Schiedsrichter Wolfgang Stark wird am Wochenende sein 300. Bundesligaspiel leiten
Wolfgang Stark wurde in der Bundesliga 2010 zum Schiedsrichter des Jahres gewählt © getty

Wolfgang Stark leitet das Finale der Europa League zwischen Madrid und Bilbao. Die Spanier sehen den Schiedsrichter kritisch.

Von Daniel Michel

München - Olympia 2008, die WM 2010 und demnächst die EM.

Wolfgang Stark zählt zur Premium-Kategorie der Schiedsrichter und soll auch beim Finale der Europa League zwischen Atletico Madrid und Athletic Bilbao (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) einen kühlen Kopf bewahren. (DATENCENTER: Die Europa League).

"Er ist ein sehr erfahrener Referee, dabei topfit und immer bereit, auch ganz konsequent durchzugreifen, wenn es sein muss", findet Lutz Michael Fröhlich, Leiter der DFB-Schiedsrichter, bei SPORT1 lobende Worte für Stark.

Umstrittener Ruf in Spanien

Die iberischen Fans dürften aber ein besonderes Augenmerk auf den 42-jährigen Niederbayern legen, besitzt er doch einen umstrittenen Ruf im spanischen Sprachraum:

So teilte Stark beim Halbfinale der U-20-WM 2007 zwischen Chile und Argentinien zwei Rote und neun Gelbe Karten aus. Nach dem Schlusspfiff kam es zu Tumulten, das Schiedsrichter-Gespann musste in die Kabine flüchten - die Teams gaben Stark die Schuld für die Ausschreitungen.

Noch mehr rückte Stark in der vergangenen Saison in den Mittelpunkt.

Besondere Beziehung zu Mourinho

Mehrfach regte sich Real-Madrid-Coach Jose Mourinho über den Deutschen auf, zum unrühmlichen Höhepunkt kam es 2011 beim Halbfinale der Champions League zwischen Madrid und dem FC Barcelona:

Stark verbannte Mourinho auf die Tribüne, schickte zudem zwei Madrilenen den Regeln entsprechend vom Feld.

Der Portugiese witterte aber eine Verschwörung und hetzte nach dem Spiel mit der Frage auf: "Warum Stark?" Die Madrider Zeitungen nahmen die Vorlage dankbar auf. Die "AS" titelte noch verhältnismäßig freundlich: "Stark ruiniert den Clasico".

Laut DFB-Funktionär Fröhlich wird Stark das Finale dennoch unbeschwert angehen können.

"Auf diesem Niveau hält man das aus"

"Die kritische Begleitung durch die Medien gehört mit zum Schiedsrichterjob. Das hat keine Auswirkungen auf seine Leistung", versichert Fröhlich und ergänzt: "Wer auf diesem Niveau als Schiedsrichter angelangt ist, der hält das aus."

Stark, von Beruf Bankkaufmann, zählt eben zu den erfahrenen Unparteiischen in der Szene. Seit 1997 ist er Bundesliga-Schiedsrichter, seit 1999 trägt er das Abzeichen der FIFA.

Im Europapokal hat er 54 Spiele gepfiffen, dazu kommen 28 Länderspiele, 259 Partien in der Bundesliga und das DFB-Pokal-Finale 2011.

Spitzname dank Comedy-Video

Wegen seiner rigorosen Gestik und seinem strengen Blick veräppelte einst ein Comedy-Video Stark als römischen Feldherren: Den "Imperator". Ein Etikett, das Deutschlands Schiedsrichter des Jahres 2010 zu schaffen macht.

"Mir fällt selbst auf, dass meine Gestik und meine Ausstrahlung mitunter zu hart rüberkommt", gab Stark gegenüber der "Frankfurter Rundschau" vor einigen Monaten zu und ergänzte: "Es wäre bestimmt besser, hin und wieder ein Lächeln einzustreuen."

Er versuche inzwischen, ruhiger auf die Spieler einzuwirken. "Dabei räume ich ein, dass ich mitunter strenger wirke, als ich eigentlich wirken möchte", erklärte der 42-Jährige und sagte:

"Schiedsrichter darf keine Emotionen zeigen"

"Das hat mit der Anspannung zu tun und auch damit, dass ein Schiedsrichter keine Emotionen zeigen darf, wenn er einen Fehler begangen hat." Er selbst würde sich "gar nicht als streng beschreiben".

Auch Fröhlich steht Stark zur Seite. "Ich halte den Spitznamen 'Imperator' für unangebracht", betont der Berliner gegenüber SPORT1 und sieht den Wunsch nach Veränderung positiv: "Man muss sich ständig weiterentwickeln, auch im Bereich der Körpersprache. Nur so kann man sich über einen so langen Zeitraum auf dem Top-Niveau halten."

Wiedersehen mit Diego

Dass Stark nicht immer mit großer Härte waltet, hat er bei einem Ex-Bundesligaprofi bewiesen, den er im Finale in Bukarest wieder sehen wird: Atletico Madrids Regisseur Diego.

Der Brasilianer hatte in der vergangenen Saison noch im Dress des VfL Wolfsburg Stark den "Vogel" gezeigt.

Stark zückte aber nur Gelb und erklärte nach dem Spiel: "Es war eine kurze Geste Richtung Stirn, aber ich habe das nicht als 'Vogel zeigen' ausgelegt."

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