Löw zieht nach dem Trainingslager ein positives Fazit und gibt sich bei SPORT1 gelassen. Doch Zweifel an der Fitness bleiben.

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Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Onur Özdamar

St. Martin/München - Joachim Löw war bester Laune. Lächelnd ließ sich der Bundestrainer nach seiner letzten Pressekonferenz in Südtirol zusammen mit SPORT1-Kollege Jochen Stutzky für die Aktion "#wirfuer4" fotografieren.

Löw hielt vier Finger als Zeichen für den vierten WM-Titel hoch. Der Bundestrainer strahlte Zufriedenheit und Zuversicht aus. ( 895607 DIASHOW: Das DFB-Team in Südtirol )

Dabei war das Trainingslager in Südtirol alles andere als eine strahlende Erfolgsgeschichte. Schon bei der Anreise fehlten vier Stars, drei von ihnen verletzungsbedingt.

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Mehr Tiefen als Höhen

In den zehn Tagen in St. Martin sahen die Beobachter Manuel Neuer und Philipp Lahm kein einziges Mal mit dem Ball trainieren.

Bastian Schweinsteiger absolvierte in den ersten Tagen nur Lauftraining, trainierte dann aber immerhin mit dem Rest der Mannschaft.

In den Tagen in Südtirol gab es mehr Tiefen als Höhen. Das WM-Aus für den verletzten Lars Bender war ein erster kleiner Schock, die Fragezeichen hinter Neuer, Lahm und Schweinsteiger sorgten für ständige Unruhe.

Unfall überschattet Trainingslager

Der Autounfall bei einem Sponsorentermin am Dienstag lag wie ein dunkler Schatten über dem Trainingscamp.

Löw drückte den Verletzten und ihren Angehörigen am Freitag sein Mitgefühl aus und erklärte, die Mannschaft sei vom Unglück "sehr betroffen" gewesen."

Zwar war es keine DFB-Aktion, aber der Vorfall war für das Image des Verbands sicher nicht förderlich. Gleiches für Löws Führerscheinentzug und die "Pinkel-Affäre" um Kevin Großkreutz.

"Ägert mich auch ein wenig und ich ich weiß, dass es ein Fehler war", sagte Löw, betonte aber auch. "Das ist nur Beiwerk und spielt hier keine Rolle."

Kritik an der Abschottung der Spieler

Die Vorfälle zeigen jedoch deutlich, dass nicht alles planbar ist. Auch nicht in der um totale Kontrolle bemühten Hochglanzwelt des DFB.

Von der Unfallstelle hoch über dem Ort St. Martin hat man einen guten Blick auf den Trainingsplatz, weshalb viele Fans von dort aus versuchten, einen Blick auf die DFB-Stars zu erhaschen.

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Viel bekamen sie nicht zu sehen von Löws Spielern, die zu jedem Training wie Popstars oder Politiker in abgedunkelten schwarzen Vans chauffiert wurden und abgeschottet in einem Nobelhotel wohnten.

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Nur zweimal Fans zugelassen

Nur zweimal waren Zuschauer zugelassen: Beim ersten Spiel gegen die eigens für diese Tests mitgereiste U-20-Auswahl durften die Fans die ersten 40 von 80 Minuten sehen - die acht Tore fielen jedoch erst, als Fans und Journalisten bereits nicht mehr da waren.

Am letzten Trainingstag waren wieder Zuschauer zugelassen. Viel sahen sie nicht, sie sahen aber, wie Neuer auf dem Platz Läufe und Gymnastik machte und wie Lahm das Training abbrach.

Lahm und Neuer nicht mit der Mannschaft gereist

Löw gab am Freitag jedoch sofort Entwarnung für Lahm und kündigte sogar schon Neuers Comeback für das Benefizspiel gegen Armenien am Freitag an.

Am Samstagvormittag flogen Lahm und Neuer nicht mit nach Düsseldorf, sondern reisten zur Behandlung nach München.

Schweinsteiger saß mit dem Rest der Mannschaft im Flieger, der um 10.55 Uhr in Bozen abhob. Um 17 Uhr trainiert das DFB-Team im Düsseldorfer Paul-Janes-Stadion, am Sonntag steigt in Mönchengladbach das Testspiel gegen Kamerun.

Letztes Vorspielen am Sonntag

Für Löw bietet die Partie die Gelegenheit, "wichtige Erkenntnisse zu gewinnen", für einzelne Spieler ist es "die Chance, auf sich aufmerksam zu machen", erklärte Löw.

Er habe "einige Planspiele im Kopf", wolle aber das Abschlusstraining abwarten, ergänzte der Bundestrainer.

Eins ist sicher: Roman Weidenfeller wird im Tor stehen. Und auch der Dortmunder Erik Durm und Christoph Kramer werden in der Startelf erwartet.

Große Chance für Kramer und Durm

Der Gladbacher Kramer war die große Überraschung in Löws vorläufigem Kader.

Nach Benders Ausfall und starken Leistungen im Trainingslager hat der 23-Jährige sehr gute Chancen, auch im endgültigen Aufgebot zu stehen.

Zum Kreis der möglichen Streichkandidaten gehört auch Durm. Aber da Marcel Schmelzer lange verletzt war und zuletzt nicht mit dem Team trainierte, könnte Durm den Sprung nach Brasilien schaffen.

Draxler muss um WM bangen

Shkodran Mustafi und Matthias Ginter sind Wackelkandidaten, Benedikt Höwedes und Kevin Großkreutz müssen zittern.

Julian Draxler könnte dasselbe Schicksal erleiden wie vor zwei Jahren, als er nach dem EM-Trainingslager aus dem Kader gestrichen wurde.

Draxler gehört womöglich zu den Verlierern der Zeit in Südtirol, und das nicht, weil er beim Autounfall einer der beiden Beifahrer war.

Außendarstellung hat gelitten

Gelitten hat auch die Außendarstellung des DFB.

Auch wegen der rigorosen Abschottung. Diese kritisierten nicht nur Fans, sondern auch Einheimische in Südtirol und Journalisten.

Bis auf den Abschlusstag waren die Übungseinheiten nur in den ersten 20 Minuten für die Medien.

Vor zwei Jahren in Südfrankreich hatte man noch alle Trainingseinheiten komplett verfolgen dürfen.

Löw betont: "Stimmung besser als 2012"

Die Stimmung innerhalb der Mannschaft sei "hervorragend", der "Teamgeist nicht zu vergleichen mit 2012", betonte Löw.

Vor zwei Jahren kamen die Bayern-Spieler nach Niederlagen im DFB-Pokalfinale gegen Dortmund sowie in der Champions League gegen Chelsea enttäuscht ins Trainingslager nach.

Dieses Mal reisten sie zwar als Double-Gewinner an, doch die Sorgen um Neuer, Lahm und Schweinsteiger bleiben.

Nach außen hin macht Löw gute Miene, doch das Trainingslager verlief insgesamt holprig.

Die verletzten Stars müssen bis zum WM-Auftakt am 16. Juni gegen Portugal fit werden, die Mannschaft muss sich einspielen.

Erst wenn das gelingt, geht auch bei Joachim Löw der Daumen nach oben.

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