Lewandowski, Blaszczkowski und Piszczek (v.l.) gewannen 2012 mit dem BVB das Double © imago

Start der SPORT1-Vorschau-Serie zur EM: Polen hofft in der Gruppe A mit Griechenland, Russland und Tschechien auf seine Dortmunder.

Von Jakob Gajdzik

München - Am 8. Juni hat das Warten ein Ende.

Dann strömen Fans aus ganz Europa nach Polen und in die Ukraine, um den Startschuss für die 14. Europameisterschaft mitzuerleben.

Co-Gastgeber Polen eröffnet die Endrunde in Warschau mit dem Spiel gegen Griechenland.

Für Polen ist es nach 1960 und 2008 die dritte Gelegenheit, sich auf der großen EM-Bühne zu zeigen - und die "Bialo Czerwoni" wollen dabei zum ersten Mal über die erste Runde hinauskommen.

Angetrieben von den heimischen Fans und drei Stars aus der Bundesliga will Polen bei der Endrunde für Furore sorgen.

SPORT1 startet bis zum EM-Auftakt eine Vorschau-Serie, in der jede Woche eine Vorrundengruppe analysiert wird.

Im ersten Teil steht die Gruppe A mit Polen, Griechenland, Tschechien und Russland im Blickpunkt. (SERVICE: EM-Tabellenrechner)

Polen

Für den polnischen Nationaltrainer Franciszek Smuda ist Dortmund die "Hauptstadt des polnischen Fußballs".

Dort spielen in Stürmer Robert Lewandowski, Nationalmannschaftskapitän Jakub Blaszczykowski und Verteidiger Lukasz Piszczek die drei Aushängeschilder des Teams.

Auf dem Trio liegt die Hoffnung der Polen, an die großen Zeiten aus den 1970er Jahren anzuknüpfen, als das Team in Europa gefürchtet war und unter anderen 1972 in München den Olympiasieg holte oder 1974 bei der WM in Deutschland Platz drei.

Gemischte Resultate

Als Co-Gastgeber musste Polen nicht durch die Qualifikation, sondern brachte sich mit Testspielen in Form - mit gemischtem Erfolg.

Im letzten Spiel gab es gegen den deutschen Gruppengegner Portugal nach starker Leistung ein 0:0.

Gegen andere EM-Teilnehmer wie Frankreich (0:1) und Italien (0:2) setzte es Pleiten, dafür gab es im September 2011 ein 2:2 gegen das DFB-Team.

Wegen Disziplinlosigkeiten verzichtet der in Polen nicht unumstrittene Smuda im Kader auf Stars wie Torwart Artur Boruc oder den Kölner Slawomir Peszko.

Trainer: Franciszek SmudaStar: Robert Lewandowski, Jakub Blaszczykowski (beide Borussia Dortmund)Größte Erfolge: Olympiasieger 1972, WM-Dritter 1974, 1982, Olympia-Silber 1976, 1992

Griechenland

2004 waren die Griechen auf dem Olymp angekommen. Bei der EM in Portugal setzten sich die von Otto Rehhagel trainierten Hellenen Europas Krone auf.

Seitdem ging es für die Griechen abwärts. Die Qualifikation für die WM 2006 wurde verpasst, bei der EM 2008 und der WM 2010 war jeweils nach der Vorrunde Schluss.

Nach Polen und in die Ukraine fährt Griechenland allerdings ungeschlagen.

Sieben Siege und drei Unentschieden gelangen der Truppe von Trainer Fernando Santos in der Qualifikationsgruppe F - allerdings auch nur 14 Treffer.

Noch zwei Helden von 2004 dabei

Der Triumph von 2004 ist rund um Athen weiterhin unvergessen. "Es wird schwer das zu wiederholen, aber unmöglich ist es nicht", sagte Schalkes griechischer Nationalspieler Kyriakos Papadopoulos.

Mit Kostas Katsouranis und Giorgos Karagounis, der 2004 das Finale wegen einer Gelbsperre verpasste, stehen 2012 noch zwei der "Helden von Lissabon" im Kader.

Aus der Bundesliga sind neben Papadopoulos auch der Bremer Sokratis und der Lauterer Kostas Fortounis dabei.

Trainer: Fernando SantosStar: Giorgos Karagounis (Panathinaikos Athen)Größte Erfolge: Europameister 2004

Tschechien

Tschechien 2012 will das vollbringen, was der "Goldenen Generation" um Karel Poborsky, Pavel Nedved und Vladimir Smicer 1996 versagt bliebt.

