Da kommt Freude auf: Der VfB Stuttgart feiert den Sieg in Bukarest © imago

Nach seinem Coup gegen Limassol fordert Borussias Joker einen Stammplatz. Stuttgart freut sich über die greifbare K.o.-Runde.

München - Klassenfahrt-Feeling bei Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbachs Igor de Camargo im Rampenlicht, Vereinsrekord für den VfB Stuttgart: (DATENCENTER: Die Europa League)

Nach den zumeist gelungenen deutschen Auftritten in der Europa League herrschte bei den Bundesliga-Klubs vorwiegend entspannte Stimmung.

"Das war ein absoluter Sahnetag, alles hat geklappt. Es hat Spaß gemacht, der Mannschaft zuzuschauen", schwärmte Stuttgarts Coach Bruno Labbadia nach dem begeisternden 5:1 (4:0)-Erfolg bei Steaua Bukarest. (Bericht)

55.000 fanatische Zuschauer hatten die Arena Nationala in eine "kleinen Hölle" (O-Ton Labbadia) verwandelt, in der dem VfB bereits "beim Warmmachen Hass" entgegenschlug, wie Martin Harnik meinte. "Das hat uns gepusht."

Und zum höchsten Auswärtssieg im Europapokal der Klubgeschichte inspiriert. ( 642599 DIASHOW: Der 5. Spieltag )

Okazaki trifft doppelt

Tore von Tasci (5.), Harnik (18.), Gotoku Sakai (23.) und Shinji Okazaki (31./55.) ließen "Dampf aus dem Hexenkessel", wie Harnik es treffend formulierte.

"Was wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, war nahe an der Perfektion", meinte Manager Fredi Bobic. Die Gala-Vorstellung hielt den VfB (8 Punkte) in der Gruppe E hinter Steaua (10) auf Platz zwei.

Im abschließenden Gruppenspiel am 6. Dezember gegen den norwegischen Meister Molde FK kann der VfB aus eigener Kraft - und als siebte und letzte deutsche Mannschaft - das Ticket für die K.o.-Phase des Europacups buchen.

Optimismus vor Molde-Duell

"Wir haben in Molde verloren, da haben sie gezeigt, dass sie es jedem Gegner schwer machen können", sagte Labbadia: "Und sie werden es uns auch in Stuttgart wieder schwer machen."

Doch nach nur einer Niederlage in den vergangenen zehn Pflichtspielen ist das Selbstvertrauen riesig. "Jetzt sind wir einen so weiten Weg gegangen, jetzt wollen wir den Berg auch besteigen", so der VfB-Coach.

Dass sich das lohnen könnte, weiß nicht nur er: Im Sechzehntel-Finale stoßen die Gruppendritten aus der Königsklasse hinzu, und dann, so Labbadia, "wird das eine halbe Champions League". Inklusive vieler kleiner Höllen.

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De Camargo Gladbacher Held

Bereits in der K.o.-Runde steht Gladbach - dank Igor de Camargo.

Mit einem Doppelpack avancierte der Stürmer-Joker zum Matchwinner beim 2:0 (0:0)-Erfolg gegen AEL Limassol. Der 29-Jährige nutzte die Gunst der Stunde hinterher zur Forderung nach einem Stammplatz. (Bericht)

"Ich will immer spielen. Auf der Bank kann ich nicht so viel machen", erklärte der in der 74. Minute eingewechselte Angreifer nach seinen wichtigen Toren gegen Zyperns Meister in der Schlussphase (79. und 90.+1).

Krisengespräch mit Favre

"Ich bin hier, um meine Arbeit zu machen. Der Trainer weiß, was ich kann", ergänzte de Camargo mit Blick auf die restlichen fünf Spiele bis zur Winterpause in der Bundesliga.

Mit dem bisherigen Saisonverlauf kann der Belgier nicht zufrieden sein. Erst in drei Begegnungen bot ihn Trainer Lucien Favre in der Liga von Beginn an auf, ein Treffer lautet die magere Ausbeute in der Meisterschaft.

Das Gespräch mit Favre hat de Camargo längst gesucht. "Aber das ist eine interne Sache, die ich mit dem Trainer in der Kabine diskutiere", so der Angreifer, der im Sommer 2010 zum fünfmaligen deutschen Meister gewechselt war.

Eberl ärgert sich

In der Europa League warten nach dem Einzug in die Zwischenrunde weitere Aufgaben.

Daran wollte Sportdirektor Max Eberl nach dem müden Kick gegen den krassen Außenseiter Limassol aber (noch) nicht denken: "Ich ärgere mich über die Art und Weise. Wir haben ein sehr kleines Herz bewiesen. Richtig freuen kann ich mich noch nicht."

Weitere Auftritte auf dem internationalen Parkett und damit verbundene Einnahmen werden aber auch bei Eberl noch Freude aufkommen lassen.

Leverkusener Teenie-Truppe

Wie auch bei Leverkusen, das den Gruppensieg verpasste, sich mit der mit vielen Nachwuchskräften angetretene "B-Elf" bei Metalist Charkow aber achtbar schlug.

Die Bayer-Teenager Luca Dürholtz (19) und Jonas Meffert (18) hatten dabei gleich doppelten Stress zu bewältigen.

Als die "Klassenfahrt in die Ukraine" am Freitagmorgen um 2.05 Uhr beendet war, lag ein ereignisreicher Donnerstag hinter den Nachwuchsspielern.

Klausuren im Team-Hotel

Denn unter Aufsicht schrieben Dürholtz (Deutsch) und Meffert (Mathematik) im Team-Hotel "Kharkiv Palace" am Vormittag vor dem Spiel noch Klausuren.

Der Pflichtspiel-Marathon der jüngsten Wochen und große Verletzungssorgen trieben bei Bayer seltsame Blüten.

Das 0:2 (0:0) bei der "Südamerika-Connection" von Metalist - der Kader ist mit einem Dutzend Spielern aus Brasilien und Argentinien gespickt - war denn auch ganz schnell abgehakt. (Bericht)

Fokus schon auf 1899

"Wir hätten natürlich gerne gewonnen, aber wichtiger ist das Spiel in Hoffenheim", resümierte Sportchef Rudi Völler und blickte schon auf das Spiel am Sonntag (ab 17.15 im LIVE-TICKER).

In Andre Schürrle, Lars Bender, Ömer Toprak, Gonzalo Castro, Simon Rolfes und Hajime Hosogai hatten gleich sechs Stammkräfte gefehlt; Torjäger Stefan Kießling kam nur zu einem 12-Minuten-Kurzeinsatz in Charkow.

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