Eine weniger herausragende Saison 2013/14 nimmt Veh aber die Lust an der Eintracht. Er lässt seinen Vertrag auslaufen - und will sich höheren Zielen widmen. Wie sie aussehen? Abwarten...
Armin Veh wurde 2007 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister © getty

Frankfurt ist vor dem Spiel gegen Apoel Nikosia schon für die Zwischenrunde qualifiziert. Es herrscht aber auch Skepsis.

Aus Frankfurt berichtet Frank Hellmann

Frankfurt - Mitunter lohnt der Blick zurück.

Etwa auf jene Saisoneröffnungspressekonferenz bei Eintracht Frankfurt, auf der Heribert Bruchhagen seine in Stein gemeißelte Sätze von sich gab, die den Sinn für Bodenhaftung unterstreichen sollten.

"Mit der sprungartigen Entwicklung müssen wir sehr verantwortungsvoll umgehen. Unsere Zielsetzung muss weiter sein, ein fester Bestandteil der Bundesliga zu bleiben."

Ahnte der Vorstandschef zu diesem Zeitpunkt schon, in welch schwieriges Fahrwasser sein Verein im zehnten Jahr seiner Amtszeit geraten würde?

Am heutigen Donnerstag bestreiten die Hessen ihr letztes Europa-League-Gruppenspiel gegen Apoel Nikosia (ab 18.45 Uhr im LIVE-TICKER), immerhin 31.000 Karten sind im Vorverkauf abgesetzt worden, aber viele würden die Tickets am liebsten zurückgeben und statt in den Frankfurter Stadtwald auf den Römer zum Weihnachtsmarkt pilgern. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Es ist zum einen die unwichtigste Partie der Saison, weil die Eintracht bereits als Gruppensieger feststeht, zum anderen hat Armin Veh wegen der prekären Lage in der Bundesliga angekündigt, die zweite Reihe aufzubieten.

Zweiter Anzug darf ran

Angefangen von Ersatztorwart Felix Wiedwald, bis hin zu Nachwuchsmann Marc-Oliver Kempf, den selten berücksichtigen Verteidigern Stefano Celozzi und Constant Djakpa oder Edelreservist Srdjan Lakic im Sturm.

Dafür sitzen Stammtorwart Kevin Trapp, Kapitän Pirmin Schwegler oder Dauerläufer Sebastian Rode nur auf der Tribüne.

"Wir haben keinen Druck, das ist in dieser Situation auch ganz angenehm", sagt der Eintracht-Trainer und sichert immerhin zu: "Wir wollen das Spiel gewinnen. Wenn ich etwas erkenne, dann kann es gut sein, dass derjenige auch am Sonntag wieder spielt."

Diskrepanz zur Liga

Sonntag steigt das laut Veh ungleich wichtigere Spiel in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen, wo Frankfurts Berufsfußballer wieder die gewaltige Diskrepanz zum Ligabetrieb spüren werden.

So schön es auch war, mit der Bestbesetzung anfänglich das heruntergekommene Girondins Bordeaux und die zweitklassige Europa-League-Konkurrenz aus Nikosia und Tel Aviv besiegt zu haben: Die von glücksseligen "Europacup"-Sprechchören und fantastischen Choreografien begleiteten Erfolge sind längst als Blendwerk enttarnt.

Und haben - auch weil die Eintracht-Entourage nach den Europapokalpartien stets in derselben Nacht zurückflog - immens Substanz gekostet.

Und weil Frankfurt auch noch im DFB-Pokal überwintert - im Viertelfinale kommt Borussia Dortmund - steht heute bereits das 26. Pflichtspiel an.

Eine Dreifachbelastung, der Vehs Ensemble Tribut zollt. "Wir spielen schlecht", gab der Trainer nach dem 1:2 gegen Hoffenheim zu.

Letzter Liga-Dreier im September

"Was wir können und was wir spielen - das ist ein riesiger Unterschied." Der letzte Bundesligasieg stammt aus dem September (3:0 in Bremen). Seitdem geht die Talfahrt ungebremst weiter.

"Das ist eine Welle, die kannst du nur schwer aufhalten", konstatierte Veh. Immerhin: Der 52-Jährige hat in Frankfurt noch kein Ungemacht zu befürchten, obgleich er weder in Hamburg noch Wolfsburg bewiesen hat, eine Krise wirklich zu meistern.

Auch in der Bankenstadt greifen die Veränderungen nicht, die der Fußballlehrer vornimmt. Die wechselnden Systeme, das neue Personal brachten keinen Erfolg - intern hat man sich auf die Sprachregelung geeinigt, dass ein Neuanfang in der Winterpause und im Trainingslager in Abu Dhabi unternommen werden soll.

"Wir haben noch eine Stärke", versichert Finanzvorstand Axel Hellmann, "das ist die Ruhe im Verein." Und doch murrt das Umfeld.

Verstärkungen sollen kommen

Der Aufsichtsrat ist darüber informiert, dass Verstärkungen kommen sollen, weil einige der im Sommer getätigten Verpflichtungen wie der Ex-Freiburger Jan Rosenthal oder der Ex-Hoffenheimer Stephan Schröck überhaupt nicht eingeschlagen haben.

Das Gute: Durch Europa League und DFB-Pokal kamen annähernd zehn Millionen Euro brutto zusammen. Das Schlechte: Die sportliche Krise schlägt aufs Gemüt. Und ein Abstieg würde unglaublich teuer.

"Ein weiteres mutiges Investitionsprogramm werden wir uns nicht leisten können, das Eigenkapital ist weitgehend abgeschmolzen", hat Bruchhagen bereits gewarnt.

Gedanken an Negativspirale

Der 65-Jährige weiß, wie schnell sich die Negativspirale drehen kann: 2010/11 stürzte die Eintracht nach der Winterpause böse ab und stieg schlussendlich ab - da half auch Notretter Christoph Daum nicht mehr. Später sprachen die Verantwortlichen von einem "Abstieg der Schande".

Damals trug eine unter Michael Skibbe nicht austrainierte, zerstrittene Mannschaft das Trikot mit dem Adler, deshalb will Bruchhagen diesen Vergleich überhaupt nicht gelten lassen. Damals, betont Bruchhagen, "haben wir zu spät erkannt, wie prekär die Situation ist."

Noch einmal wird der Boss nicht sehenden Auges den Absturz hinnehmen. Deshalb weiß auch Veh: Spätestens im letzten Heimspiel am übernächsten Freitag gegen Augsburg, seine Heimatstadt, sollte Frankfurt auch in der Liga wieder punkten.

Weiterlesen