Die Borussia hadert nach der Rom-Pleite. Hanke kritisiert die Einstellung. Lazios Coach freut sich bei SPORT1 auf Stuttgart.

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Aus Rom berichtet Julian Buhl

Rom - Es passte ins Bild, dass unmittelbar nach dem Ende der Partie zwischen Lazio Rom und Borussia Mönchengladbach der Regen über dem Stadio Olimpico einsetzte.

All die Zuversicht und Euphorie, die die rund 10.000 mitgereisten Gladbacher Fans in der italienischen Hauptstadt an diesem zuvor noch so frühlingshaften und sonnigen Tag unbeirrbar vermittelt hatten, war der Ernüchterung gewichen. ( 678849 DIASHOW: Bilder der Rückspiele )

Der Traum der Borussen vom Einzug ins Achtelfinale der Europa League fand mit dem 0:2 (0:2) in Rom (Bericht) ein jähes Ende.

Dementsprechend finster waren auch die Mienen der Gladbacher, die sich in den Katakomben des Olympiastadions den Fragen der Journalisten stellten.

Dominguez-Patzer "Schlag in die Schnauze"

"Wir sind ausgeschieden und es tut weh", fasste Sportdirektor Max Eberl das soeben Erlebte gegenüber SPORT1 zusammen:

"Wir haben eigentlich gedacht, dass wir hier eine richtig gute Chance haben. Das hat sich im Grunde dann mit zwei Fehlern leider relativ schnell erledigt."

Als "Schlag in die Schnauze" hatte Eberl gar Alvaro Dominguez' Ballverlust empfunden, den Antonio Candreva bereits in der 10. Minute mit dem Führungstreffer bestrafte.

Alvaro Gonzalez nutzte eine weitere Gladbacher Fehlerkette zum zweiten Tor für Lazio (33.), bei dem auch Torhüter Marc-Andre ter Stegen keine gute Figur abgab.

Hanke sauer über Einstellung

Mike Hanke attestierte ausdrücklich und ausschließlich den mitgereisten Borussen-Fans, an diesem Abend das nötige Engagement gezeigt zu haben:

"Die feiern uns nach der Niederlage trotzdem. Die haben alles gegeben. Von uns kann man das heute nicht behaupten."

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Drei Fans durch Messerstiche verletzt

Für einige Gladbach-Anhänger wurde der Trip nach Rom dann auch wirklich zum Horror-Szenario. Drei Fans wurden durch Messerstiche verletzt.

Ob es sich bei den Angreifern um Lazio-Fans handelt, ist derzeit noch unklar.

"Niemand ist in Lebensgefahr. Wir haben zu allen Kontakt, und allen dreien geht es gut. Einer hat wohl einen Stich in die Wade bekommen, ein anderer in den Oberschenkel. Es ist zum Glück nichts Dramatisches", gab Borussias Pressesprecher Markus Aretz vorsichtig Entwarnung.

Laut Polizei-Angaben war ein 50 Jahre alter Arzt auf der Milvischen Brücke vor dem Olympiastadion attackiert worden, am Ufer des Tiber und vor dem Hilton-Hotel habe es weitere Angriffe gegeben.

Lazio droht Nachspiel

Sollte es sich bei den Tätern aber tatsächlich um Lazio-Fans handeln, droht dem Klub Ungemach durch die UEFA.

Der Klose-Klub steht bereits unter Beobachtung des Europäischen Fußball-Verbands. Wegen rassistischer Gesänge der Tifosi beim Gruppenspiel gegen Tottenham Hotspur im November verurteilte die UEFA Lazio zu einem Geisterspiel.

Die Strafe wurde allerdings für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Nun stellt sich die Frage, ob die UEFA die Vorfälle um das Gladbachs-Spiel als Wiederholungsfall wertet, oder ob es sich dabei um rassistische Entgleisungen handeln müsste.

Betroffen von einem Geisterspiel-Urteil im Achtelfinale wäre auch Roms nächster Gegner: der VfB Stuttgart.

Lazios Trainer Vladimir Petkovic ordnet die Schwaben als "ähnliche Mannschaft wie Borussia Mönchengladbach" ein und freut sich bereits auf "zwei sicher schöne Spiele".

Stranzl stolz auf Europa-Auftritte

Nicht nur schlechte Gladbacher Spiele wollte Martin Stranzl bei Borussias europäischer Fußballreise gesehen haben:

"Wir haben uns ganz gut präsentiert in Europa und tolle Spiele gemacht", sagte der Österreicher: "Wenn wir das wieder haben wollen, müssen wir jetzt in der Liga Gas geben."

Dort steht die Borussia derzeit auf Rang zehn und mit dem amtierenden deutschen Meister aus Dortmund wartet bereits am Sonntag eine harte Bewährungsprobe. Nächsten Freitag muss man dann beim Tabellenvierten Eintracht Frankfurt antreten.

Mit der Vorbereitung auf diese Aufgaben wird Gladbachs Trainer Lucien Favre sich in den kommenden Tagen befassen.

Favre: "Zu langsam, zu hektisch"

Für den Moment musste aber auch er feststellen, dass die Seinen in Rom "zu hektisch und langsam" zu Werke gegangen waren.

Eine "sehr solide und disziplinierte Mannschaftsleistung" bescheinigte Petkovic seiner Elf dagegen im Gespräch mit SPORT1: "Bei unserem Pressing hat Borussia Probleme gehabt. Ich bin sehr zufrieden."

Mit dem druckvollen und offensiven Spiel war die Favre-Elf offensichtlich überfordert.

Gladbach hatte wohl eher eine italienische Mannschaft erwartet, die zunächst auf ein 0:0 spielt, was Lazio nach dem 3:3 im Hinspiel ja bereits zum Weiterkommen gereicht hätte.

Lazio beendet Mini-Krise ohne Klose

Die Römer beendeten auch ihre zuvor vier Pflichtspiele anhaltende Serie ohne Sieg, die bereits in engen Zusammenhang mit der verletzungsbedingten Abwesenheit ihres deutschen Torjägers Miroslav Klose (Außenband-Teilabriss im Knie) gebracht wurde.

Zudem bleibt Lazio in der laufenden Europa-League-Saison weiter ungeschlagen.

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