Bruno Labbadia (l., mit Fredi Bobic) ist seit 2010 Trainer beim VfB Stuttgart © getty

Nach dem verkorksten Ligastart hat der VfB Stuttgart auch das Hinspiel in der Play-off-Runde zur Fußball-Europa-League verpatzt.

Rijeka/München - Die Ansprüche sind hoch, die Leistungen eher unterirdisch.

Auch wenn mancher Veranwortliche dem 1:2 bei HNK Rijeka (Bericht) im Hinspiel der Play-off-Runde zur Europa League Positives abzugewinnen versuchte, der VfB Stuttgart trudelt immer mehr in Richtung Krise.

Sechs Pflichtspiele haben die Schwaben bestritten in dieser noch jungen Saison. Gewonnen haben sie einmal - wenig glanzvoll im DFB-Pokal beim Viertligisten BFC Dynamo.

Nun mussten sie nach der Peinlichkeit an der kroatischen Adriaküste aufs Neue erklären, warum es schief gegangen war.

Und es herrschte überwiegend Einigkeit. Es war vor allem die schlechte Chancenauswertung in Verbindung mit Schlafmützigkeiten in der Defensive.

Einfache Fehler

"Mehr Torchancen kannst du eigentlich nicht mehr haben", sagte Trainer Bruno Labbadia. Die Mannschaft, fügte er hinzu, habe allerdings viel investiert, nur belohne sie sich gerade nicht und baue den Gegner mit einfachen Fehlern auf.

"Wir sind schlampig mit unseren Chancen umgegangen. So kann man Spiele nicht gewinnen", ergänzte Sportvorstand Fredi Bobic.

VfB mit individuellen Patzern

Das VfB-Spiel krankt aber an wesentlich mehr als an wenigen individuellen Patzern und ausbleibenden Toren. Es ist keine Überzeugung zu erkennen, es mangelt an Ordnung, Tempo und Entlossenheit.

Der Mannschaft fällt es schwer, sich aufzubäumen, schlechte Phasen einfach abzuschütteln.

Ein Gegentor wie das 0:1 des früheren Nürnbergers Leon Benko (74.) erschüttert die Labbadia-Elf momentan, nach dem 0:2 von Zoran Kvrzic (87.) gelang immerhin noch der Anschlusstreffer durch Vedad Ibisevic (89.).

In dieser Verfassung wird es schwer, im Rückspiel am kommenden Donnerstag den nötigen Zu-Null-Sieg einzufahren, zumal der VfB in den letzten Monaten kaum einmal ein Heimspiel ohne Gegentor absolvierte. "Natürlich sind wir grad in einem Negativlauf, den müssen wir beenden", sagte Christian Gentner nach der dritten Pflichtspielpleite in Folge. Nur wie?

Bobic fordert unmissverständlich Punkte

Bobic hatte den Druck zuletzt schon erhöht. Der 41-Jährige forderte unmissverständlich Punkte am Sonntag beim FC Augsburg (ab 17.15 Uhr LIVE auf SPORT1.fm und im LIVE-TICKER).

In Rijeka legte er nach und verlangte trotz der Hinspielschlappe "ohne Wenn und Aber" den Einzug in Europa-League-Gruppenphase. Bobic fände es "blamabel", würde der VfB tatsächlich ausscheiden.

Auch das bringt Coach Labbadia immer weiter in die Defensive. Erste "Bruno raus"-Rufe hat es bereits gegeben. Der 47-Jährige muss schnell Ergebnisse liefern, sonst gerät er noch stärker in den Mittelpunkt der Diskussion.

Schmerzhafte Situation

In Rijeka wollte Labbadia ("Das kann ich nicht sagen") nicht darüber spekulieren, erwähnte nur, dass die Situation für alle schmerzhaft sei.

Gerade in Augsburg dürfte jetzt der Charakter der VfB-Elf auf die Probe gestellt werden.

Der FCA, der selbst mit zwei Niederlagen in die Liga startete, ist für eine aggressive und zweikampforientierte Spielführung bekannt. Stuttgart wird sich vor allem wehren müssen.

"Wir müssen jetzt trotzdem die Köpfe hochnehmen", sagte Gentner in Rijeka. Es gibt Zweifel daran, dass dies gelingt.

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