Jones absolvierte 111 Länderspiele (9 Tore) für den DFB und wurde 2003 Weltmeister © getty

Frankfurts Legende Steffi Jones spricht vorm Champions-League-Finale gegen Lyon über Druck auf dem Ex-Klub und WM-Folgen.

Vom Frauen-Champions-League-Finale berichtet Mathias Frohnapfel

München - Sie weiß definitiv, wie es geht.

Zweimal kletterte Steffi Jones mit dem 1. FFC Frankfurt auf den höchsten Thron im Frauen-Vereinsfußball, gewann 2002 und 2006 den UEFA?s Women Cup, Vorläufer der heutigen Champions League.

Mittlerweile ist Steffi Jones das bekannteste Gesicht des deutschen Frauenfußballs.

2011 machte sie als Chefin des Organisationskomitees die WM in Deutschland auch mit ihrer sympathischen Ausstrahlung zu einem strahlenden Fest.

Der DFB-Pokal ging an Bayern verloren

Seitdem arbeitet die Ex-Weltmeisterin als Direktorin des DFB und ist somit von Berufswegen auch immer wieder bei ihrem alten Klub präsent wie beim DFB-Pokalfinale am Samstag.

Frankfurt verlor 0:2 gegen die Frauen des FC Bayern und hat jetzt gegen Titelverteidiger Olympique Lyon im Champions-League-Finale (ab 18 Uhr) die Chance, die Saison doch noch glanzvoll abzuschließen.

Im SPORT1-Interview spricht Jones über das große Spiel im Münchner Olympiastadion, die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland und die wachsende Konkurrenz anderer Nationen.

SPORT1: Frau Jones, vor einem Jahr wurden die deutschen Nationalspielerinnen fast wie Pop-Stars gehypet. Jetzt ist das Interesse vor dem Champions-League-Finale überschaubar. Frustriert Sie das oder treibt Sie das in Ihrer Arbeit eher noch an?

Steffi Jones: Wir haben immer gesagt, dass man die WM und den Alltag trennen muss. Wir müssen weiter hart arbeiten, um Highlights zu schaffen ? deshalb ist dieses Champions-League-Finale in München jetzt auch wieder sehr wichtig. Es ist eine Plattform, auf der die Spielerinnen nun auch mal abseits des Nationalteams ihren Bekanntheitsgrad steigern können. Und ich finde, bei derzeit mehr als 30.000 abgesetzten Karten, kann man nicht davon sprechen, dass das Interesse überschaubar ist.

SPORT1: Also ein Motivationsschub.

Jones: Über den Zuspruch freuen wir uns sehr. Wir wissen, dass wir weiter hart arbeiten müssen, um gemeinsam mit den Vereinen vor allem auch die Entwicklung in der Frauen-Bundesliga voranzutreiben. Die WM als einmalige Ausnahmeveranstaltung kann nicht als Maßstab für den Alltag gelten.

SPORT1: Das Finale findet im Münchner Olympiastadion statt. Besteht das Risiko, dass viele Plätze leer bleiben?

Jones: Wir gehen an jedes Spiel so ran, dass wir möglichst viele Zuschauer haben wollen. Das Stadion ist sehr groß und es ist eine große Herausforderung, es zu füllen. Das haben wir aber immer offen kommuniziert. Wie gesagt, bislang sind 30.000 Karten abgesetzt, das ist ein tolles Zwischenergebnis.

SPORT1: Ihr ehemaliger Klub, der 1. FFC Frankfurt, spielt gegen den aktuellen Titelverteidiger Olympique Lyon. Wie schätzen Sie die Chancen des deutschen Teams ein?

Jones: Ich sehe die Chancen bei 50:50. Frankfurt muss gewinnen, will es auch in der nächsten Saison in der Champions League antreten. Durch das Aus im DFB-Pokalfinale gegen Bayern München scheint Lyon favorisiert. Dies könnte sich durchaus positiv für Frankfurt auswirken. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Mannschaft die Niederlage von Köln wegstecken wird und hochmotiviert das Champions-League-Finale angeht.

SPORT1:Wie wichtig wäre ein Frankfurter Erfolg für den deutschen Frauenfußball insgesamt?

Jones: Natürlich würde ein Sieg eines deutschen Teams im Heimfinale die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Aber schon das Erreichen des Champions-League-Finales ist ein großartiger Erfolg und wir dürfen nicht vergessen, dass in Turbine Potsdam ein weiterer deutscher Verein bis zum Halbfinale dabei war. Das spricht für die Qualität des Frauenfußballs in Deutschland. Unabhängig davon, wer am Ende Champions-League-Sieger wird.

SPORT1: Der 1. FFC verfolgt sein erfolgsorientiertes Konzept ziemlich offensiv, ist das nicht auch risikoreich?

Jones: Ich finde, dass der 1. FFC Frankfurt langfristig plant. Zudem verstärkt sich Frankfurt auch durch jüngere Spielerinnen. Dass eben auch namhafte Spielerinnen nach Frankfurt kommen, liegt daran, dass sie professionelle Strukturen haben und in Siggi Dietrich einen guten Manager.

SPORT1: Sie hatten als OK-Chefin vor und während der Frauen-WM sehr anstrengende Wochen. Wie hat sich aus Ihrer Sicht der Frauenfußball durch die WM in Deutschland entwickelt?

Jones: Wir wollten nachhaltig einen Meilenstein setzen, das haben wir geschafft. Wir müssen jetzt schauen, dass der Frauenfußball nicht stagniert. Deshalb müssen wir uns der Herausforderung stellen, es wird kein Selbstläufer. Die anderen Länder holen auf, sie sehen die Chance und Perspektive im Frauenfußball. Sie machen mehr Nachwuchsarbeit, mehr Talentförderung als zuvor, das ist sichtbar.

SPORT1: Was sind die Konsequenzen daraus für den DFB?

Jones: Unser Ziel ist, mit der Frauennationalmannschaft weiter in der Weltspitze zu bleiben. Zudem soll unsere Frauenbundesliga noch besser werden - Professionalisierung ist das Stichwort.

SPORT1: Als Deutschland im Algarve-Cup-Finale Japan geschlagen hat, haben Sie da mit Wehmut auf die WM geschaut und das verlorene Viertelfinale gegen Japan?

Jones: Ja schon. Man sieht daran, dass es eine Kopfsache war, dass die Spielerinnen sich zu sehr unter Druck gesetzt haben. Das ist jetzt aber für mich echt abgehakt. Ich möchte nach vorne schauen, wir haben ja trotzdem mit einer sehr gut organisierten WM, tollen TV-Quoten und neuen Zuschauerrekorden Geschichte geschrieben und ich finde, unsere Frauennationalmannschaft ist immer noch Weltklasse.

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