DFB-Kapitän Philipp Lahm hat rund einen Monat vor dem Start der EM-Endrunde in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) das ukrainische Regime für den Umgang mit der inhaftierten Oppositionsführerin Julia Timoschenko kritisiert.

"Meine Ansichten zu demokratischen Grundrechten, zu Menschenrechten, zu Fragen wie persönlicher Freiheit oder Pressefreiheit finde ich in der derzeitigen politischen Situation in der Ukraine nicht wieder. Wenn ich sehe, wie das Regime Julia Timoschenko behandelt, dann hat das nichts mit meinen Vorstellungen von Demokratie zu tun", sagte der Spielführer von Bayern München dem Nachrichten-Magazin "Der Spiegel".

Von der Europäischen Fußball-Union UEFA und deren Präsidenten Michel Platini erwartet der 28-Jährige eine deutliche Stellungnahme zur Frage der Menschenrechte in der Ukraine:

"Ich glaube, dass er Position beziehen sollte. Und ich bin gespannt, was er zu sagen hat." Lahm glaubt, dass die innenpolitischen Zustände in der Ukraine die EM überschatten werden:

"Der Fußball ist zu groß geworden, um davon unbehelligt zu bleiben. Als ich die ersten Berichte über Timoschenkos angegriffene Gesundheit las, ahnte ich, in welche Richtung es geht."

Ob Lahm im Falle einer Finalteilnahme bei der Siegerehrung dem ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch die Hand reichen würde, hält sich der 85-malige Nationalspieler offen:

"Das müsste ich mir dann ernsthaft überlegen. Soviel ich weiß, machen die Siegerehrung in Kiew aber nur UEFA-Leute."

Die deutsche Mannschaft bestreitet ihre drei Vorrundenspiele in der Ukraine. Die DFB-Elf trifft in der Vorrundengruppe B am 9. Juni auf Portugal und am 13. auf die Niederlande.

Beide Spiele finden in Charkow statt, wo sich Timoschenko unweit des Stadions im Gefängnis befindet. Das letzte Gruppenspiel gegen Dänemark findet am 17. Juni in Lwiw statt.

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