Laurent Blanc wurde 1998 Weltmeister und 2000 Europameister mit Frankreich © getty

Frankreich hat vor dem Test gegen Island eine lange Siegesserie im Kreuz. Riberys Einsatz ist offen, Remy fällt für die EM aus.

Von Daniel Michel

München - Spätestens seit dem blamablen Auftreten bei der WM 2010 hat Frankreich den Favoriten-Status auf einen großen Titel verloren - so hat es den Anschein.

Doch wenn das Team von Trainer Laurent Blanc am Abend gegen Island in die heiße Vorbereitungsphase der EM startet (ab 20.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1), werden besonders die Gruppengegner England, Schweden und die Ukraine ein besonderes Augenmerk auf die Franzosen werfen.

Denn mit dem Weltmeister von 1998 an der Seitenlinie haben "Les Bleus" zu alter Stärke zurückgefunden. (SERVICE: Der EM-Rechner)

Mittlerweile 18 Spiele sind die Franzosen ohne Niederlage, feierten zuletzt Siege gegen Deutschland, Brasilien und England.

Bei den Buchmachern sind sie bereits Favorit Nummer vier auf den EM-Titel - und auch in der Heimat werden Stimmen laut, Frankreich dürfe auf den dritten kontinentalen Triumph nach 1984 und 2000 hoffen. (GAMES: Das EM-Tippspiel)

Domenech schraubt Ziele hoch

"Das Halbfinale ist das Minimalziel", sagte etwa Raymond Domenech, Blancs Vorgänger zwischen 2004 und 2010.

Das Team befinde sich allerdings noch im Umbruch und sei auf der Suche nach "seinem wahren Charakter und Führungsspielern", schränkte Domenech ein, der bei der WM 2010 von den Spielern boykottiert und am Ende mit Schimpf und Schande aus dem Amt verjagt wurde.

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Blanc bremst Erwartung

Blanc selbst bremst die hohe Erwartungshaltung. Das Viertelfinale sei das erste Ziel - und der 46-Jährige betonte: "Ich erinnere daran, dass Frankreich bei den letzten beiden internationalen Wettbewerben nicht die Gruppenphase überstanden hat."

Von den Spielern haben einige WM-Versager sportlich überlebt - elf Akteure stehen nun im vorläufigen EM-Kader. Zwei Spieler muss Blanc aber noch aussortieren.

Ribery-Einsatz fraglich

Gegen Außenseiter Island, so betont der frühere Libero, seien die Wackelkandidaten gefordert, sich aufzudrängen.

Franck Ribery ist der einzige Bundesliga-Legionär im Kader der Franzosen.

Der Einsatz des Bayern-Stars in Valenciennes von Beginn an ist allerdings unwahrscheinlich, ist er doch nach zwei zusätzlichen freien Tagen erst am Samstag ins Team-Training eingestiegen.

Einen personellen Rückschlag musste die "Equipe Tricolore" auch schon hinnehmen: Loic Remy, Stürmer von Olympique Marseille, sagte wegen einer Verletzung am Oberschenkel diese Woche seinen EM-Start ab.

Inter buhlt um Blanc

Die gute Arbeit von Blanc hat sich unterdessen bei europäischen Top-Klubs herumgesprochen. So sollen laut Medienberichten sein Ex-Klub Inter Mailand sowie der FC Chelsea an ihm interessiert sein.

"Wenn mich ein großer europäischer Klub kontaktiert, ist es möglich, dass ich unterschreibe", sagte Blanc gegenüber "TF1" offen, betonte aber: "Die Nationalmannschaft hat Priorität."

Nach dem Island-Spiel haben die Franzosen noch zwei Tests gegen Serbien und Estland vor der Brust, dann kommt es am 11. Juni zum Klassiker in der Gruppe D gegen England. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

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