Steve Cherundolo (r.) spielt seit 1999 bei Hannover 96 © getty

Mit breiter Brust und hoch motiviert erwartet Hannover Atletico zum Rückspiel. Nur ein Ex-Bundesliga-Star sorgt für Kopfschmerzen.

Hannover - Das Bier ist schon kaltgestellt, das Konto wird immer dicker und von Müdigkeit ist vor dem 44. Pflichtspiel der Saison ohnehin keine Spur:

Hannover 96 wittert seine historische Chance und will am Donnerstag gegen Atletico Madrid (ab 20.45 Uhr im LIVE-TICKER) unbedingt ins Halbfinale der Europa League einziehen (DATENCENTER: Das Viertelfinale).

Die Spieler gehen trotz des 1:2 im Hinspiel (Nachbericht) mit breiter Brust in die entscheidende Partie.

"Wir haben bislang einen unbändigen Siegeswillen gezeigt, in der Liga und im Europacup. Das ist eine sehr gute Entwicklung", sagt Jan Schlaudraff, "wenn wir die hervorragende Defensivleistung aus dem Hinspiel wiederholen, haben wir eine gute Möglichkeit."

Und Christian Schulz meint: "Atletico sollte Respekt haben."

Erst dasTor, dann die Angst

Der ehemalige Nationalspieler hofft auf einen schnellen Führungstreffer, "dann werden sie es schon ein bisschen mit der Angst zu tun bekommen", so Schulz in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

Ein 1:0 würde den "Roten" gegen das Team um den ehemaligen Bundesliga-Star Diego (Werder Bremen, VfL Wolfsburg) zum Weiterkommen reichen (DATENCENTER: Die Europa-League-Torjäger).

Erfolgreichste Saison überhaupt

Doch schon jetzt ist es in "sportlicher und wirtschaftlicher Hinsicht die erfolgreichste Saison, die 96 je hatte", sagt Präsident Martin Kind.

Durch den unerwarteten Durchmarsch in der Europa League hat sich der Umsatz bereits um 20 Millionen Euro erhöht, die Bundesliga-Lizenz für die kommende Saison wird Hannover erstmals wohl ohne Auflagen erhalten.

Keine Irrsinns-Einkäufe

Trotzdem sollen die Gewinne nicht direkt in die Mannschaft investiert werden, der Etat für die kommende Spielzeit wird mit rund 56 Millionen Euro fast unverändert bleiben.

"Wir halten an unserer defensiven Haltung fest", erklärt Kind, "Optimismus und Erfolg sind keine guten Ratgeber für vernünftige Entscheidungen."

Die Planungen für das kommende Jahr interessieren die Spieler im Moment eher weniger.

[kaltura id="0_d8r1ddvs" class="full_size" title="Bittere Europa League Nacht f r die deutschen Teams"]

Zieler: "Chancen 50 zu 50"

Sie sind heiß auf Atletico und wollen ihre Traumsaison krönen.

Anders als die Wettanbieter, die die Mannschaft von Trainer Diego Simeone mit den beiden brandgefährlichen Angreifern Falcao und Adrian als Favoriten handeln, erwartet Torwart Ron-Robert Zieler ein ausgeglichenes Duell:

"Die Chancen stehen 50 zu 50. Atletico ist in der Offensive sehr gut besetzt, wir sind hingegen sehr heimstark."

Breite Brust und volles Haus

Auf internationaler Ebene ging in dieser Saison im eigenen "Wohnzimmer" noch kein Spiel verloren. Emanuel Pogatetz meint: "Wir können mit breiter Brust in das Spiel gegen Madrid gehen."

Gegen den Europa-League-Sieger von 2010 wird die Arena natürlich wieder mit 43.000 Fans ausverkauft sein. Die Euphorie in der Stadt ist riesig.

Am Montag standen sich die Anhänger bereits um sechs Uhr morgens die Beine in den Bauch, um sich eines der 1200 Resttickets zu sichern. Um zwölf Uhr öffneten dann die Kassenhäuschen, zwei Stunden später mussten sie schon wieder schließen - alle Tickets weg.

Eine Brauerei spendiert für ein Fanfest mit Live-Übertragung der Partie 960 Liter Freibier.

Diego sorgt für Bedenken

Nur ein Spieler bereitet den Hannoveranern trotz großem Optimismus ein paar Kopfschmerzen: Diego.

Der Spielmacher wird - anders als im Hinspiel - nach überstandenem Muskelfaserriss wohl von Beginn an spielen 536946 (DIASHOW: Viertelfinal-Hinspiele) .

"Diego ist derjenige, den es auszuschalten gilt. Er ist immer der Fixpunkt, besitzt eine unglaubliche Technik und hat super Finten drauf", sagt Schulz, "da werden sich schon mehrere um ihn kümmern müssen, um seine Kreise einzuengen."

Im eins gegen eins sei er kaum zu stoppen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Hannover: Zieler - Cherundolo, Eggimann, Pogatetz, Pander - Pinto, Schulz - Stindl (Schlaudraff), Rausch - Schlaudraff (Ya Konan), Diouf. - Trainer: Slomka

Madrid: Courtois - Perea, Miranda, Godin (Dominguez), Filipe - Tiago, Suarez - Adrian, Diego, Salvio (Koke) - Falcao. - Trainer: Simeone

Schiedsrichter: Mark Clattenburg (England)

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