Olivier Giroud (r.) erzielte das 1:0 für Frankreich im Testspiel gegen Deutschland © getty

Durch den Sieg in Deutschland manövrieren sich die Franzosen in die Gruppe der EM-Favoriten. Ribery wird vom DFB-Doc behandelt.

Aus Bremen berichtet Thorsten Mesch

Bremen - Sie waren sehr zufrieden, aber keinesfalls euphorisch.

"Das Ergebnis hat mich gar nicht interessiert, wir wollten nur einen Schritt nach vorne machen", gab sich Frankreichs Nationaltrainer Laurent Blanc nach dem 2:1 über Deutschland (Bericht) betont zurückhaltend.

Der Sieg beim Vize-Europameister und Zweiten der FIFA-Weltrangliste war für die in den vergangenen Jahren nicht gerade erfolgsverwöhnten Franzosen aber mehr als ein einfacher Schritt nach vorn. ( 525009 DIASHOW: Bilder des Spiels )

Die Art und Weise, wie Blancs Mannschaft in Bremen auftrat, gibt dem Trainer die Gewissheit, dass sie mit zu den Top-Favoriten für die EM gehörenden Mannschaften mehr als nur mithalten können. (DATENCENTER: Der EM-Spielplan)

Blancs Matchplan geht auf

"Wir haben die deutsche Mannschaft gut analysiert. Wir haben versucht, möglichst hoch zu stehen, um ihre Offensive nicht zur Entfaltung kommen zu lassen und wussten um die eine oder andere Schwäche der Hintermannschaft", erklärte Blanc.

"Das Ergebnis und das Zustandekommen haben mir gefallen. Es war ein gutes Fußballspiel. Ich habe es sehr genossen", meinte der ehemalige Welt- und Europameister.

Pferdekuss bei Ribery

Weniger angenehm dürfte der Abend für Franck Ribery gewesen sein.

Der Bayern-Profi konnte nicht an seine Galavorstellung vom 2:0 gegen Schalke anknüpfen und verletzte sich bei einem Zusammenprall mit Marco Reus am Oberschenkel.

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Anschließend wirkte der Dribbelkünstler gehemmt und musste zur Pause usgewechselt werden. "Wir wollten kein Risiko eingehen, er konnte zur Halbzeit kaum mehr laufen", erklärte Blanc.

Nach dem Spiel trennte sich Ribery von seinen französischen Teamkollegen, aß im Bremer Parkhotel mit dem DFB-Team und fuhr per Mini-Van nach Köln, um sich von Bayern-Arzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt behandeln zu lassen.

"Franck hat einen Schlag auf den Oberschenkel gekommen, aber er wird sich erholen und sein Bestes für die Bayern geben", meinte Blanc. (REAKTIONEN: Stimmen zum Spiel)

"Er ist ein wahnsinnig wichtiger Spieler für uns", sagte Tottenhams Louis Saha, "selbst wenn er mal nicht so in die Partie findet, ist er mit seiner Schnelligkeit immer eine Bedrohung."

[kaltura id="0_qzryqemp" class="full_size" title="Deutschland Frankreich Reaktionen nach dem Spiel"]

Nachrücker überzeugen

Der französische Coach, der auf seinen verletzten Top-Stürmer Karim Benzema verzichten musste, konnte sich im Gegensatz zu Joachim Löw darüber freuen, dass seine zweite Garde ihre Chance nutzte.

Benzemas Ersatzmann Olivier Giroud erzielte, wenn auch begünstigt durch Stellungsfehler in der deutschen Abwehr, nach Vorarbeit des starken Mathieu Valbuena das 1:0.

"Haben ein perfektes Spiel gemacht"

"Wir haben ein perfektes Spiel gemacht. Das war wirklich ein sehr schöner Sieg", freute sich Debuchy.

Das 2:0 durch Florent Malouda bereitete der Rechtsfuß von OSC Lille ebenfalls vor. Giroud und Debuchy konnten durch ihre guten Leistungen Pluspunkte bei Blanc sammeln.

"Sicherlich. Wer zu einer Mannschaft gehört, die Deutschland geschlagen hat, und gute Leistungen bringt, der kann davon profitieren", machte Blanc beiden Spielern Hoffnungen auf die EM-Teilnahme.

Seit 18 Spielen ungeschlagen

Für die Endrunde ist der zweimalige Europameister gut vorbereitet. Seit 18 Spielen ist die "Equipe tricolore" ungeschlagen, nach England (2:1 im November 2010) und Brasilien (1:0 im Februar 2011) wurde nun der dritte Hochkaräter geschlagen.

"Es war ein echter Test und ein gutes Spiel gegen eins der besten Teams Europas", sagte Torwart und Kapitän Hugo Lloris.

Kein Sieg bei den letzten beiden Turnieren

"Wir haben überzeugt, weil wir als Mannschaft aufgetreten sind. Aber wir müssen diese Leistung unter Wettbewerbsbedingungen bestätigen", trat Blanc auf die Euphoriebremse.

Nach dem Skandal bei der WM 2010 und dem Scheitern bei den letzten beiden Turnieren wollen die Franzosen in Polen und der Ukraine endlich das schaffen, was ihnen bei Großveranstaltungen seit dem WM-Halbfinale 2006 nicht mehr gelungen ist: Sie wollen gewinnen.

"Wenn wir so spielen wie gegen Deutschland, können wir jeden überraschen", sagte Malouda, der wie Ribery und die gegen Deutschland ebenfalls eingesetzten Eric Abidal, Louis Saha und Alou Diarra auch schon 2006 dabei war.

"Wir müssen aber auch eine gewisse Demut bewahren", mahnte der Chelsea-Profi: "Denn bei den beiden letzten Turnieren sind wir nicht über die Gruppenphase hinaus gekommen."

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