Markus Weinzierl war bis 2004 als Spieler bei Jahn Regensburg aktiv © getty

Vor der Relegation spricht Regensburg-Trainer Weinzierl bei SPORT1 über das Wunder 2. Liga und bestätigt den Wechsel zum FCA.

Von Reinhard Franke

München - Eigentlich wollte er Lehrer werden. Doch dann kam alles ganz anders.

Markus Weinzierl schlug eine Laufbahn ein, mit der er so nicht gerechnet hat. Sein sportliches Vorbild war Lothar Matthäus.

Kein Wunder, dass 1995 seine Profikarriere beim FC Bayern begann. Giovanni Trapattoni holte ihn von den Amateuren zu den Profis, doch Einsätze gab es nicht.

Über die Stuttgarter Kickers und die SpVgg Unterhaching kam er zu Jahn Regensburg, wo er nach seiner Spielerkarriere 2008 Trainer wurde.

Am Freitagabend kann er nun im ersten Relegationsspiel gegen Karlsruhe (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER, Zusammenfassung, Fr., ab 22.30 Uhr im TV auf SPORT1) einen großen Schritt in Richtung Zweite Liga machen.

Sein Abschiedsgeschenk, denn seine erfolgreiche Arbeit blieb nicht unbemerkt. Der 37-Jährige wird neuer Trainer beim FC Augsburg und dort der Nachfolger von Jos Luhukay. (DATENCENTER: Die Relegation)

Vor dem Spiel spricht Weinzierl bei SPORT1 über seine erfolgreiche Arbeit in der Oberpfalz, das Wunder Zweite Liga - und er bestätigt den Wechsel zum FCA.

SPORT1: Herr Weinzierl, wie fühlt es sich an, wenn man in die Zielgerade zur Zweiten Liga eingebogen ist?

Markus Weinzierl: Es freut sich jeder auf die beiden Spiele in der Relegation, das haben wir uns nach einer harten Saison erarbeitet und da soll jeder alles geben. Ich hoffe, dass die Mannschaft das zeigt, was sie kann und dann haben wir auch gegen Karlsruhe eine echte Chance zu gewinnen.

SPORT1: Wie sehr glauben Sie an das Wunder?

Weinzierl: Wir glauben hundertprozentig daran. In solchen Spielen ist immer alles möglich. Auch wenn wir Außenseiter sind, können wir zuhause vielleicht vorlegen und dann im Auswärtsspiel mit unserer Auswärtsstärke das ganze Ding nach Hause bringen.

SPORT1: Sie sind seit 2008 Cheftrainer beim Jahn. Zweimal retteten Sie den Klub, im Vorjahr wurden Sie Achter, jetzt Platz drei. Was sind die Gründe für den Aufschwung?

Weinzierl: Die Mannschaft hat von Beginn an super zusammen gehalten und die Mannschaftsteile haben sich schnell gefunden. Die Stützen mit Tobias Schweinsteiger und Michael Hofmann haben das Ganze in die richtige Bahn gebracht. Junge Spieler wurden gut integriert, die Truppe konnte sich von Woche zu Woche immer mehr steigern und wir haben das bis Weihnachten gut durchgezogen, als wir dann Erster waren. In der Rückrunde hatten wir anfangs ein bisschen zu kämpfen, doch zum Schluss haben wir uns wieder gefangen.

SPORT1: Sie stehen vor dem größten Erfolg in Ihrer Trainerkarriere. Hat Sie das verändert?

Weinzierl: Ich bin ja noch nicht so alt (lacht). Mit 37 ist das jetzt natürlich der Höhepunkt, aber ich glaube nicht, dass ich mich verändert habe. Dazu gibt es auch gar keinen Grund. Ich bin viel zu bodenständig, als dass ich abhebe.

SPORT1: Ihr Torwart Michael Hofmann nennt Sie einen "sachlichen, analytischen Trainer". Wie sehen Sie sich selbst?

Weinzierl: Ich habe es verstanden, die Mannschaft das ganze Jahr über gut zusammenzuhalten, dass sie als Einheit auftritt. Natürlich steht der Trainer an der Spitze, aber im Endeffekt ist man als Coach von den Spielern abhängig. In dieser Saison sind einige Spieler über sich hinausgewachsen. Jetzt können wir uns belohnen.

SPORT1: Ist der Verein schon reif für die Zweite Liga?

Weinzierl: Nein, weil wir von der Infrastruktur und von der Professionalität in der Dritten Liga ganz unten angesiedelt sind und wir mit den sportlichen Leistungen einfach alles übertroffen haben, was eigentlich den Ansprüchen nicht entspricht. Aber wenn man wie wir jetzt eine große Möglichkeit hat, dann muss man einfach aufsteigen - egal, ob die Rahmenbedingungen da sind oder nicht.

SPORT1: Lassen Sie uns über ein Thema sprechen, das die letzten Tage heiß diskutiert wurde. Sie werden neuer Trainer beim FCA. Ein Traum?

Weinzierl: Erstmal will ich mich auf die Relegationsspiele konzentrieren, weil das die wichtigsten Spiele für Jahn Regensburg in den letzten Jahren sind. Auch in meiner Trainer-Laufbahn. Im Anschluss werden wir eine Entscheidung treffen.

SPORT1: Warum noch so vorsichtig? Der Wechsel steht doch längst fest. Man hat das Gefühl, dass Ihnen in den letzten Tagen alles zu viel wurde, was das Thema angeht.

Weinzierl: Natürlich ehrt einen das, wenn der FCA anfragt. Das habe ich ja auch sofort bestätigt. Wenn du als Trainer von einem Drittligisten in Kontakt mit einem Erstligisten gebracht wirst, dann ist das natürlich ein großes Lob. Aber nicht nur für mich, sondern für den ganzen Verein und die Mannschaft.

SPORT1: Trauen Sie sich den Sprung in die Bundesliga denn zu?

Weinzierl: Natürlich würde ich mir das zutrauen, das wäre eine echte Herausforderung. Aber die Frage stellt sich jetzt noch nicht. Es ist erstmal die Frage, ob wir es uns zutrauen, Karlsruhe aus der Zweiten Liga zu schießen und uns hoch zu schießen.

SPORT1: Aber Herr Weinzierl, Sie können doch der Fußballwelt nicht erzählen, dass Sie sich noch nicht dafür entschieden haben.

Weinzierl: Das stimmt, aber ich will mich wirklich voll auf die zwei Relegationsspiele konzentrieren. Ich will mich und die Mannschaft auf Karlsruhe vorbereiten und mich auch nicht aus dem Konzept bringen lassen. Deswegen schaue ich nur auf Karlsruhe. Ich will vorher gar nicht so viel über Augsburg reden. Mir wird viel zu viel darüber gesprochen.

SPORT1: Also sprechen wir über's Sportliche: Wer ist am Freitag im Vorteil?

Weinzierl: Der Unterschied zu Karlsruhe ist, dass wir die Hoffnung auf den Erfolg und die Riesen-Sensation haben und der Gegner die Angst vor dem Misserfolg hat. Das ist psychologisch ein Riesenvorteil. Wir müssen im Heimspiel die Basis legen, aber wir wissen auch, dass wir auswärts stark sind.

SPORT1: Wenn der Jahn aufsteigt, sieht man Sie in der Zweiten Liga oder gar in der Ersten Liga wieder?

Weinzierl: Der FCA wäre ein Riesenerlebnis, aber warten wir noch ein paar Tage ab.

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