CDU-Spitzenpolitiker Wolfgang Bosbach will keine politischen Kundgebungen der deutschen Nationalspieler bei der EM in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) sehen.

"Ich bin strikt dagegen, dass wir ein Länderspiel zu politischen Demonstrationen nutzen, und mag es noch so viel Grund dazu geben", sagte der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses im "ZDF" mit Blick auf die Menschenrechtssituation in der Ukraine und die Lage der inhaftierten Oppositionellen Julija Timoschenko.

Nach Ansicht Bosbachs dürften Spitzensportler ohne Furcht vor Sanktionen "streiten für Demokratie und Menschenrechte". Das aber müsse "nicht unbedingt während der 90 plus 15 Minuten im Stadion sein", sagte Bosbach.

Vor und nach den Begegnungen sähe das ganz anders aus.

Wie Bosbach sprachen sich auch der frühere NOK-Präsident Klaus Steinbach und der Geschäftsführer des Deutschen Meisters Bosussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke, gegen einen Boykott der EM aus.

"Ich sehe eine ehrliche Boykottchance nur dann, wenn die gesamte Gesellschaft boykottiert", sagte Steinbach. Viel wichtiger sei es, in der Ukraine "vor Ort" zu sein und seine Meinung gegen ein politisches Unrechtssystem unmissverständlich zu äußern.

"Die Spiele sollen stattfinden", sagte Watzke, der nur in die Ukraine reisen wird, falls sich an der Situation der erkrankten Timoschenko etwas ändert: "Die Menschen in der Ukraine haben sich darauf gefreut, das würde man ihnen nehmen. Und wenn man glaubt, dass man dadurch Präsident Janukowitsch schwächt, dann macht man einen großen Fehler."

Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß hatte die deutschen Nationalspieler aufgefordert, ihre Solidarität mit ukrainischen Regimekritikern öffentlich zu bekunden.

"Sie würden damit Größe zeigen. Ich traue den Spielern zu, dass sie klug genug sind, sich eine Meinung zu bilden. Ich hätte Respekt vor jedem Spieler, der öffentlich Stellung zu diesem Thema bezieht", sagte Hoeneß.

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