Uli Stein (l.) spielte von 1987 bis 1994 bei Eintracht Frankfurt © imago

Uli Stein spricht vor Frankfurts Spiel bei Karabach Agdam bei SPORT1 über die Chancen des Underdogs und die Form der Hessen.

Von Christian Stüwe

München - Uli Stein hütete viele Jahre das Tor von Eintracht Frankfurt.

Zwischen 1987 und 1994 machte der 58-Jährige 224 Spiele für die Hessen, er erlebte unter anderem mit, wie die Eintracht 1992 am letzten Spieltag denkbar knapp die Meisterschaft verpasste.(DATENCENTER: Europa League Qualifikation)

Mittlerweile unterstützt Stein als Torwarttrainer Berti Vogts bei der Nationalmannschaft Aserbaidschans.

Und nach Aserbaidschan führte das Los auch Eintracht Frankfurt, in den Europa-League-Playoffs trifft die Mannschaft von Trainer Armin Veh auf Karabach Agdam (Do., ab 17.50 Uhr im LIVE-TICKER und bei SPORT1.fm).

Im SPORT1-Interview spricht Uli Stein über Fußball in Aserbaidschan, Brasilianer in Baku, die Chancen des Underdogs und den Saisonstart der Eintracht.

SPORT1: Herr Stein, was erwartet die Eintracht in Aserbaidschan?

Uli Stein: Nach den zwei Niederlagen zu Beginn der Saison ist es sicherlich so, dass die Eintracht erstmal selber wieder zu sich finden muss. Gegen Bayern hat die Eintracht wieder ganz ordentlich gespielt. Vor allem die Defensive, die in Berlin versagt hat. In Baku müssen sich die Frankfurter auf ein ähnliches Spiel wie in Berlin gefasst machen. Karabach Agdam wird zu Hause Dampf machen. Die Mannschaft hat einen guten Lauf und die letzten drei Spiel gewonnen. Sie haben viel Selbstvertrauen. Aber wenn alles normal läuft, müsste Frankfurt dort gewinnen. Denn von der Qualität her ist die Eintracht auf allen Positionen besser besetzt.

SPORT1: Gibt es eine Außenseiterchance für Karabach Agdam?

Stein: Wenn es nur ein Spiel wäre, würde ich sagen, die gibt es. Aber mit Hin- und Rückspiel dürfte es für die Eintracht eigentlich keine Probleme geben. Das müssten sie locker schaffen.

SPORT1: Wie schätzen Sie das Niveau von Karabach Agdam ein?

Stein: Von der Qualität her würde ich oberes Zweitliga-Niveau sagen.

SPORT1: Gibt es Spieler, auf die man besonderes achten muss?

Stein: Sie haben zwei neue Spieler aus Brasilien geholt. In Baku schwärmen alle von diesen beiden. Aber wenn ein Brasilianer freiwillig nach Aserbaidschan geht, kann er eigentlich nicht so gut sein. Deshalb kann ich das nicht immer ganz so ernst nehmen, wenn dort alle erzählen, wie stark die sind.

SPORT1: Aber generell scheint Aserbaidschans Liga für Ausländer attraktiv zu sein. Es spielen viele Legionäre dort.

Stein: Die Liga ist attraktiv, weil dort gut bezahlt wird. Aber die Qualität in der Liga ist nicht so hoch. Wenn man sieht, dass Xäzär Länkäran in der Europa-League-Qualifikation zu Hause 0:8 gegen Maccabi Haifa verloren hat, dann spricht das Bände. Alle Mannschaften außer Karabach sind in der ersten und zweiten Qualifikationsrunde ausgeschieden. Und wenn alles normal läuft, scheidet Karabach jetzt auch aus. Insofern kann man die Stärke der Liga schon einschätzen.

SPORT1: Wo liegen die Probleme des Fußballs in Aserbaidschan?

Stein: Ich sehe das Problem, dass alle Spieler für wenig Arbeit recht gut bezahlt werden. Die Spieler müssen nicht viel tun. Die Trainer machen auch nicht mehr und werden von den Präsidenten auch nicht unter Druck gesetzt, dass mehr kommen muss. Und wenn in der Liga nicht umgedacht wird, professioneller gearbeitet und professionellere Strukturen geschaffen werden, wird sich in naher Zukunft daran auch nicht viel ändern.

SPORT1: Die Eintracht muss am Sonntagnachmittag schon wieder in Braunschweig ran. Wie groß ist der Reisestress?

Stein: Von Frankfurt aus sind es nur viereinhalb Stunden Flug. Das ist nicht so schlimm. Was ein bisschen Stress verursachen könnte, sind die drei Stunden Zeitunterschied. Aber das müsste zu verkraften sein. Wenn das Spiel so läuft, wie ich es vermute, sollten sie auch nicht völlig kaputt aus dem Spiel rauskommen. Eine durchschnittliche Leistung sollte reichen, um zu bestehen.

SPORT1: Sie haben schon das 1:6 in Berlin angesprochen. Denken Sie, die Mannschaft hat das verarbeitet?

Stein: Das ist verarbeitet. Das hat man gegen die Bayern schon gesehen. Die Eintracht hat meines Erachtens im eigenen Stadion ein bisschen zu wenig nach vorne gemacht, aber sich trotzdem gut aus der Affäre gezogen. Wenn sie defensiv so gegen Karabach spielen, bekommen sie keine Probleme.

SPORT1: Trotzdem ist die Eintracht mit zwei Niederlagen gestartet. Wie beurteilen Sie den Saisonstart?

Stein: Das Auftaktprogramm ist ungünstig. Zweimal auswärts bei den Aufsteigern, die mit Begeisterung und Euphorie loslegen und zu Hause zweimal gegen die Topklubs. Es war klar, dass das schwer wird. Aber es kommt nicht darauf, ob man einen, zwei oder drei Punkte holt. Es kommt darauf an, wie man sich spielerisch präsentiert. Gegen Berlin war das erschreckend. Aber gegen Bayern war es schon wieder sehr positiv. Wenn sie so weitermachen, ergibt sich der Rest von allein.

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