Uwe Kamps (r., mit ter Stegen) gewann 1995 mit Mönchengladbach den DFB-Pokal © getty

Vor dem Europa-League-Kracher gegen Lazio spricht Gladbachs Torwarttrainer Uwe Kamps bei SPORT1 über die Unruhe um ter Stegen.

Von Reinhard Franke und Martin Hoffmann

München - Uwe Kamps hat alle Höhen und Tiefen mitgemacht in Mönchengladbach.

Seit 31 Jahren ist der heutige Torwarttrainer bei der Borussia, ohne Unterbrechung, bestritt 390 Bundesliga-Spiele als Schlussmann der "Fohlen".

Und er hütete den Kasten, als Gladbach zuletzt international für Furore sorgte: In der Saison 1996/97 warf er zusammen mit Stefan Effenberg, Martin Dahlin und Co. den FC Arsenal aus dem UEFA-Cup.

Noch heute ärgert es ihn, dass er damals in Runde zwei rausflog: "Damals haben wir in Monaco gespielt und 1:0 gewonnen. Es hat leider nicht gereicht, weil wir vorher 2:4 verloren haben", erinnert er sich im Gespräch mit SPORT1.

Kamps sieht "realistische Chance"

Nach 16 Jahren internationaler Abstinenz sollen es Kamps' Erben in der Europa League nun besser machen.

"Wir haben eine realistische Chance weiterzukommen", meint Kamps vor dem Zwischenrunden-Hinspiel gegen Lazio Rom (ab 20.50 Uhr im LIVE-TICKER).

Lazio ohne Klose

"Richtige Brocken" seien ja schon die Vorrunden-Gegner Olympique Marseille und Fenerbahce Istanbul gewesen, die Römer seien nun noch mal "eine Schippe drauf".

Kamps' Schützling Marc-Andre ter Stegen wird also eine Menge zu tun bekommen, auch wenn der Gegner auf den verletzten deutschen Nationalstürmer Miroslav Klose verzichten muss (BERICHT: Gladbach freut sich auf Festtag).

Geraune um Barca-Deal

Ter Stegen muss sich an diesem Tag aber nicht nur mit Lazio auseinandersetzen, sondern auch mit neuer Unruhe um seine persönliche Zukunft.

Die meist gut informierte spanische Zeitung "Marca" vermeldete am Morgen, dass der hochbegabte Nationalkeeper einen Vorvertrag beim FC Barcelona unterschrieben hätte - der nach dem angekündigten Abschied von Victor Valdes im kommenden Jahr einen neuen Schlussmann braucht.

Ter Stegens Berater Gerd vom Bruch reagierte schnell, sprach von "absolutem Quatsch", auch Barca dementierte. Doch das Geraune ist in der Welt.

[kaltura id="0_uq1en7bo" class="full_size" title="Favre als Besserwisser"]

Kamps empfiehlt Verbleib

Kamps hält es bei dem Gerücht wie sein Klub, er sagt nichts dazu.

Er empfiehlt ter Stegen allerdings, sich nicht zu schnell aufzumachen in die große, weite Fußballwelt - sondern sich ihm und Chefcoach Lucien Favre noch eine Weile anzuvertrauen.

"Ich denke für ihn ist es gut, wenn er hier noch zwei, drei Jahre spielen kann", meint Kamps: "Wenn wir es schaffen, wieder in den europäischen Wettbewerb zu kommen, dann ist das auch für ihn und seine Entwicklung eine gute Basis."

Arbeit an den Perspektiven

Zumal Gladbach dem 20-Jährigen ja auch keine schlechten Perspektiven zu bieten habe.

"Wir arbeiten daran, dass wir das wieder auf stabile Füße stellen", sagt Kamps.

"Wenn wir uns wieder für Europa qualifizieren, man den Kader weiter verstärkt und sich das alles weiter festigt, dass sich da eine gute Mannschaft entwickeln kann, dann können wir auch wieder öfter das Ziel Europa-Pokal erreichen."

Diese Perspektive reicht aber nicht jedem, die Abgänge von Marco Reus, Dante und Roman Neustädter und die damit verbundenen Schwierigkeiten haben es gezeigt.

"Irgendwann wird es schwierig"

Und Kamps schwant, dass sich ter Stegen irgendwann einreihen wird in diese Liste.

"Wenn er weiter auf so einem hohen Niveau spielt, wird es irgendwann schwierig werden", ahnt er: "Aber ich hoffe, dass wir noch ein bisschen Zeit mit Marc-Andre haben. Er fühlt sich wohl und ist, seitdem er neun ist, im Klub. Wenn der nächste Schritt sein soll, wird er ihn auch machen."

Kamps' ewige Treue

Wenn sich ter Stegen am Vorbild Kamps orientiert, müsste er allerdings in Gladbach bleiben: Den konnte einst auch ein Angebot von Real Madrid nicht weglocken.

"Es gab mal die Chance ins Ausland zu gehen, aber ich wusste immer, was ich hier habe", erinnert sich Kamps: "Mir war stets wichtig, das Gefühl zu haben gebraucht zu werden. Ich konnte immer das machen, was ich liebe."

Das will er auch künftig bei der Borussia: "Nach 31 Jahren ist es schwierig zu sagen, dass man noch andere Dinge vorhat." Es wäre schließlich "schön auch andere Jungs so hinzubekommen wie es mit dem Marc gelungen ist".

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