Während der VfB (l.) das Achtelfinale planen darf, schied Leverkusen um Andre Schürrle aus © getty

Trotz des Achtelfinal-Einzug herrscht dicke Luft in Stuttgart - wegen der Terminhatz. Bei Leverkusen ist Katerstimmung.

Genk/Köln/Lissabon - Auch ein Weiterkommen kann man zuweilen fast so beklagen wie ein Wettbewerbs-Aus:

Während bei Bayer Leverkusen verständlicherweise Katzenjammer herrschte nach dem 1:2 (0:0)-Scheitern bei Benfica Lissabon (Bericht), wirkte kurioserweise auch beim erfolgreichen VfB Stuttgart die Stimmung bedrückt.

Trotz des Einzugs in die Runde der letzten 16 der Europa League nach einem 2:0 (1:0)-Rückspiel beim KRC Gent. (Bericht)

Der Grund für leichten Trübsal liegt im engen Terminplan der Schwaben: "Es ist definitiv Wettbewerbsverzerrung", motzte Trainer Bruno Labbadia. "Wir sind, glaube ich, die einzige Mannschaft, die es zum zweiten Mal erwischt. Das ist keine einfache Geschichte."

Schon wieder am Samtag gefordert

Zur Erklärung: Weil die fünf Ausnahmeregelungen für drei statt zwei Sonntagsspiele bereits verbraucht sind, muss der VfB nach nur etwas mehr als 42 Stunden Pause bereits am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) gegen den 1. FC Nürnberg antreten.

"Man legt sich nur kurz ins Bett - und dann spielt man schon wieder. Das wird nicht einfach werden", beschrieb Sportdirektor Fred Bobic die Situation. (DATENCENTER: Europa League)

Selbst das "tolle Los" Lazio Rom mit dem deutschen Nationalstürmer Miroslav Klose in der nächsten Runde konnte beim Ärger über die Spielansetzungen nur bedingt helfen.

Kurze Pause aber nicht unbedingt Nachteil

"Wir wollen nicht jammern. Wir nehmen es so, wie es ist", sagte Labbadia dann aber doch. ( 678849 DIASHOW: Bilder der Rückspiele )

Etwas anderes bleibt den Schwaben, die erstmals seit der Saison 2009/10 in der Champions League wieder eine Runde der letzten 16 auf europäischer Bühne erreichten, auch nicht übrig.

Die kurze Verschnaufpause ist für die Stuttgarter allerdings offenbar kein Nachteil: Zuletzt mussten sie Anfang Dezember im kräfteraubenden Donnerstag-Samstag-Rhythmus antreten - und gewannen damals nach einer 0:1-Niederlage gegen Molde FK 3:1 gegen Schalke.

[kaltura id="0_ixh8xy79" class="full_size" title="Gladbach und 96 im Tal der Tr nen "]

Harnik: "Sind alle erschöpft"

"Natürlich geht es jetzt Schlag auf Schlag. Und natürlich sind wir jetzt erst einmal alle erschöpft", sagte auch Stürmer Martin Harnik: "Aber die Situation hatten wir schon mal und ich bin guter Dinge, dass wir bis Samstag wieder bei Kräften sind."

Und Vedad Ibisevic ergänzte: "Wir sind gewohnt, dass es in zwei Tagen wieder los geht."

Zumal gegen die Nürnberger noch der Rückenwind des Erfolges hinzukommt. Nach fünf Ligapleiten in Folge gab es nach dem Sieg am vergangenen Wochenende in Hoffenheim nun gegen Genk den zweiten Sieg in Serie.

Weg aus der Krise gefunden?

Die Stuttgarter scheinen zumindest vorerst den Weg aus der Krise gefunden zu haben. Vor allem weil sich die vielgescholtene Abwehr stabilisierte und zweimal ohne Gegentor blieb.

"Die letzten zwei Spiele waren wichtig für uns, aber es liegen noch wichtige Wochen vor uns", sagte Bobic.

Denn auch nach dem Wochenende gibt es für den VfB erst einmal keine Zeit zur Erholung. Mit dem Viertelfinalspiel im DFB-Pokal am Mittwoch gegen den VfL Bochum steht bereits das nächste wichtigste Spiel auf dem Programm.

11 Spiele in 37 Tagen

Und bis Mitte März wird der VfB in 37 Tagen 11 Spiele absolviert haben.

Eins aber scheint sicher: Bei einem Einzug ins Pokal-Halbfinale oder ein Weiterkommen gegen Lazio Rom werden sich die Stuttgarter über die nächsten englischen Woche wohl nicht beschweren.

Leverkusen gezeichnet

Bei Bayer Leverkusen war derweil auch beim Training im Universitätsstadion von Lissabon am Freitagvormittag der Frust über das Europacup-Aus noch nicht gewichen.

"Wir müssen aus dem Ausscheiden in der Europa League und im DFB-Pokal unsere Lehren ziehen, um in den nächsten Jahren länger auf allen drei Hochzeiten dabei zu sein", kommentierte Mittelfeldmann Gonzalo Castro nach der 1:2-Pleite bei Benfica Lissabon, der schon das Hinspielsieg mit 1:0 gewann.

Der 32-malige portugiesische Champion war nicht besser, aber cleverer und abgebrühter als die Profis des Bundesliga-Tabellendritten.

Schürrle: "Das ist bitter"

"Das Aus ist sehr bitter, wir haben in beiden Spielen zu wenig aus unseren Chancen gemacht. Jetzt bleibt die Quali zur Champions League unser großes Ziel", sagte Nationalspieler Andre Schürrle, der mit seinem Tor zum zwischenzeitlichen 1:1 (75.) nochmals Hoffnung bei Bayer hatte aufkeimen lassen.

Fazit von Lars Bender: "Wir investieren viel, aber belohnen uns nicht."

Zwei Pfostenschüsse in der ersten Hälfte durch Stefan Kießling (12.) und Schürrle (40.) sowie ein Treffer von Kießling (51.), der allerdings knapp im Abseits stand - Bayer hatte auch im Estadio da Luz seine Chancen.

Bayer schlägt sich selbst

Doch wie schon im Hinspiel, in dem das Trainerduo Sami Hyypiä/Sascha Lewandowski mit einer verstärkten B-Elf der Schlappe Vorschub leistete, schlugen sich die Leverkusener selbst. "Wir haben das Weiterkommen zu Hause verspielt", konstatierte Torjäger Kießling.

Nun gilt es, die Qualifikation für die kommende Champions League in der Bundesliga zu sichern. Das Sonntagsspiel (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER) beim Tabellenletzten SpVgg Greuther Fürth ist nach dem Trainerwechsel bei den Franken allerdings höchst unangenehm.

"Wir sind Profis genug, um das jetzt abzuhaken. Die Qualifikation für die Champions League bleibt uns übrig. Darauf müssen wir uns konzentrieren, denn in Fürth wird es nach dem Trainerwechsel schwer genug", sagte Castro.

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