Ron-Robert Zieler (l.) bestritt bereits zwei Länderspiele für Deutschland © getty

Niedermeier rettet Stuttgarts Europa-Leauge-Auftakt. Sein "Gejammer" im Anschluss kommt nicht gut an. 96 huldigt Keeper Zieler.

München - Dass Helden nicht immer gefeiert werden, hat Georg Niedermeier am eigenen Leib erfahren müssen.

Während Ligakonkurrent Hannover 96 seinen Schlüsselspieler nach dem Auftakt in die Europa League hochleben ließ, musste sich der Verteidiger des VfB Stuttgart beißende Kritik gefallen lassen.

Was war passiert? Niedermeier hatte den Schwaben beim 2:2 gegen Steaua Bukarest (Bericht) einen Punkt gerettet und im Anschluss einen Stammplatz gefordert ( 614866 DIASHOW: Der 1. Spieltag ).

"Wir wollen mündige Spieler haben, aber wir müssen aufpassen, dass sich der eine oder andere nicht überschätzt. Gejammere gibt's nicht. Sowas wird nicht akzeptiert", echauffierte sich Sportdirektor Fredi Bobic.

"Klar war Frust dabei"

Niedermeiers Aussagen nach seinem späten Ausgleichstor (85.) setzten eine Grundsatzdiskussion beim VfB in Gang.

"Klar war da auch Frust dabei. Wer meine Situation verfolgt hat, der weiß, dass ich sehr enttäuscht bin", sagte er über seinen äußerst emotionalen Jubel mit Tritten gegen die Werbebande und wildem Geschrei.

Enttäuscht ist der 26-Jährige darüber, dass er trotz einer seiner Meinung nach sehr guten Vorbereitung seinen Platz im Abwehrzentrum neben Spielführer Serdar Tasci an den Mexikaner Maza verloren hat.

Bobic ist sauer

Gegen Steaua stand er nur in der Startelf, weil Tasci angeschlagen fehlte (DATENCENTER: Europa League).

Die Degradierung empfand Niedermeier als "Schlag ins Gesicht", er werde "Konsequenzen daraus ziehen" - für Bobic waren diese Aussagen ein Affront.

"Irgendwann ist eine Grenze erreicht. Das gilt jetzt nicht nur für Niedermeier", sagte er.

Trainer Bruno Labbadia lobte die "Torjägerqualitäten" des Innenverteidigers, kritisierte aber mangelnde Kommunikation im Defensiv-Verbund.

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Niedermeier versteht Kritik nicht

Niedermeier, der dem VfB-Mannschaftsrat angehört, fühlte sich aber "nicht unbedingt angesprochen. Ich habe versucht, meine Jungs mitzunehmen, habe viel gesprochen."

Die Debatte überlagerte vor dem wichtigen Spiel am Sonntag (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER) drängendere Probleme der Schwaben.

Auch gegen Bukarest machte der jetzt in fünf Pflichtspielen sieglose VfB zu viele und selbst für Labbadia "nicht zu erklärende" Fehler. Und im Sturm betrieb Stuttgart wieder einmal Chancenwucher.

Zieler trumpft auf

Die 96er profitierten dagegen von ungenutzten Möglichkeiten. Waren es bei ihrem 2:2-Start (Bericht) doch die Niederländer von Twente Enschede, die regelmäßig vor dem Tor verzweifelten.

Bis Mitternacht musste Ron-Robert Zieler immer wieder seine Heldentaten beschreiben und erzählte von seinen beiden unglaublichen Reflexe gegen Luc Castaignos.

"Dieses Eins gegen Eins ist das, was ein Torwart liebt", sagte der Schlussmann, "es war kein dankbares Spiel für mich. Ich war beschäftigungslos, bei den Gegentoren machtlos. Dann ist es umso schöner, in dieser Art und Weise zu glänzen."

Lob von Slomka und Stindl

Auch im neunten Pflichtspiel der Saison blieb Hannover ungeschlagen. In den acht Partien zuvor erledigte Zieler seinen Job gewohnt souverän, blieb aber eher unauffällig, während die Kollegen wie Schlaudraff und Huszti offensiv glänzten.

In Enschede erkannten Mitspieler und Trainer aber einmal mehr, wie wichtig der 23-Jährige ist. "Es ist einfach gut, den Ron im Tor zu haben", sagte Lars Stindl. Und auch Coach Mirko Slomka widmete den Löwenanteil seiner knappen Worte der Nummer eins.

"Sein Qualitäten haben uns einen ganz wichtigen Punkt gerettet. Ron hat gezeigt, welche große Klasse er hat."

Das galt besonders bei seinen Glanzparaden in der 90. und 93. Minute. Das glückliche Remis in Enschede zeigte indes, dass Hannover trotz des Glanzstarts in der Bundesliga noch viel Luft nach oben hat.

Huszti bekommt Zwangspause

Gegen den niederländischen Dauerdruck in der ersten Halbzeit gepaart mit Pressing und Twentes massiver Defensive fand 96 kein Mittel.

"Nach dem 0:1 war es ganz schwer. Die standen tief, wir kamen nicht durch", sagte Leon Andreasen.

Zudem wirkten Schlüsselspieler wie Szabolcs Huszti ausgelaugt. Dass der Ungar am Sonntag in Hoffenheim (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER) nach seinem Jubel-Gelb-Rot gesperrt ist, hat damit sogar etwas Gutes: Der Dauerläufer kann den Akku wieder aufladen.

Favre wehrt sich

Im Gladbacher Lager, wo Oscar Wendt durch einen verschossenen Handelfmeter in der achten Minute der Nachspielzeit die Nullnummer gegen AEL Limassol(Bericht) besiegelte, geriet erneut die Personalpolitik von Trainer Lucien Favre in die Diskussion.

Der Schweizer hatte neben Millionen-Einkauf Luuk de Jong und Juan Arango auch den etatmäßigen Strafstoßschützen Filip Daems zu Hause gelassen.

Favre rechtfertigte sein Pokerspiel mit dem Bundesliga-Spiel am Sonntag in Leverkusen.

"Ich habe überhaupt nicht zu viel getauscht. Es ist zu einfach, das Unentschieden alleine daran festzumachen. Es wäre dumm gewesen, nicht zu rotieren", raunzte er.

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