Der Ex-Schalker Youri Mulder (r.) ist in Enschede Assistenzcoach von Steve McClaren © getty

Der Co-Trainer von Twente Enschede Youri Mulder spricht bei SPORT1 über das Spiel gegen Hannover und stichelt gegen Gladbach.

Von Tobias Wiltschek

München - Youri Mulder ist Freund klarer Worte und immer für einen guten Spruch zu haben.

Und er ist eine treue Seele. In der Bundesliga spielte Mulder nur für den FC Schalke 04.

Mit den "Knappen" gewann er 1997 den UEFA-Pokal. Sein größter Erfolg als Profi.

Seit 2011 ist Mulder Co-Trainer bei Twente Enschede, mit dem der 43-Jährige zum Auftakt der Europa League auf Hannover 96 trifft (ab 20.50 Uhr im LIVE-TICKER).

(Datencenter: Europa League)

Im SPORT1-Interview spricht Mulder über das Team von Trainer Mirko Slomka, seine Mannschaft, die Rivalität zwischen Deutschland und Holland - und übt deutliche Kritik an Borussia Mönchengladbach.

SPORT1: Herr Mulder, Ihre Mannschaft ist mit fünf Siegen aus fünf Spielen perfekt in die Saison gestartet. Was macht das Team so stark?

Youri Mulder: Die fünf Teams, gegen die wir gespielt haben, waren nicht die allerstärksten in der Liga. Daher steht für uns erst gegen Hannover der erste richtige Test an. Trotzdem haben wir eine starke Mannschaft, in der die Kombination aus Kreativität und Kampfgeist besser ist als in der vergangenen Saison. Mit Dusan Tadic, Andreas Bjelland und Felipe Gutierez haben wir gute Kreativspieler verpflichtet. Auch die Balance zwischen Angriff und Abwehr stimmt. Allerdings fallen Bjelland und Leroy Fer gegen Hannover verletzt aus.

SPORT1: Auch ihr kommender Gegner strotzt vor Selbstbewusstsein. Was sind die Stärken von Hannover 96?

Mulder: Szabolcs Huszti ist zurzeit sehr gut, die Standards sind sehr gefährlich. Auch das Umschaltspiel gehört zu ihren Stärken, das ist ja die Stärke von allen deutschen Mannschaften. Dieses Umschalten von Verteidigung auf Angriff funktioniert bei uns in Holland und auch bei unserer eigenen Mannschaft nicht so gut. Wir bauen das Spiel von hinten eher kontrolliert auf. Vor allem auf die schnellen Konter von Hannover müssen wir aufpassen. Außerdem ist sie eine sehr erfahrene und robuste Mannschaft, die sehr gut organisiert ist.

SPORT1: Wie groß ist Ihrer Ansicht nach der Anteil von Trainer Mirko Slomka am Erfolg?

Mulder: Er stellt die Mannschaft sehr positiv ein. Das zeichnet ihn aus. Er lässt sehr schnell nach vorne spielen. Das haben sie auch in der Bundesliga gezeigt. Das 4:0 gegen Wolfsburg war ja Wahnsinn.

SPORT1: Das Duell Twente gegen Hannover ist auch von der Rivalität Holland gegen Deutschland geprägt. Auf was können sich die Hannoveraner in dieser Beziehung einstellen?

Mulder: Wir haben letztes Jahr gegen Schalke gespielt. Das war schon ein besonderes Spiel. Wenn man sieht, wie die Leute miteinander umgegangen sind. Das war super. Das war ein Fußballfest. Ich habe das Gefühl, dass das jetzt auch so sein wird. Vor allem in unserer Gegend ist der Respekt vor deutschen Vereinen groß. Ich habe das Gefühl, dass die Rivalität immer weniger wird, vor allem wenn Vereine gegeneinander spielen.

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SPORT1: Was sind die Ziele von Twente in der Europa League?

Mulder: Wir waren in der vergangenen Saison in der Liga Sechster und sind nur über die Fair-Play-Wertung in die Europa League gekommen. Deshalb mussten wir schon drei Runden überstehen, um hierher zu kommen. Das Ziel Gruppenphase haben wir schon erreicht. Jetzt wollen wir natürlich unter die ersten Zwei kommen, um in dem Wettbewerb zu überwintern.

SPORT1: Mit Luuk de Jong haben Sie vor der Saison ihren stärksten Stürmer an Mönchengladbach verloren. Der ist nicht so stark in die Bundesliga gestartet, wie das viele erwartet haben. Wie sehen Sie seinen Weg?

Mulder: Ich verfolge das natürlich. Ich habe dieselbe Erfahrung auch gemacht, als ich zu Schalke ging. Bei Twente gab es ein klares Spielkonzept. Ich denke, dass sich auch Mönchengladbach etwas umstellen muss, weil de Jong ein total anderer Stürmer ist als Marco Reus. Luuk hat unglaubliche Qualitäten, um ein großer Spieler zu werden. Aber es kommt auch darauf an, wie man um ihn herum das Spiel aufzieht. Da gibt es etwas Probleme.

SPORT1: Wie sehen Sie die Rolle von Gladbachs Trainer Lucien Favre in diesem Zusammenhang?

Mulder: Ich habe gehört, dass er sagt, die Bundesliga habe ein anderes Niveau als die holländische Liga. Das stimmt schon. Damit macht er sich es aber zu einfach. Denn Luuk hat seine besten Spiele in der Champions League gemacht. Und das ist das gleiche, wenn nicht sogar ein höheres Niveau als in der Bundesliga. Man kann sagen, dass er sich an die Bundesliga gewöhnen muss. Aber wenn die Mannschaft mit einem ganz anderen Mittelstürmer trotzdem noch so spielt wie im letzten Jahr, können Probleme auftreten.

SPORT1: Sie meinen, bei Gladbach müssten sie sich noch mehr auf de Jong einstellen.

Mulder: Das müssen sie selbst wissen. Aber der Trainer wechselt sein Konzept von drei Stürmern auf zwei Stürmer und wieder zurück. Man hatte eine ganze Vorbereitung mit dem neuen Spieler. Dann muss man eigentlich wissen, wie man ihn einsetzen kann. Wenn man schon für so viel Geld einen Spieler kauft, wäre es clever, das Spiel auch etwas zu ändern. Es musste doch eine Idee dahinter stecken, einen Stürmer wie Luuk de Jong zu kaufen. Mit ihm kann man nicht so sehr auf Konter spielen; schnell und direkt nach vorn. Da muss man mehr in der gegnerischen Hälfte spielen und die Außenstürmer mit einsetzen. So ist er das von Twente gewöhnt. Er ist eine super Anspielstation. Aber der Ball geht überall dorthin, wo Luuk nicht ist. Er muss doch den Ball haben.

SPORT1: Jetzt hat er gegen Nürnberg ja zumindest sein erstes Bundesliga-Tor geschossen.

Mulder: Das war wichtig für ihn. Er ist ein Typ, der sich durchsetzt. Wenn die Mannschaft seine Stärken erkennen wird, dann werden sie in Gladbach noch sehr viel Spaß an ihm haben.

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