kahlert erkannte zugleich die Dominanz von Titelverteidiger Olympique Lyon an.

"Momentan ist die Mannschaft das Maß aller Dinge im Frauenfußball. Sie haben einen Riesenetat, einen Top-Kader, ihr Vorteil ist, dass sie zwei, drei Jahre so zusammenspielen."

Und die Französinnen genossen ihren Triumphzug ausgiebig, tänzelten freudenstrahlend durch die Mixed Zone im Münchner Olympiastadion.

Lyon mit unglaublicher Siegesserie

"Es ist schon lange her, dass wir verloren haben. In diesem Jahr haben wir noch keine Niederlage kassiert", berichtete Lara Dickenmann.

"Ich kann es selbst kaum glauben", meinte die Schweizerin, die auf dem Rücken eine Landesflagge trug und eine CD in der Hand hielt.

"Die Atmosphäre in Deutschland ist immer top", lobte sie noch die Finalstadt, ehe sie das Geheimnis der CD verriet.

Eine Fotografin hatte ihr einen Mix der jüngsten Erfolge zusammengestellt. Weitere Erfolgsbilder dürften folgen.

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