Damals unterlagen die Tschechen im EM-Finale dem DFB-Team mit 1:2 nach dem Golden Goal von Oliver Bierhoff.

Bei der Endrunde gilt das Team von Trainer Michal Bilek allerdings als Außenseiter.

"Wir wollen ein neues und erfolgreiches Kapitel für den tschechischen Fußball schreiben", zeigt sich der 47-Jährige dennoch optimistisch.

Dabei sind in seinem Kader mit Torhüter Petr Cech von Bayerns Champions-League-Finalgegner FC Chelsea und dem Ex-Dortmunder Tomas Rosicky nur noch zwei Stars übrig.

Knappe Qualifikation

Die Qualifikation für das Turnier war denkbar knapp.

Mit 13 Punkten setzte sich Tschechien in der Gruppe I mit zwei Punkten Vorsprung als Zweiter vor Schottland durch und machte dann in den Playoffs gegen Montenegro (2:0 und 1:0) die Teilnahme klar.

Aus der Bundesliga ist das Quintett Jaroslav Drobny (HSV), Roman Hubnik (Hertha BSC), Tomas Pekhart (Nürnberg), Michal Kadlec (Leverkusen) und Petr Jiracek (Wolfsburg) dabei.

Trainer: Michal BilekStar: Petr Cech (FC Chelsea)Größte Erfolge: Europameister 1976 (damals noch als Tschechoslowakei), Vize-Europameister 1996, Vize-Weltmeister 1934, 1962 (als Tschechoslowakei), Olympiasieger 1980, Olympia-Silber 1964 (als Tschechoslowakei)

Russland

Für Russland scheint die EM nur eine Art Vorbereitungsturnier zu sein. Die Weltmeisterschaft 2018 im eigenen Land wirft für die "Sbornaja" bereits seine Schatten voraus.

Dennoch wollen die Russen im Nachbarland Ukraine und in Polen ein starkes Turnier spielen und unter Ex-Gladbach-Trainer Dick Advocaat das schaffen, was der Mannschaft 2008 in Österreich und der Schweiz verwehrt geblieben ist.

Unter dem damaligen Trainer Guus Hiddink spielten sich die Russen mit temporeichem Offensivfußball bis ins Halbfinale, unterlagen dort aber den Spaniern mit 0:3.

Berezutskiy-Zwillinge als Bollwerk

Das will die Mannschaft in diesem Jahr besser machen und nach 1960 (damals noch als UdSSR) den zweiten EM-Titel holen.

Die Qualifikation in der Gruppe B gelang mit 23 Punkten als Gruppenerster vor Irland.

In zehn Partien kassierte die starke Abwehr um die Berezutskiy-Zwillinge Aleksej und Wasili von Champions-League-Teilnehmer ZSKA Moskau nur vier Gegentore.

Vorne wirbeln der "kleine Zar" Andrej Arschawin, Roman Pawljuschenko und der Ex-Stuttgarter Pavel Pogrebnyak.

Trainer: Dick AdvocaatStar: Andrej Arschawin (Zenit St. Petersburg)Größte Erfolge: Europameister 1960, Vize-Europameister 1964, 1972, 1988, Olympiasieger 1956, Olympia-Bronze 1972, 1976 (alles noch als UdSSR)

Das sagt SPORT1-Experte Thomas Waldoch:

"Der Heimvorteil könnte in der Mannschaft große Euphorie auslösen und das polnische Team beflügeln. Sollte die Mannschaft das erste Spiel gegen Griechenland gewinnen, kommen sie auch weiter. Daneben tippe ich auf Tschechien, die mit ihrer jungen Mannschaft mein zweiter Kandidat auf das Viertelfinale sind."

SPORT1-Prognose:

Polen scheint durch den Heimvorteil und die Topform des BVB-Trios in der Favoritenrolle. Schaffen es die Dortmunder, ihren Schwung auf den Rest der Mannschaft zu übertragen, kann sich eine positive Eigendynamik im Turnier entwickeln.

Gelingt der Auftakt gegen Griechenland nicht, könnte das polnische Team unter dem Druck zusammenbrechen. Dahinter scheinen die Russen aufgrund ihrer Eingespieltheit und individuellen Klasse das stärkste Team.

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