Gerd Dais trainiert Sandhausen wieder seit Februar 2011 © getty

Sandhausens Meistertrainer Gerd Dais spricht im SPORT1-Interview über das Verhältnis zu Hoffenheim und die anstehenden Ziele.

Von Marc-Oliver Robbers und David Donocik

München - Der SV Sandhausen hat sich in nur sechs Jahren von einem Oberligisten zu einem Zweitligisten gemausert.

Dabei stand der Verein aus der 14.000-Einwohner-Gemeinde kurz davor, ein Farmteam von 1899 Hoffenheim zu werden.

Der Kontakt zu Dietmar Hopp besteht weiterhin und Sandhausen könnte, wenn der eigene Stadionumbau nicht rechtzeitig fertig wird, die ersten Heimspiele in der Rhein-Neckar-Arena der Hoffenheimer austragen.

Einen großen Anteil an der sportlichen Entwicklung hat Trainer Gerd Dais.

Der 48-Jährige trainiert Sandhausen zum zweiten Mal und rettete den Klub in der vergangenen Saison vor dem Abstieg in die Regionalliga.

In dieser Saison führte Dais sein Team sensationell zur Meisterschaft in der Dritten Liga.

Im SPORT1-Interview spricht Dais über die anstehenden Herausforderungen, das Verhältnis zu 1899 Hoffenheim und die Ziele in der kommenden Saison (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

SPORT1: Nächstes Jahr spielt Ihr Team in der Allianz Arena und möglicherweise auch im Berliner Olympiastadion. Waren Sie schon einmal dort?

Gerd Dais: In der Allianz Arena war ich nur als Zuschauer. In den 80er Jahren habe ich aber selber noch im Olympiastadion gespielt. Wir freuen uns, dass wir jetzt auch in so großen Stadien spielen können.

SPORT1: Glauben Sie, dass dies motivierend ist oder kann dies ihre Spieler auch hemmen?

Dais: Es ist für uns in erster Linie eine große Herausforderung und es beflügelt eher, als dass es uns lähmt. Wir freuen uns einfach, egal ob wir jetzt auf St. Pauli spielen oder am Betzenberg. Die Vorfreude ist bei uns riesengroß.

SPORT1: Auf der Vereinsseite beschreibt ihr Klub sich als "authentisch plus glaubwürdig plus echt = 100 Prozent". Was war die Formel für den Aufstieg?

Dais: Als ich im Februar 2011 zurückgekommen bin, standen wir schon mit eineinhalb Beinen in der Regionalliga. Durch eine tolle Erfolgsserie konnten wir dann den vorzeitigen Klassenerhalt perfekt machen. Wir haben uns dann im Sommer punktuell verstärkt und weiterentwickelt. Diese Entwicklung haben wir jetzt mit dem Aufstieg gekrönt.

SPORT1: 2006 spielten Sie noch in der Oberliga, 2012 in der Zweiten Liga. Da gibt es ja durchaus Parallelen zum Nachbarn aus Hoffenheim. Dietmar Hopp wollte ja einmal bei Ihnen einsteigen. Woran scheiterte es damals?

Dais: Das ist auf mehreren Ebenen gescheitert. Erstmal wäre es so wie Hoffenheim es sich vorgestellt hat, vom Verband her nicht zu realisieren gewesen. Zudem wäre Sandhausen nur noch ein Farmteam gewesen und das konnte man den Sponsoren nicht verkaufen. Die Entscheidung, sich vom Hoffenheimer Modell loszusagen, war genau die richtige. Wenn man unseren Werdegang sieht, dann haben wir alles richtig gemacht.

SPORT1: Stimmt es, dass Herr Hopp Ihnen angeboten hat, Heimspiele in der Rhein-Neckar-Arena auszutragen?

Dais: Wir mussten ja ein Ausweichstadion benennen und dankenswerterweise hat sich da die TSG Hoffenheim bereit erklärt, so dass wir im Juli oder August das eine oder andere Heimspiel in Sinsheim austragen könnten, wenn unsere Umbaumaßnahmen nicht rechtzeitig fertig werden. Wir werden aber alles daran setzen, dass wir unsere Heimspiele in Sandhausen austragen werden.

SPORT1: Sie haben in der Geschäftsstelle zweieinhalb feste Mitarbeiter, ist das richtig?

Dais: Ja, das ist richtig. Der sportliche Erfolg ist von 2006 bis jetzt doch relativ zügig vonstatten gegangen und hat den ganzen administrativen Bereich mit Geschäftsführung und auch der Infrastruktur förmlich überrollt, so dass wir da Nachholbedarf haben. Wir werden da jetzt den einen oder anderen Mitarbeiter hinzugewinnen. Mit zweieinhalb Mitarbeitern geht es jetzt natürlich nicht mehr.

SPORT1: Sportlich kann das Saisonziel nur der Klassenerhalt sein, oder?

Dais: Alles andere wäre sehr vermessen. Wir wollen jetzt in erster Linie versuchen, den Großteil unserer Mannschaft zu halten. Das ist uns fast gelungen. Wir sind auf einem sehr guten Weg und wollen uns noch punktuell verstärken, damit wir eine konkurrenzfähige Mannschaft haben. Wenn man unsere Voraussetzungen als kleine Gemeinde sieht, gehen wir von Platz 18 aus. Aber wir wollen uns jetzt verbessern, damit dieses Abenteuer Zweite Liga nicht nur ein Jahr Bestand hat.

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