Mateschitz will mittelfristig mit Bayern München konkurrieren
Eine weitere Saison in der Dritten Liga schließt Klub-Mäzen Dietrich Mateschitz aus © getty

RB Leipzig kämpft mit der DFL um die Spielerlaubnis für die neue Saison. Bei SPORT1 sieht Jurist Kahlert den Klub im Vorteil.

Von Jan Reinold

München - Sportdirektor Ralf Rangnick wollte sich lieber nicht äußern, RB Leipzig ebenfalls nicht. Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) waren auf SPORT1-Nachfrage nicht zu einer offiziellen Stellungnahme bereit.

Das Thema ist heikel, der Fall der Lizenzerteilung für Zweitliga-Aufsteiger RB Leipzig wird zunehmend zum Sport-Politikum. Und da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt, gehen die Beteiligten auf Tauchstation.

Hinter den Kulissen aber dürfte das Geschacher umso intensiver sein.

Auf einen Rechtsstreit werden es beide Seiten wohl nicht anlegen, zumal gerade die DFL nach Ansicht von Experten vor Gericht schlechte Karten hätte.

"Mir ist in der Lizenzierungsordnung der DFL keine Regel bekannt, die die jetzige Struktur von RB Leipzig untersagt", meinte der Münchner Sportrechtler Heiner Kahlert zu SPORT1: "Auf Grundlage der aktuellen Regeln sehe ich die DFL rechtlich auf relativ dünnem Eis."

Aushöhlung der 50+1-Regel verhindern

Dennoch ließ der Ligaverband, der die beiden höchsten Spielklassen verwaltet, die Muskeln spielen, als er Leipzigs Beschwerde gegen einige Lizenzauflagen ablehnte.

Offenbar will die DFL in diesem Fall Härte beweisen, weil sie befürchtet, dass Leipzig die Sperrklausel unterwandern will. Dadurch erklärt sich auch das rechtlich wohl umstrittene Vorgehen des Ligaverbandes.

RB Leipzig hat, anders als viele andere Erst- und Zweitligisten, seine Profiabteilung nicht in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert.

Die Sachsen wählten stattdessen die Rechtsform als eingetragener Verein (e.V.). Und das wohl ganz bewusst, denn dadurch ist die sogenannte 50+1-Regel, die Investoren die Übernahme der Stimmenmehrheit unmöglich machen soll, nicht auf den Klub anwendbar.

"Man will vermutlich verhindern, dass der Eindruck entsteht, die DFL lasse eine solche Aushöhlung der 50+1-Regel zu", meint Kahlert.

Klub rechtlich wohl im Vorteil

Offiziell ist nicht bekannt, was genau die DFL dem Klub vorwirft.

Es soll um das Vereinswappen gehen, das, so der Vorwurf, zu sehr an Sponsor Red Bull erinnert. Zudem wurde angeblich bemängelt, dass die Klubführung ausschließlich mit Gefolgsleuten des Brauseherstellers besetzt und der Mitgliedsbeitrag von vermutlich 800 Euro zu hoch sei.

Man kann die Bedenken der DFL verstehen, rechtlich aber sitzt der Klub wohl am längeren Hebel. Interessanterweise erteilte der DFB Leipzig die Lizenz für die kommende Drittliga-Saison, und die DFL beruft sich in Teilen ihrer Lizenzordnung auf die Vorgaben des DFB.

Außerdem gilt für RB Leipzig als eingetragener Verein - wie für alle Klubs dieser Rechtsform - die verfassungsrechtlich garantierte Vereinsautonomie.

Was das konkret bedeutet, erklärt Kahlert.

"Es gibt die eine oder andere Einschränkung, aber ein Verein kann ansonsten seine Satzung ? und damit die Vorstandsbesetzung, den Mitgliedsbeitrag, et cetera ? im Rahmen der geltenden Gesetze so ausgestalten, wie er das möchte", sagt der Jurist.

Kontrahenten bauen Drohkulisse auf

Sollte es RB Leipzig also darauf ankommen lassen, stünden die Chancen auf einen Erfolg vor Gericht wohl nicht so schlecht.

So weit wird es aber vermutlich nicht kommen. Zwar hat nach der DFL auch Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz eine Drohkulisse aufgebaut, indem er im Interview mit der "Leipziger Volkszeitung" indirekt mit der Aufgabe des Standorts Leipzig drohte (Bericht).

Am Ende dürfte es aber darauf hinauslaufen, dass ein Kompromiss gefunden wird, mit dem beide Seiten das Gesicht wahren können.

Schließlich ist die DFL sehr daran interessiert, endlich einen potenten Fußballstandort im Osten zu installieren. Und der Weltkonzern Red Bull kann das bieten. Umgekehrt soll die sächsiche Metropole für den Brausehersteller zum Zentrum seiner Fußball-Sparte werden.

Der Klub könnte also das Logo ändern und den Mitgliedsbeitrag senken, die DFL im Gegenzug darauf verzichten, auf der Verbannung der Red-Bull-Gefolgsleute aus der Klubführung zu bestehen. Denn um diesen Punkt scheint es Mateschitz aus verständlichen Gründen vor allem zu gehen.

Entscheidung am 28. Mai

Die finale Entscheidung über die Lizenzierung - also Erteilung oder Verweigung der Teilnahme an der Zweiten Liga - wird am 28. Mai fallen. Bis dahin dürften DFL und Klub um einen Kompromiss ringen.

Sollte man sich nicht einigen, bliebe Leipzig der Gang vor das DFB-Schiedsgericht, das im vergangenen Jahr den Lizenzentzug und damit den Zwangsabstieg für den MSV Duisburg bestätigte.

Nach dem DFB-Schiedsgericht könnte der Fall schließlich vor staatlichen Gericht geklärt werden.

Chance für Osnabrück, Duisburg und Wiesbaden?

Sollte Leipzig tatsächlich nicht in die Zweite Liga aufsteigen dürfen, würde der nächste aufstiegsberechtigte Drittligist nachrücken. Das wäre zunächst der Verlierer der Relegationsspiele - wenn es denn ein Drittiligist ist (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Wenn Darmstadt 98 die Relegation (gegen Dresden oder Bielefeld) verliert, würden die "Lilien" also dennoch aufsteigen. Sollte Darmstadt aber die Relegation gewinnen, rückt der Vierte der Dritten Liga nach.

Aktuell ist das Wehen Wiesbaden (55 Punkte). Einen Spieltag vor Saisonende liegen aber auch der Fünfte Osnabrück (54 Punkte) und der Sechste Duisburg (52) noch in Reichweite.

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