Die Spanier um Santiago Cazorla (l.) unterlagen Italien in einem Testspiel mit 1:2 © getty

Teil 2 der SPORT1-Vorschau-Serie zur EM: In Gruppe C hakt es beim Titelverteidiger just in der Attacke. Italien ist wieder erholt.

Von Mathias Frohnapfel

München - Über den Favoriten lässt sich in der EM-Gruppe C nicht diskutieren: Der amtierende Welt- und Europameister Spanien geht als klare Nummer eins ins Rennen.

Allerdings scheinen die Spanier etwas von ihrem Schrecken eingebüßt zu haben, so brillant wie 2008 und 2010 wirkten sie trotz der klar geschafften EM-Qualifikation in der Zeit zwischen den beiden Turnieren nicht.

Und schon im ersten Spiel am 10. Juni wartet in Danzig mit Italien der härteste Brocken auf das Team von Vincente del Bosque.

SPORT1 analysiert bis zum EM-Auftakt Woche für Woche eine Vorrundengruppe. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

Im zweiten Teil der Serie steht die Gruppe C mit Spanien, Italien, Irland und Kroatien im Blickpunkt (Teil 1: Die EM-Gruppe A mit Polen, Russland, Tschechien und Griechenland).

Spanien

Makellos meisterte Spanien die EM-Qualifikation: Wie Deutschland gewann Spanien jedes Qualispiel, traf insgesamt 26-mal.

Doch auch bei "La Furia Roja" ("Die Roten Bestie") ist nicht alles Gold.

Denn seit 2010 setzte es Testspielniederlagen gegen Argentinien (1:4) und gegen Portugal (0:4) sowie gegen Italien (1:2) und England (0:1).

Die EM wird zeigen, ob das Ausrutscher waren oder Spanien doch von seiner Schlagkraft eingebüßt hat. Hinzu kommt der Ausfall von Stürmer David Villa. (VORSCHAU: Die Gruppe A)

Der Barca-Angreifer wird nach seinem Schien- und Wadenbeinbruch vom Dezember nicht mehr rechtzeitg fit und sagte die Teilnahme an den Titelkämpfen ab. "Ich habe es bis zum Schluss versucht, aber ich werde für die EM nicht bei 100 Prozent sein können", twitterte er.

Somit ist wohl Roberto Soldado vom FC Valencia erste Wahl im Angriffszentrum.

Fernando Torres dürfte trotz des Champions-League-Siegs mit Chelsea nur Ersatz sein.

Barcas Abwehrass Carles Puyol wird nach seiner Knie-OP ebenfalls fehlen. (SERVICE: Der EM-Rechner)

Die Erwartungen an den Weltranglisten-Ersten Spanien sind hoch, zumal mit Barcelona und Real zwei Teams aus der Primera Division das Champions-League-Halbfinale erreichten.

"Wir müssen die vorherige EM und WM vergessen und nicht daran denken. Jeder will uns schlagen, deshalb müssen wir vorsichtig sein", warnt dennoch Real-Keeper Iker Casillas vor einer allzu optimistischen Herangehensweise.

Trainer: Vincente del Bosque

Stars: Andres Iniesta, Xavi (beide Barcelona), Xabi Alonso (Real Madrid)

Größte Erfolge: Weltmeister 2010, Europameister 1964 und 2008.

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Italien

Wie begossene Pudel kehrten die Italiener von der WM 2010 in Südafrika heim.

Ausgeschieden in der "Monstergruppe" mit Neuseeland, Paraguay und Slowakei. Welch eine "Vergogna" ("Schande") für die stolze Fußballnation!

Doch seitdem hat der neue Coach Cesare Prandelli die Azzurri auf den Erfolgsweg zurückgeführt, die EM-Qualifikation wurde sicher vor Estland und Serbien gemeistert.

Dass dabei nur zwei Gegentore zu beklagen waren, spricht für italienische Defensivkunst. Unrühmlicher Höhepunkt der Qualifikation war die Partie gegen Serbien, als serbische Chaoten in Genua randalierten. Die Partie wurde abgebrochen und mit 3:0 für Italien gewertet.

