Arjen Robben (l.) gelang bei der WM 2010 gegen die Slowakei ein Tor © getty

Nach der Bulgarien-Pleite muss die Elftal am Feinschliff für die EM arbeiten. Arjen Robben genießt die Zuneigung der Fans.

Von Reinhard Franke

München - Seelenbalsam statt Stress. Das Wechselbad der Gefühle dürfte für keinen Fußball-Profi zuletzt so extrem gewesen sein wie für Arjen Robben.

Der Mittelfeldspieler des FC Bayern München erlebte eine Horror-Woche, wie sie unschöner hätte nicht sein können.

Erst der Schmerz durch die dramatische Niederlage im Champions League-Finale gegen den FC Chelsea (3:4 i.E.), wo Robben einen Elfmeter verschoss, und dann auch noch die Pfiffe der eigenen Fans gegen seine Person bei seinem Wiedergutmachungsspiel gegen die Niederlande ein paar Tage später (DATENCENTER: Der EM-Spielplan).

Nix wie weg zum Nationalteam

Robben wollte nur noch weg. Weg aus München, hin zur holländischen Nationalmannschaft, bei der EM der Gruppengegner der Deutschen Elf. Dort angekommen fiel Robben gleich in ein Nest voll Geborgenheit und Harmonie (GAMES: Das EM-Tippspiel).

Im ersten Testspiel gegen Bulgarien (Nachbericht) setzte es zwar eine 1:2-Niederlage, aber Robben wurde von den Oranje-Fans gefeiert, als er sich warm lief und schließlich eingewechselt wurde.

Robben glücklich über Fan-Zuspruch

"Ich muss mich bei den Fans dafür bedanken, dass sie mich so warm empfangen haben", sagte der Elfmeter-Pechvogel der Bayern hinterher sichtlich gerührt.

Er wusste nicht so recht, wo er seine Emotionen hinstecken sollte. "Es war eine komische Woche", gab Robben im Rückblick auf die Tage in München zu:

"Von den eigenen Fans ausgepfiffen zu werden ist merkwürdig, das ist nicht einfach. Aber was passiert ist, ist passiert. Jetzt bin ich in Holland, und der Fokus liegt auf der EM."

Seelentherapie Nationalelf schlägt an

Robben ist plötzlich wieder obenauf. Die Seelentherapie Nationalelf scheint schnell anzuschlagen.

Das dramatische "Finale dahoam" sitzt zwar immer noch in einer Ecke seines Innenlebens, aber die ersten Tage im Oranje-Team brachten Robben wieder auf andere Gedanken und geben ihm ein besseres Gefühl.

Für die Zuschauer war er gegen Bulgarien gar in die Rolle des Hoffnungsträgers geschlüpft und das an einem Abend, an dem seine Kollegen trotz annähernder Bestbesetzung nur wenig Vorfreude auf die EM weckten (SERVICE: Der EM-Rechner).

[kaltura id="0,0_qgbohg2k" class="full_size" title="Im Video: Die Real-Stars tippen die EM"]

Bondscoach Bert van Marwijk hat vor dem vorletzten Test gegen die Slowakei in Rotterdam (ab 20.25 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) also noch viel Arbeit.

Viel Stückwerk bei "Oranje"

Vieles ist noch Stückwerk in seinem Team. Gegen die Bulgaren harmonierte es nicht zwischen Robin van Persie auf rechts und Schalkes Klaas-Jan Huntelaar vorne im Zentrum (DATENCENTER: Niederlande EM-Kader).

Wie vor jedem Turnier melden sich Experten zu Wort, um sich über die Taktik auszulassen.

Gibt es die Variante Doppel-Torjäger? Unterstützung bekommt van Maarwijk vom Schwiegersohn, Ex-Bayern-Star Mark van Bommel: "Nie ist es bei uns gut", echauffiert sich van Bommel im "kicker": "Ich habe keine Lust auf die ständigen Taktik-Diskussionen."

Bangen um Mathijsen

Doch die kommen nicht von ungefähr. 13 Gegentore in den letzten sechs Partien, der Niederlande mangelt es an der nötigen Balance. Die Defensive macht Sorgen. Und jetzt droht auch noch Abwehrchef Joris Mathijsen auszufallen.

Der frühere Hamburger schied gegen die Bulgaren mit einer Oberschenkelverletzung frühzeitig aus und wird seinem Team zumindest am Mittwoch und am Samstag gegen Nordirland wohl fehlen. Auch zum Turnierstart wird es eng.

Alternativen? Wilfred Bouma und Ron Vlaar - nicht wirklich beruhigend für van Maarwijk. Er muss zittern und hoffen.

Slowakei hat Rechnung offen

Während es für Oranje nun um den finalen Feinschliff geht, wird das slowakische Team um ihren Starspieler Marek Hamsik (SSC Neapel) alles daran setzen, sich für die 1:2-Niederlage im WM-Achtelfinale 2010 zu revanchieren.

Die Marwijk-Elf sollte die Slowakei aber keineswegs unterschätzen.

Es ist ein unangenehmer Gegner. Das bewies das Team nicht zuletzt bei seinem Vorrunden-Sieg bei der WM 2010 über die Italiener.

Weiterlesen