Der Pokalsieg ist der erste Titel der Bayern-Frauen seit der Meisterschaft 1976 © getty

Während die Fußballerinnen von Bayern München ihren historischen Pokaltriumph feiern, herrscht bei Favorit Frankfurt Katerstimmung.

Köln - Dem historischen Tag folgte eine feucht-fröhliche Nacht:

Ausgelassen feierten Bayern Münchens Fußballerinnen in Köln den ersten Pokaltriumph der Vereinsgeschichte bis in die Morgenstunden.

"Wir haben uns heute in die Geschichtsbücher eingetragen, das ist phänomenal", sagte der sonst so sachliche Trainer Thomas Wörle nach dem Sturz des Titelverteidigers 1. FFC Frankfurt feierlich.

Währenddessen herzten seine Spielerinnen immer wieder die wuchtige Silbertrophäe, wie um sich zu vergewissern, dass das gerade Erlebte nicht bloß ein Traum war.

Erster Titel seit 36 Jahren

Die Partylaune nach dem verdienten 2:0 (0:0) über Branchenprimus Frankfurt (Spielbericht) und dem ersten Titel seit der Meisterschaft 1976 konnte auch die deftige Niederlage von Schweinsteiger und Co. am Abend nicht verderben.

"Ich bin über 30 Jahre im Verein und habe so einen Titel noch nicht erreicht", sagte Managerin Karin Danner.

"Ich bin richtig stolz auf die ganze Truppe. Wir haben unseren Traum wahrgemacht."

Das Star-Ensemble aus Frankfurt dagegen erlebte dank der Treffer der Amerikanerin Sarah Hagen (63.) und der eingewechselten Ivana Rudelic (90.+1) einen Tag der Kategorie Alptraum

Bartusiak: "Wir haben alles vermissen lassen"

Als die Münchnerinnen den Pokal in den Himmel reckten, standen Fatmire Bajramaj und Co. mit versteinerten Mienen daneben und entfernten schnellstmöglich die ungeliebten Medaillen, die ihnen DFB-Vizepräsidenten Hannelore Ratzeburg umgehängt hatte.

"Wir haben alles vermissen lassen, was man in einem Finale braucht", analysierte Nationalspielerin Saskia Bartusiak schonungslos.

FFC-Trainer Sven Kahlert ging mit seinem Team ebenso hart ins Gericht: "Die Bayern waren lauffreudig, aggressiv, sie haben all das gemacht, was ich von meiner Mannschaft erwartet hatte."

Letzte Chance Champions-League-Finale

Nach der erneut verspielten Meisterschaft haben die einst so erfolgsverwöhnten Frankfurterinnen am Donnerstag im Champions-League-Finale in München die letzte Titelchance der Saison.

Ohne Leistungssteigerung könnte gegen den starken Titelverteidiger Olympique Lyon im Olympiastadion ein weiterer schwarzer Abend folgen, als Tabellenvierter der Bundesliga droht dann eine Spielzeit ohne Teilnahme an der Königsklasse.

"Jede muss ungefähr 100 Prozent mehr drauflegen", forderte daher Abwehrchefin Bartusiak.

"Wir müssen jetzt die Köpfe frei kriegen, damit die Mannschaft die notwendige Leistung bringt, um Lyon in die Knie zu zwingen", sagte Kahlert, der aber auch seine Taktik gegen den Underdog aus München hinterfragen muss.

So schickte er Spielmacherin Bajramaj auf der ungewohnten Position als Sturmspitze aufs Feld.

Bajramai verschweigt Verletzung

Doch die Nationalspielerin sorgte für mächtig Wirbel, denn dass sie am rechten Sprunggelenk verletzt war, hatte sie dem Trainer offenbar verschwiegen.

"Ich bin im Abschlusstraining umgeknickt, aber ich dachte, dass es besser wird", erklärte Bajramaj, die aber nach 40 Minuten ausgewechselt werden musste.

"Es müsste schon ein Wunder passieren"

Im Champions-League-Finale in München gegen Olympique Lyon wird sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fehlen.

Wegen einer im Pokalfinale erlittenen Kapselzerrung mit Gelenkerguss im rechten Sprunggelenk muss die Offensivkraft acht bis zehn Tage pausieren.

"Es müsste schon ein Wunder passieren, damit sie am Donnerstag auflaufen kann", sagte FFC-Manager Siegfried Dietrich am Sonntag. Wenige Stunden zuvor hatte ein MRT in einem Frankfurter Krankenhaus die Diagnose erbracht.

FCB hofft auf erfolgreiche Zukunft

Während der FFC das Selbstbewusstsein vergangener Tage sucht, keimt bei den Bayern die Hoffnung auf eine erfolgreiche Zukunft.

"Dieser Erfolg wird der jungen Mannschaft Auftrieb geben, die Mädels werden dadurch garantiert wachsen", sagte der erst 30 Jahre alte Wörle, der das Konzept des Vereins, nicht auf teure, erfahrene Nationalspielerinnen zu setzen, bestätigt sieht:

"Wir gehen unseren eigenen Weg, der ganz gesund ist, mit jungen Talenten und ein paar Eckpfeilern."

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