Für Bundestrainer Joachim Löw ist der erhoffte Titelgewinn der Nationalmannschaft bei der anstehenden EM in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) nicht der einzige Maßstab für eine erfolgreiche Endrunde.

"Wir werden alles tun, den Titel zu holen. Aber allein daran ein Team zu messen, halte ich für unangemessen", sagte Löw dem "kicker".

Vor dem ersten EM-Spiel am 9. Juni in Lwiw gegen Portugal versucht der Bundestrainer, den Erfolgsdruck von den Spielern zu nehmen. "Ich finde es erschreckend, wenn es heißt, sie müssen das. Wenn man von müssen redet, gewinnt man gar nichts", äußerte der 52-Jährige: "Vielleicht haben sie erst in zwei oder vier Jahren ihren absoluten Zenit erreicht. 2012 ist nicht das Alles-oder-nichts-Jahr im deutschen Fußball."

Gleichzeitig hat Löw den Titelgewinn innerhalb der Mannschaft zum Tabu-Thema erklärt. Dass die Profis selbst immer wieder vom EM-Triumph gesprochen haben, war dem Trainer ein Dorn im Auge. "Diese Äußerungen sind ab sofort nicht mehr zu hören, weil ich es nicht für richtig halte, von Gegnern, die es vielleicht gar nicht gibt, zu sprechen", sagte Löw: "Jetzt vom Halbfinale oder Finale zu sprechen, ist tödlich bei einem Turnier."

Der Coach heizte zudem den Konkurrenzkampf an. "Ich will bei allen sehen, dass sie kämpfen und wissen, dass die Plätze nicht für das ganze Turnier vergeben sind", äußerte Löw, der nach eigenen Angaben noch keine Entscheidung über die Stammplätze im Sturm und im Mittelfeld getroffen hat: "Ich will den Konkurrenzkampf bis zum Schluss sehen."

Trotz der zahlreichen Probleme in der Vorbereitung, den Fragezeichen hinter der Abwehrleistung sowie den zuletzt angeschlagenen Spielern Miroslav Klose, Per Mertesacker und Bastian Schweinsteiger hat Löw keine Angst vor einem vorzeitigen Scheitern: "Gedanken an ein Misslingen habe ich definitiv nicht."

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