Claus-Dieter Wollitz trainierte Osnabrück bereits von 2004 bis 2009 © getty

Der VfL verteidigt die Spitze, doch der Verein präsentiert einen Schuldenstand. Hooligans von Aachen und Hansa sorgen für Zoff.

München - Selbst nach dem Spitzenspiel zwischen dem VfL Osnabrück und Arminia Bielefeld, das auch ohne Tore beste Unterhaltung geboten hatte, kamen die Beteiligten nicht um das Thema Alemannia Aachen herum. (DATENCENTER: Dritte Liga)

"Ein Verein muss nach 17 Spielen Insolvenz anmelden. Für diese Liga ist das eine ganz komplizierte Situation. Die Tür ist geöffnet für weitere Spekulationen. Der Druck in den Vereinen ist viel zu groß", sagte VfL-Trainer Claus-Dieter Wollitz, nachdem sein Klub mit dem 0:0 gegen die Arminia die Tabellenführung in der Dritten Liga erfolgreich verteidigt hatte.

Drei Tage nach der Verkündung der Insolvenz am Tivoli geht in der Liga die Angst um, denn neben der Alemannia nagen zahlreiche weitere Klubs am Hungertuch.

VfL präsentiert Schuldenstand

Auch beim Ligaprimus Osnabrück ist die Lage prekär: Am Sonntag auf dem ersten Teil der Jahreshauptversammlung wurden statt des zuvor avisierten leichten Gewinns sogar 926.000 Euro Verbindlichkeiten präsentiert.

"Es ist in der Dritte Liga so: Die Einnahmen brechen bei ausbleibendem Erfolg überproportional weg, deshalb sprechen alle von der Intensivstation 3. Liga", sagte Präsident Gert Lehker, "den meisten anderen Vereinen der Dritten Liga geht es nichtbesser." Lehker sprach von einer "wirtschaftlich existenzgefährdenden" Entwicklung.

Trotzdem wurde das Präsidium des derzeitigen Tabellenführers mit großer Mehrheit entlastet.

Stadion wird gemietet

Der zweite Teil der Versammlung am 11. Dezember wird noch richtungweisender. Der VfL will Stadion-Immobilie samt Schulden an eine städtische Gesellschaft veräußern und danach zurückmieten.

Das so genannte Sale-and-lease-back-Modell soll den drohenden finanziellen Kollaps des Aufstiegskandidaten Nummer eins verhindern.

Wollitz macht sich keine Sorgen

"Ich mache mir keine Sorgen, denn hier geht es nur um Fußball", sagte Wollitz nach dem 0:0 gegen die Arminia, die sich mit finanziellen Problemen ebenfalls viel besser auskennt, als ihr lieb ist.

Es war fast, als bezog sich der Ex-Profi nicht nur auf das Spiel, in dem Timo Staffeldt mit einem verschossenen Foulelfmeter in letzter Minute den möglichen Sieg vergeben hatte, sondern auch auf die Finanzlage des VfL: "Das ist ärgerlich, aber wir werden da Kraft rausziehen. Wir sind in der Lage, auch nach 18 Spielen vorne zu stehen. Wir werden nicht nur besser, sondern viel besser da rausgehen."

Pleite für Aachen

Aachen zeigte einen Tag nach seinem "schwarzen Freitag" Moral, obwohl die Mannschaft 1:2 beim VfB Stuttgart II verlor und auf einen Abstiegsplatz zurückfiel.

Dennoch produzierte die Alemannia, die nach der Saison in der Regionalliga neu anfangen muss, weitere Negativschlagzeilen.

Übergriff an der Autobahn

Nach der Niederlage in Stuttgart soll es nach Informationen der "Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten" auf einem Rastplatz in Pforzheim zu einem erneuten tätlichen Übergriff durch die berüchtigte Fan-Gruppe "Karlsbande" auf die rivalisierten "Aachen Ultras" gekommen sein. Ein Polizeisprecher bestätigte, dass bei dem Streit ein Auto demoliert worden ist.

Hansa-Chaoten werfen Steine

Auch vor und nach dem Spiel zwischen Hansa Rostock und dem Karlsruher SC (0:3) sorgten Hooligans für Ausschreitungen. Wie die Polizei berichtete, bewarfen etwa 80 vermummte Hansa-Chaoten einen nach Rostock fahrenden Zug, in dem wegen ihrer Fanfreundschaft zum KSC etwa 180 Anhänger des Zweitligisten Hertha BSC saßen, mit Steinen.

Während der Rückreise mit einem Entlastungszug kam es immer wieder zu Auseinandersetzung mit der Polizei.

Antisemitismus auf den Rängen

Wehen Wiesbaden will derweil einen Zwischenfall mit rechtsradikalem Hintergrund im hessischen Derby gegen Kickers Offenbach (2:1) rigoros verfolgen. Ein Zuschauer hatte während der zweiten Halbzeit auf der Haupttribüne ein Lied gesungen, in dem der "Offenbacher Judenklub" besungen wird.

Wehens Pressesprecher Daniel Mucha, der Ohrenzeuge war, schritt ein und rief einen Ordner herbei. Dieser nahm die Personalien des Zuschauers auf. Laut Mucha erhält die Person Hausverbot in der Brita-Arena. Es soll geprüft werden, ob ein bundesweites Stadionverbot verhängt werden kann.

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