Seit Juli 2009 Sportdirektor bei Hannover 96: Jörg Schmadtke © getty

Der 96-Manager erklärt bei SPORT1, warum er an ein Weiterkommen im Europapokal und einen Verbleib von Diouf in Hannover glaubt.

Von Tom Vaagt

Hannover - Jörg Schmadtke kann so leicht nichts aus der Ruhe bringen.

Nicht die schwierige Ausgangsposition für das Zwischenrundenspiel der Europa League am Donnerstag gegen Anschi Machatschkala (ab 20.50 Uhr im LIVE-TICKER). Nicht die zuletzt eher enttäuschenden Ergebnisse in der Bundesliga. Nicht die Spekulationen um einen möglichen Abgang von Stürmerstar Mame Diouf.

Im Gespräch mit SPORT1blickt der Sportdirektor von Hannover 96 auf den Europapokalabend voraus und glaubt trotz des 1:3 aus dem Hinspiel weiter an ein Weiterkommen der Niedersachsen.

Zudem tritt er den Gerüchten um Diouf entschieden entgegen.

SPORT1: Herr Schmadtke, wie beurteilen Sie Hannovers Chancen für das Rückspiel gegen Anschi Machatschkala?

Jörg Schmadtke: Ich sehe durchaus Chancen ? auch wenn das 1:3 aus dem Hinspiel sicher kein ideales Ergebnis ist und vieles für uns zusammenkommen muss. Aber wir sind heimstark und haben auswärts ein Tor erzielt. Das sind nicht die schlechtesten Voraussetzungen. Wir müssen nur aufpassen, dass wir Anschis Stärken nicht zur Entfaltung kommen lassen. Dann ist weiter alles möglich.

SPORT1: Die jüngsten Ergebnisse geben aber nicht durchweg Grund zur Hoffnung. Wie beurteilen Sie Hannovers sportliche Entwicklung der vergangenen Monate?

Schmadtke: Wir haben zwei Jahre lang deutlich am Limit gespielt und international nicht nur teilgenommen, sondern uns dort auch bewährt. Natürlich wissen wir, dass unsere Auswärtsbilanz derzeit nicht so prickelnd ist und wir zu viele Gegentore bekommen. Aber die Saison ist noch nicht zu Ende. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

SPORT1: Sie sprachen die Auswärtsschwäche des Teams an. Wird das zunehmend zu einem mentalen Problem?

Schmadtke: Wir müssen aufpassen, dass es nicht zu einem Kopf-Problem wird. Dass es ständig zum Thema gemacht wird, macht dies natürlich nicht einfacher. Wir sollten jetzt möglichst bald mal wieder auswärts gewinnen. Das ist die beste Medizin.

SPORT1: Gegen Anschi muss es nun zunächst einmal zu Hause klappen. Gegner Anschi hat Superstar Samuel Eto'o in seinen Reihen, seine Teamkollegen kennt man hierzulande eher nicht. Leidet das Europapokal-Feeling darunter?

Schmadtke: Nein, für mich wird das Europapokal-Feeling überhaupt nicht verwässert. Solche Abende sind immer besondere Erlebnisse für Hannover 96. Ich habe großen Respekt davor, was bei Anschi geschaffen wurde ? auch wenn nicht wirklich Waffengleichheit herrscht, wenn jemand einen Klub kauft und mit Millionen hochzieht.

SPORT1: Wie beurteilen Sie den internationalen Aufstieg von Klubs wie Anschi?

Schmadtke: Natürlich ist es das Größte am Donnerstagabend beispielsweise an der Anfield Road gegen den FC Liverpool zu spielen. Davon haben auch die Spieler schon als kleine Jungs geträumt. Aber ganz ehrlich: Zwischen Liverpool und Anschi liegen inzwischen Welten ? zu Gunsten der Russen. Geld regiert nun einmal.

SPORT1: Um Geld und Einnahmen geht es auch im Europapokal. Wie wichtig wäre ein Weiterkommen für Hannover finanziell?

Schmadtke: Einige Transfers im Winter waren bereits Vorgriffe auf die kommende Spielzeit. Aber wir planen unsere Saison wirtschaftlich immer anhand der Bundesliga. Finanziell wäre ein Ausscheiden in der Europa League also nicht wirklich bedeutend. Für das Ansehen und die öffentliche Wahrnehmung von Hannover 96 wäre ein Weiterkommen aber natürlich wichtig. Und genau deshalb wollen wir auch die nächste Runde erreichen.

SPORT1: Steigendes Renommee Ihres Klubs könnte auch Vertragsgespräche mit vorhandenem Personal erleichtern. Mame Diouf etwa wurde zuletzt mit dem BVB in Verbindung gebracht. Gibt es eine Anfrage aus Dortmund?

Schmadtke: Nein, es gibt keinerlei Anfragen. Das alles ist reine Spekulation. Mame Diouf hat Vertrag bis 2014. Derzeit sprechen wir mit ihm über eine Vertragsverlängerung. Wir sind nicht darauf angewiesen, irgendeinen Spieler zu verkaufen. Das ist ein ziemlicher Luxus, den wir uns in den vergangenen Jahren hart erarbeitet haben.

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