Trotz zahlreicher angeschlagener Leistungsträger und eines holprigen Trainingslagers verbreitet der Bunndestrainer Optimismus.

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Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Onur Özdamar

St. Martin - Zehn Tage Trainingslager liegen hinter der deutschen Nationalmannschaft, in 17 Tagen bestreitet sie ihr WM-Auftaktpiel gegen Portugal.

Die Vorbereitung lief alles andere als reibungslos. Verletzte, negative Schlagzeilen und der Unfall bei einem Sponsoren-Termin überschatten die eineinhalb Wochen. ( 895607 DIASHOW: Das DFB-Team in Südtirol )

Trotz allem versuchte sich Bundestrainer Joachim Löw am Freitagmittag bei seiner Bilanz als Stimmungsaufheller.

Neuer wohl gegen Armenien im Tor

Vor allem bei Torhüter Manuel Neuer versuchte Löw, alle Sorgen zu zerstreuen. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

"Wir gehen davon aus, dass er am Freitag gegen Armenien im Tor stehen wird", sagte der Bundestrainer, der auch den Trainingsabbruch von Philipp Lahm relativierte: "Es war eine Vorsichtsmaßnahme, Philipp hatte eine ganz leichte Überbelastung, es ist kein Problem."

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Dank an die Gastgeber

Für die Zeit im Passeiertal bedankte sich Löw. "Wir haben uns alle wahnsinnig wohlgefühlt. Wir kamen als Gäste und gingen als Freunde", sagte er.

Rosmarie Pamer, die Bürgermeisterin von St. Martin, zog ein positives Fazit. "Man wird in einigen Jahren noch davon sprechen. Die Tourismusbranche wächst, es werden neue Arbeitsplätze geschaffen. Der Werbeeffekt ist groß", sagte sie zu SPORT1.

Bei all diesem Schönwettermachen dürfen die Fragezeichen, die nach dem Trainingslager bleiben aber nicht kleingeredet werden.

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SPORT1 fasst die wichtigsten Erkenntnisse des Trainingslagers zusammen:

Die Verletztensituation:

Als das DFB-Team am 21. Mai in Südtirol eintraf, fehlten neben Champions-League-Sieger Sami Khedira die verletzten Münchner Stars Neuer, Lahm und Bastian Schweinsteiger. Lars Bender verletzte sich und musste die Heimreise antreten.

Neuer, Lahm und Schweinsteiger hätten "klare Fortschritte" gezeigt, erklärte Löw. "Schweinsteiger ist auf jeden Fall einsatzfähig. Wir werden versuchen, ihn an Zweikämpfe heranzuführen", kündigte er an.

Neuer habe sehr viele Übungen gemacht, und "wir können davon ausgehen, dass seine Verletzung bis nächste Woche ausgeheilt ist", sagte der Bundestrainer.

Von Marcel Schmelzer, der zuletzt nur Lauftraining absolviert hat, glaubt der Bundestrainer, "dass er am Sonntag einsatzfähig sein wird".

Khedira soll sich bis zur WM die fehlenden Prozente erarbeiten. Löw glaubt, "dass er am Anfang des Turniers bereit sein wird."

Alles in allem also leichte Entwarnung. Inwieweit die Leistungsträger bis Turnierstart auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit sein werden, wird sich aber zeigen müssen.

Stimmung in der Mannschaft:

Trotz der anfänglichen Widrigkeiten und des Zwischenfalls vom Dienstag wird die Stimmung innerhalb des Teams allenthalben gelobt. "Der Teamgeist ist hervorragend und nicht zu vergleichen mit 2012", sagte Löw:

"Die Spieler sind zu einer Einheit zusammengewachsen, und aus Vereinsinteressen sind nationale geworden."

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Die Testspiele gegen die deutsche U 20:

Die Nachwuchskicker haben ihre Aufgabe als Sparringspartner zur Zufriedenheit erfüllt.

"Die Simulation hat hervorragend geklappt, und wir werden das wiederholen", lobte Löw. Trainer Frank Wormuth und sein Team "haben das klasse umgesetzt, es war sehr hilfreich."

Die Ergebnisse waren standesgemäß: Einmal siegte die A-Elf mit 7:1, einmal mit 8:0.

Das Spiel gegen Kamerun am Sonntag:

Roman Weidenfeller wird in Mönchengladbach im Tor stehen, verriet Löw. Das Spiel sei für viele Spieler die Chance, auf sich aufmerksam zu machen.

Für den Bundestrainer bietet die Partie gegen den WM-Teilnehmer zudem die Gelegenheit, für das WM-Spiel gegen Ghana wichtige Erkenntnisse zu gewinnen.

Nicht spielen werden: Lahm ("kein Risiko eingehen") und Neuer, der aber gegen Armenien auflaufen soll. So hofft Löw zumindest.

Er habe einige Planspiele im Kopf und wolle versuchen, "das Wechselkontingent möglicherweise auszuschöpfen". Sechs Wechsel stehen ihm gegen Kamerun zur Verfügung.

Die Nominierung des WM-Kaders:

Nach dem Kamerun-Spiel muss Löw noch drei seiner 26 Spieler streichen.

Als Streichkandidaten gelten die Abwehrspieler Shkodran Mustafi, Matthias Ginter und Erik Durm, bei Schmelzer hängt es wohl vor allem von seiner Fitness ab.

Aber auch Kevin Großkreutz, Benedikt Höwedes und dessen Schalker Vereinskollege Julian Draxler müssen zittern.

"Alle haben sich voll reingehängt", meinte Löw, der seine Entscheidung "am Sonntag nach dem Spiel oder am Montag" fällen wird. Verkünden muss er sie spätestens am Montag.

Der Plan bis zur Abreise nach Brasilien:

Alle Spieler bekommen einen Plan mit. Schweinsteiger, Lahm und Neuer werden an den freien Tagen zwischen den beiden Testspielen in München trainieren. Neuer wird mit Torwarttrainer Andreas Köpke spezifische Übungen machen.

Khedira wird alleine trainieren, "auch am Dienstag und Mittwoch", kündigte Löw an.

Es bleibt noch viel Arbeit bis zur Abreise nach Brasilien.

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