Lucien Favre ist seit seit Februar 2011 Trainer bei Borussia Mönchengladbach © imago

Nach Lazios Last-Second-Ausgleich herrscht bei Borussia Katzenjammer. Favre beschwört aber den Traum vom Weiterkommen.

Von Christian Paschwitz

München - Das Wort "dürfen" wurde nach Abpfiff am häufigsten in den Mund genommen:

"Das hätte uns nicht passieren dürfen", haderte Mönchengladbachs Thorben Marx nach dem ebenso irren wie - aus Borussia-Sicht - unnötigen 3:3 (1:0) im Achtelfinal-Hinspiel gegen Lazio Rom (Bericht).

"Das letzte Gegentor darf natürlich nicht passieren. Da darf man nicht den Kopf verlieren", meinte auch Keeper Marc-Andre ter Stegen voller Bitterkeit. ( 676224 DIASHOW: Euro-League-Achtelfinale )

Und Martin Stranzl wiederum maulte: "Das 1:1 darf uns schon nicht passieren, das müssen wir besser verteidigen." (DATENCENTER: Europa League)

Stranzl fassungslos

Der Kapitän wird wohl am längsten damit zu tun haben, den turbulenten Spielausgang zu verdauen, der Gladbachs Traum vom Weiterkommen angesichts dreier Auswärtstore der Italiener höchst schwierig macht.

"Es ist schwierig für mich, dieses Spiel in Worte zu fassen. Wenn du in Überzahl 3:2 führst, musst du es einfach über die Bühne bringen", sagte der Österreicher in Anspielung auf Lazios Last-Second-Ausgleich durch Libor Kozak in der vierten Minute der Nachspielzeit.

Stranzl selbst hätte schon vorzeitig für klare Verhältnisse sorgen können. Der Routinier verschoss in der 70. Minute aber einen Strafstoß gegen Federico Marchetti, nachdem er zuvor vom Punkt noch souverän zur 1:0-Führung verwandelt hatte (17.).

[kaltura id="0_u22z5rp6" class="full_size" title="Gladbachs verr cktes Remis gegen Lazio "]

Kurios: Drei Elfer, ein Platzverweis

Apropos Strafstoß: Gleich dreimal verhängte Schiedsrichter Sergej Karassew einen Elfer zugunsten der Gladbacher, die nach der Gelb-Roten Karte für Andre Dias (70.) auch aus 20-minütiger numerischer Überlegenheit kein Kapital schlagen konnten.

Neben Stranzls erstem Versuch vollstreckte Thorben Marx sicher, jedoch: Es brachte Gladbach keinen Sieg ein, weil Sergio Floccari (57.) und erneut Kozak (64.) mit ihren Toren zur zwischenzeitlichen Römer Führung etwas dagegen hatten.

Auch Arango-Freistoß zu wenig

Zwei Tore in den letzten fünf Minuten - und eine Achterbahnfahrt mit bösem Ende für die Fohlen:

Kurz vor Ende der regulären Spielzeit war die euphorische Stmmung im Borussiapark auf dem Siedepunkt angelangt, als Juan Arango einen Freistoß zur abermaligen Gladbacher Führung sehenswert in die Maschen setzte.

Doch Kozak riss das Team von Lucien Favre doch aus allen Sieg-Träumen.

Coach Favre hadert

"Das war total unnötig", haderte der Trainer und verwies dabei neben Stranzls Fehlschuss auch auf zwei Pfostenknaller durch den gleichen Akteur (72.) sowie Arango (41.).

Ans Aus denkt Favre trotzdem nicht: "Wenn wir weiterkommen wollen, müssen wir in Rom gewinnen."

Roel Brouwers schloss sich an, "da ich nicht davon ausgehe, dass wir 4:4 in Rom spielen".

Der Glaube an den Achtelfinaleinzug nach dem Rückspiel am 21. Februar in der italienischen Hauptstadt lebt: "Trotz des 3:3 sind die Chancen für das Rückspiel noch da", meint Marx kämpferisch. "Auch das ist machbar", pflichtet Tony Jantschke bei.

Lazio: "Halbe Ernte eingefahren"

Die Lazio-Verantwortlichen wiederum geben sich gelassen.

Sie wähnen sich mehr oder weniger auf der Achtelfinal-Zielgeraden - trotz der Tatsache, dass der verletzte Nationalstürmer Miroslav Klose auch im Rückspiel noch fehlen wird:

"Wir haben erst die halbe Ernte eingefahren, die andere Hälfte folgt in der kommenden Woche", glaubt Trainer Vladimir Petkovic.

Weiterlesen