DOSB-Präsident Thomas Bach ist strikt gegen eine Verlegung von Spielen der Europameisterschaft aus der Ukraine nach Deutschland.

Eine entsprechende Forderung zeuge laut Bach "von großer internationaler Respekt- und Instinklosigkeit, weil sie über die Köpfe selbst des Mitgastgeberlandes Polen aber auch der anderen europäischen Nationen und des Veranstalters UEFA hinweg erhoben wird".

Die Forderung sei "im Übrigen kontraproduktiv", weil sie sich auch "gegen den erkennbaren Willen des ukrainischen Volkes" richte und dazu benutzt werden könne, von der politischen Diskussion über die Menschenrechte in der Ukraine abzulenken. "Schon aus diesen Gründen ist die Verlegung von Spielen nach Deutschland keine Option", sagte Bach am Dienstag.

Jutta Steinbach, menschenrechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hatte eine Verlegung der Spiele "von der Ukraine nach Polen, Österreich oder Deutschland" in der "Bild" als "richtiges politisches Signal an die undemokratische Regierung in Kiew" bezeichnet: "Das würde den größten Druck erzeugen."

Laut Gabriele Fograscher (SPD), Mitglied des Bundestags-Sportausschusses, böte sich "Deutschland wegen seiner Nachbarschaft zu Polen als Austragungsort an".

Bernhard Witthaut, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, hält eine Verlegung von Spielen der Fußball-EM aus der Ukraine nach Deutschland für möglich. "Bereits vor mehr als einem Jahr haben sich Vertreter von UEFA, DFB und Bundesinnenministerium an einen Tisch gesetzt, um ein Krisen-Szenario zu entwickeln", sagte Witthaut der "Bild" am Feiertag. Das sei bei Großveranstalungen in politisch instabilen Ländern normal. Aber jetzt bekämen die Überlegungen eine andere Bedeutung.

Das Innenministerium dementierte die Existenz eines entsprechendes Krisenszenarios. Witthaut sagte jedoch: "Fakt ist: Es gibt in der Schublade einen Alternativplan. Danach ist Deutschland in der Lage, kurzfristig die ukrainischen EM-Spiele zu übernehmen. Die Zeit dafür würde auch jetzt noch ausreichen."

Die EM soll vom 8. Juni bis 1. Juli in Polen und der Ukraine stattfinden. Auslöser der seit Monaten schwelenden Diskussion ist der Umgang mit der in der Ukraine inhaftierten und schwer erkrankten Ex-Premierministerin Julija Timoschenko.

Timoschenko, die an Bandscheibenproblemen leidet, verbüßt eine siebenjährige Haftstrafe wegen Amtsmissbrauchs. Die Europäische Union kritisiert ihre Haft als politisch motiviert. Aus Protest gegen ihre Haftbedingungen trat Timoschenko vor mehr als einer Woche in einen Hungerstreik.

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