Ralph Hasenhüttl kam im Januar 2011 aus Unterhaching zum VfR Aalen © getty

Aalens Trainer Ralph Hasenhüttl spricht nach dem Aufstieg bei SPORT1 über seine erfolgreiche Arbeit und das Abenteuer 2. Liga.

Von Reinhard Franke

München - Sein Sohn Patrick hatte schon nicht mehr daran geglaubt.

Der VfR Aalen spielte am 32. Spieltag beim Chemnitzer FC und verlor 0:2. Trainer Ralph Hasenhüttl erinnert sich: "Nach diesem Spiel hat mein Sohn zu mir gesagt: Papa, du bist ein guter Trainer, aber du wirst nie aufsteigen."

Umso glücklicher war Hasenhüttl, dass ihm der Aufstieg mit Aalen am Ende doch geglückt ist. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Der Sohn war mächtig stolz auf den Papa und für Hasenhüttl war es "schön, dass ich ihn eines Besseren belehren konnte."

Der Aufstieg gleicht einem kleinen Wunder. Es ist der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte des VfR. Als Hasenhüttl im Januar 2011 seine Zelte auf der Ostalb aufschlug, stand der Klub vor dem Abstieg in die Regionalliga.

Im SPORT1-Interview spricht Hasenhüttl über seine Arbeit, das Abenteuer 2. Liga und die Zusammenarbeit mit Markus Schupp.

SPORT1: Glückwunsch zum Aufstieg, Herr Hasenhüttl. Wie hat sich die erste Bierdusche in Ihrer Karriere angefühlt?

Ralph Hasenhüttl: Als Trainer vielleicht, aber als Spieler hatte ich ja in Österreich schon einige Titel zu feiern, das war auch sehr schön. Aber als Trainer ist das natürlich noch viel intensiver. Da bist du nicht du selbst. (lacht)

SPORT1: Können Sie Ihre Gefühle nach diesem Märchen beschreiben?

Hasenhüttl: Es war eine unglaubliche Saison, die sich auch dementsprechend anfühlt. Wir konnten uns letztes Jahr erst am vorletzten Spieltag retten und somit sind wir vorsichtig in die Saison gestartet. Was danach passiert ist, ist einzigartig. Es gibt keine Mannschaft in Deutschland, die sich so gesteigert hat im Lauf der Saison.

SPORT1: Aber was haben Sie mit der Mannschaft gemacht, nachdem der VfR im letzten Jahr fast abgestiegen wäre?

Hasenhüttl: Ich musste im Sommer fast alleinverantwortlich eine neue Mannschaft zusammenstellen. Ich bin herumgefahren und habe versucht, gute Jungs zu bekommen. Es ist nicht so einfach, die Spieler auf die Ostalb zu holen. Ich hatte damals noch keinen Sportdirektor und habe das das erste Mal in meinem Leben gemacht. Also nur mit meinem Co-Trainer (Michael Schiele, Anm. d. Red.) und unserem Geschäftsführer (Guido Walter, Anm. d. Red.). Dass wir so ein glückliches Händchen hatten, hätten wir uns selber nie erträumen lassen. Fast alle Spieler, die wir geholt haben, sind Stammspieler geworden und haben uns unglaublich weiter gebracht. Die Krönung Aufstieg ist natürlich wunderbar.

SPORT1: Ist Aalen schon vorbereitet für die 2. Liga?

Hasenhüttl: So weit bin ich noch nicht. Wir wollen den Aufstieg erst einmal genießen. Ich bin dabei die alte Saison aufzuarbeiten. Wir haben nicht ganz so viel verkehrt gemacht. Wir werden einiges zu tun haben. Die 2. Liga ist auch für mich selber eine ganz neue Herausforderung. Ich kannte die 3. Liga aus dem Effeff, weil ich dort vier Jahre gearbeitet habe. Zweieinhalb Jahre mit Unterhaching und anderthalb jetzt in Aalen. Ich kannte alle Spieler und alle Trainer und jetzt komme ich in eine neue Liga. Wir werden viel zu tun haben und die Mannschaft und wir Trainer werden die Herausforderung annehmen und freuen uns riesig darauf.

SPORT1: Die Zweite Liga wird ein großes Abenteuer für Sie, oder?

Hasenhüttl: Klar, aber wir haben das Arbeiten in der 3. Liga sehr genossen. Es ist ein gutes Betätigungsfeld für einen neuen Trainer. Ich habe sehr viel gelernt und ich bin jetzt weiter als damals in Unterhaching. Man sammelt Erfahrungen und es ist schön, dass ich zum zweiten Mal eine Mannschaft nach oben führen konnte. Damals mit Haching hatte ich 67 Punkte, jetzt 64.

SPORT1: Haben Sie also bei Ihrem Wechsel von Haching zu Aalen alles richtig gemacht?

Hasenhüttl: Ich hatte zwei wunderschöne Jahre in Haching mit damals 20 Siege in der ersten Drittliga-Saison - das waren mehr als jetzt in Aalen. Ich wurde damals auf Platz neun stehend gegangen. Dies ist für mich aber aus heutiger Sicht nicht schlimm, es war für mich eine unglaublich schöne und lehrreiche Zeit. Ich habe damals sicherlich nicht alles richtig gemacht. Jetzt in Aalen bin ich ein Stück weiter als Trainer. Der VfR hat 14 Jahre versucht aufzusteigen und das ist der größte Erfolg in der 91-jährigen Vereinsgeschichte. Es freut mich ungemein. Ich kann meine Philosophie in Aalen sehr gut umsetzen.

SPORT1: Markus Schupp wurde während der Saison Sportdirektor. Die 3. Liga war für ihn Neuland. Wie hat die Zusammenarbeit geklappt?

Hasenhüttl: Wir haben uns gut ergänzt und einen guten Konsens gefunden. Die Vertragsverlängerung mit mir bis 2014 war ein wichtiges Signal. Die Zusammenarbeit hat sofort gefruchtet. Ich hoffe, dass wir das im Sommer noch besser machen.

SPORT1: Wie wird die Truppe verstärkt werden?

Hasenhüttl: Der Kader war so klein, dass ich zum Schluss keinen auf die Tribüne setzen konnte. Wir müssen gar nicht viele Spieler abgeben, werden fünf, sechs neue Leute dazu holen und das Budget dafür haben wir. Entweder wir holen die besten Drittligaspieler oder Zweitligaspieler, die wir mit unseren Möglichkeiten bekommen können. Wir wollen den nächsten Schritt gehen: Die Zielsetzung lautet Klassenerhalt, damit das Wunder nicht nach einem Jahr wieder zu Ende ist. Die Jungs fahren jetzt erst mal nach Mallorca feiern - ohne Trainer. (lacht)

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