2008 scheiterte Italien bei der EM im Viertelfinale an Spanien. Nach Elfmeterschießen.

Jetzt sind die Italiener optimistisch, es besser zu machen, auch wenn Prandelli klar Spanien zum Gruppenfavoriten ausruft.

Im Angriff hat Italien mit Mario Balotelli zugleich höchste Qualität als auch ein Problem.

Denn der Stürmer von Manchester City reihte auch in dieser Saison Eskapade an Eskapade. "Er ist ein fixer Teil des Teams", hält Prandelli dennoch zu ihm.

Trainer: Cesare Prandelli

Stars: Gianluigi Buffon, Andrea Pirlo ( beide Juventus Turin),

Größte Erfolge: Weltmeister 1934, 1938, 1982, 2006, Europameister 1968.

Kroatien

Die Kroaten kamen erst via Playoffs zur EM.

Zuvor mussten sie in ihrer Gruppe Griechenland den Vortritt lassen, in den Playoff-Spielen gegen die Türkei setzte sich das Team von Slaven Bilic aber souverän durch.

Der kroatische Trainer ist Dauergast in der Bundesliga, stehen doch wichtige Spieler wie Ivica Olic (FC Bayern), Mario Mandzukic (VfL Wolfsburg) oder Ivan Perisic (Borussia Dortmund) hier unter Vertrag.

Schlüsselspieler ist allerdings Luka Modric von Tottenham Hotspur. Der Spielmacher ist Dreh- und Angelpunkt des kroatischen Angriffs.

Für die Kroaten ist die erste Partie gegen Irland vorentscheidend. Dort müssen sie einen Dreier holen, um gegen Italien und Spanien nicht gleich unter immensen Druck zu stehen.

"Im letzten Spiel sollten wir nicht mehr auf die Punkte angewiesen sein", gibt Bilic in der "Sport Bild" mit Blick auf die Partie gegen Spanien zu.

Trainer: Slaven Bilic

Star: Luka Modric (Tottenham Hotspur)

Größte Erfolge: WM-Dritter 1998, EM-Viertelfinalist 1996 und 2008.

Irland

Die Iren sind der große Außenseiter in Gruppe C, haben in Giovanni Trapattoni aber einen weltgewandten Trainer mit besten taktischen Kenntnissen. Besonders motiviert dürfte "Trap" gegen sein Heimatland Italien sein.

Für die EM qualifizierte sich sein Team in den Playoffs mit einer starken Vorstellung gegen Estland (4:0 und 1:1). Zuvor mussten sich die Iren in der Qualifikation mit Platz zwei hinter Russland zufrieden geben.

Für den Erfolg hat Trapattoni ein Team rund um erfahrene Kämpen wie die Aston-Villa-Profis Torwart Shay Given (36) und Abwehrchef Richard Dunne (32) aufgebaut.

"Die Spieler glauben an unser System", betont Trapattoni.

Im Sturm soll Robbie Keane knipsen. Der Routinier ist zugleich mit 53 Treffern Rekordtorschütze der Iren.

Trainer: Giovanni Trapattoni

Star: Robbie Keane (L.A. Galaxy)

Größte Erfolge: WM-Viertelfinale 1990

Das sagt Inter-Legende Marco Materazzi im Gespräch mit SPORT1:

"Wenn Italien die erste Hürde Spanien überwindet, können sie es schaffen, bis zum Ende im Turnier dabei zu sein. Aber auch Kroatien hat eine sehr starke Mannschaft, seit sechs Jahren spielen sie unter Trainer Slaven Bilic. Und die Kroaten kämpfen natürlich auf dem Platz wie Löwen - das gilt aber genauso für Irland mit ihrem Coach Giovanni Trapattoni. Das ist wirklich eine eisenharte Gruppe."

SPORT1-Prognose: Spanien und Italien sollten die ersten beiden Plätze unter sich ausmachen. Kroatien hat allenfalls eine Außenseiterchance, die Iren können nur auf ihren Kampfgeist hoffen.

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