Robin Dutt hat die deutsche Nationalmannschaft angesichts der harschen Kritik nach dem EM-Halbfinalaus verteidigt. Gleichzeitig lobte der DFB-Sportdirektor den Welt- und Europameister Spanien.

"Letztendlich musst du sagen: Selbst wenn die Mannschaft absolut an ihre Grenzen geht, müssen die Spanier momentan einen schwachen Tag haben, dass du sie schlägst", sagte Dutt im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1.

"Dass du gegen eine andere Mannschaft im Halbfinale verlieren kannst, ist kein Thema auf diesem Niveau", so Dutt: "Aber du siehst eben: Italien verliert wieder deutlich gegen Spanien. Wenn man in die U-Mannschaften der Spanier sieht, dann hört das nicht auf. Sie sind in der Entwicklung einfach nochmal eine Stufe weiter", erklärte der ehemalige Leverkusener Trainer.

Die aktuelle Generation habe laut Dutt "langsam einen Titel verdient".

Den Auftritt der DFB-Elf gegen die Färöer Inseln bewertete er als "insgesamt positiv".

"Ich denke, wir sind uns einig, dass wir bei einer besseren Chancenverwertung höher hätten gewinnen können, wenn nicht sogar müssen", sagte der Sportdirektor über das Auftaktspiel in der WM-Qualifikation, das Deutschland mit 3:0 gewonnen hatte.

Um in Zukunft bei großen Turnieren erfolgreicher abzuschneiden, sieht Dutt den entscheidenden Schritt darin, "nicht nur das Pressing zu verbessern und noch mehr Ballbesitz zu haben, sondern die Qualität des Ballbesitzes im Umschalten zur Effektivität im Torabschluss hinzubekommen." Deswegen dürfe man sich nicht zu sehr auf das Pressing versteifen.

Der 47-Jährige äußerte sich auch zum Fall Kevin Pezzoni.

"Grundsätzlich glaube ich, wir dürfen niemanden mit dieser Thematik allein lassen. Da ist der DFB, die DFL, der Verein, die Politik und letztendlich auch die große Anzahl der friedlichen Fans gefordert, entgegenzuwirken", so Dutt:

"Beim DFB gab es ja in Berlin bereits die Unterschrift unter einen Ehrenkodex der Ersten, Zweiten und Dritten Liga aller Beteiligten, wie wir da in Zukunft miteinander umgehen wollen. Wir dürfen in der Thematik Gewalt nicht auf einen zeigen."

Als Sportdirektor möchte Dutt beim DFB "eine einheitliche Spielauffassung, eine Spielidee, die sich nicht nur in der Nationalmannschaft durchzieht, sondern auch in den U-Teams, der Trainerausbildung und den Stützpunkten."

"Das ist ein Feld, in das wir uns noch richtig hineinknien können, [?] sodass wir irgendwann auch eine Qualität im individuellen technisch-taktischen Bereich haben. Dann muss sich Joachim Löw nicht für Dinge verantworten, die er überhaupt nicht beeinflussen konnte. Die können wir vorbeeinflussen."

In seiner Arbeit sieht Dutt einen gegenseitigen Austausch als wichtige Grundlage.

"Ich glaube, es ist falsch, wenn man immer nur seine eigene Meinung durchbringt. Man muss immer einen Austausch zulassen. Wir haben so viel Qualität innerhalb des DFB. Meine Meinung werde ich auch einmal unbequem vertreten, aber das heißt nicht, dass ich eine andere nicht akzeptiere", erklärte er.

Zudem äußerte sich Dutt zur Situation von Bastian Schweinsteiger:

"Die körperliche Fitness vorausgesetzt, hat Bastian Schweinsteiger letztes Jahr auf einem höheren Niveau gespielt als Martínez. Ich glaube nicht, dass Schweinsteiger sich hinter Martínez verstecken muss, sondern dass das ein sehr gutes Team werden kann."

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