Für die Fans könnte die EM 2020 europaweit über die Bühne gehen © imago

Der revolutionäre UEFA-Plan steht wohl dicht vorm Beschluss. Das Turnier soll in 13 Städten steigen. Auch in Berlin.

Berlin - Die französische Revolution für die Fußball-EM 2020 nimmt Gestalt an:

Am 7. Dezember soll im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA) über das von Präsident Michel Platini favorisierte Modell mit 13 über den gesamten Kontinent verteilten Austragungsstätten beraten werden.

Das berichtet die "Bild"-Zeitung.

Im Januar könnte der revolutionäre Plan bereits beschlossen werden - 60 Jahre nach der Einführung des Turniers wäre es eine der gravierendsten Änderungen der Geschichte.

Nur einmaliges Modell?

Allerdings wohl auch eine einmalige. Platini hatte im Oktober betont, dass nur die Jubiläums-EM 2020 von den Plänen betroffen sei. 580882 (DIASHOW: Die Tops und Flops der EM 2012)

Konkret soll Platinis Plan vorsehen, sechs Vierergruppen - ab 2016 spielen 24 Teams bei der EM - auf je zwei Länder aufzuteilen.

Daraus ergäben sich zunächst zwölf Spielorte in zwölf Ländern. Wer wo spielt, richtet sich nach den zwei in den Gruppen gesetzten Teams, heißt es. 581452 (DIASHOW: Spanien feiert EM-Titel 2012)

Drei Partien in Berlin?

Gesetzt soll sein, wer sich in der üblichen Qualifikation-Runde der 53 UEFA-Länder durchsetzt und dann zu den zwölf besten europäischen Teams der FIFA-Weltrangliste gehört - Deutschland ist aktuell Zweiter.

Mehr noch: Qualifiziert sich das DFB-Team, wird auch in Deutschland gespielt - als Austragungsort ist dann wohl das Berliner Olympiastadion vorgesehen, in dem gar drei Partien steigen könnten, bei einem deutschen Gruppensieg auch ein Achtelfinale.

Ab dem Viertelfinale wiederum soll an neutralen Orten gespielt werde.

Türkei und Istanbul interessiert

Als Austragungsort der beiden Halbfinale und des Finales ist die türkische Metropole Istanbul im Gespräch.

Die Türkei war bereits 2008 und 2012 bei der EM-Vergabe unterlegen gewesen und hatte starkes Interesse an der Ausrichtung der EM 2020 nach bisherigem Modus angemeldet.

Istanbul bewirbt sich allerdings auch um die Olympischen Sommerspiele im gleichen Jahr.

Niersbach bestätigt Pläne

Nach jetzigem Stand in der FIFA-Weltrangliste und vorausgesetzt, die entsprechenden Länder Spanien, Portugal, Italien, England, die Niederlande, Russland, Kroatien, Griechenland, die Schweiz, Frankreich und Belgien qualifizieren sich, stünden als EM-Austragungsorte neben Berlin auch Madrid, Lissabon, Rom, London, Amsterdam, Moskau, Zagreb, Athen, Basel, Paris und Brüssel parat.

"Wir haben die Angelegenheit im Präsidium besprochen und stehen ihr offen gegenüber", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. "Wobei der Gedanke, EURO-Spiele in Deutschland auszutragen, reizvoll ist."

Bundestrainer Joachim Löw sagte vor dem Länderspiel gegen die Niederlande in Amsterdam: "Ich weiß, dass ich 2020 60 bin. Das interessiert mich relativ wenig. Ich habe von den Plänen gehört, aber das ist weit weg."

Berlin im Blickpunkt

Am 27. und 28. November gibt es noch ein Treffen der UEFA in Brüssel, bei dem noch Vorgespräche über das Thema geführt werden. Dort sollen auch Niersbach und DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock teilnehmen.

"Wenn die Idee auf Zustimmung stößt, werden wir ins Detail gehen", betonte Platini zuletzt.

Dabei sind die Pläne offenbar schon durchaus konkret. "Die Überlegung ist, dass bei diesem Vorhaben die Hauptstädte Austragungsorte sein sollen. Das wäre bei uns Berlin", so Sandrock.

Flugpreise als Argument

Schon während der EM in Polen und der Ukraine, als die Pläne erstmals öffentlich gemacht wurden, hatte Platini vor allem mit finanziellen Argumenten für die neue Struktur geworben.

"Ich halte das für eine großartige Idee", hatte Platini im Juli in Kiew gesagt: "Wir bräuchten keine Stadien oder Flughäfen zu bauen, sondern könnten auf bestehende Infrastruktur zurückgreifen. Das wäre wichtig in wirtschaftlich schwierigen Zeiten", betonte er damals.

In Zeiten fallender Flugpreise sei es zudem einfacher "von London nach Paris oder Berlin zu kommen als von Cardiff nach Danzig".

Was ist mit den Fans?

Allerdings hatten damals auch bereits Fanvertreter Kritik an den Plänen geäußert.

"Ganz offensichtlich stehen auch bei diesem Vorschlag wieder einmal die Vermarktungsinteressen im Vordergrund, während die Interessen des Fußballsports und seiner Fans hinten runterfallen würden", hatte Michael Gabriel, Leiter der deutschen Koordinierungsstelle Fanprojekte (KOS), gesagt.

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