Philipp Lahm, Joachim Löw und Fitnesstrainer Darcy Norman (v.l.n.r.) ZUM DURCHKLICKEN: Bilder des Trainingslagers © getty

Manuel Neuer und Philipp Lahm trainieren wieder. Die Rückkehr der Leistungsträger hilft, den Unfall-Schock zu verdauen.

St. Martin - So ganz verdaut war der Schock am Donnerstag noch nicht, doch die guten Nachrichten vom Trainingsplatz der deutschen Nationalmannschaft waren Balsam für die Seele.

Manuel Neuer läuft wieder, Philipp Lahm trainiert schon mit dem Ball, auch Bastian Schweinsteiger macht weiter Fortschritte. Selbst Sami Khediras Zusammenprall mit U-20-Nationalspieler Malcolm Cacutalua (News) war letztlich nicht mehr als eine kurze Schrecksekunde ( 895607 DIASHOW: Das DFB-Team in Südtirol ).

Auf der Zielgeraden des WM-Trainingslagers in Südtirol, das durch die "Pinkel-Affäre" von Kevin Großkreutz, den Führerschein-Entzug für Bundestrainer Joachim Löw und den schlimmen Unfall bei einem Sponsoren-Dreh fast täglich überschattet worden ist, werden zumindest Löws sportliche Sorgen immer kleiner. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

"Philipp und Manu geben der Mannschaft Balance", betonte Jerome Boateng, auch bei Bayern München Kollege des Kapitäns und des Stammtorhüters.

Draxler und Höwedes voll im Training

Auch Julian Draxler und Benedikt Höwedes standen bei jeder Einheit auf dem Trainingsplatz und versuchten die bestmögliche Rückkehr in die Normalität.

Als Augenzeugen hatten die Schalker mitansehen müssen, wie DTM-Pilot Pascal Wehrlein zwei Männer anfuhr, wobei ein 63 Jahre alter deutscher Urlauber schwere Verletzungen erlitt.

Höwedes und Draxler arbeiteten das schlimme Erlebnis noch am selben Abend mit DFB-Psychologe Hans-Dieter Hermann auf - ebenso wie der im Auto davor fahrende Formel-1-Pilot Nico Rosberg und der 19 Jahre alte Wehrlein, der am Wochenende wieder in der DTM starten will.

Schock für alle

Die Gespräche hätten ihm sehr geholfen, berichtete Höwedes, der bei der Erstversorgung am Unfallort geholfen hatte, zu "dfb.de".

Er glaube aber, "dass die Bilder noch eine Zeit lang in meinem Kopf bleiben werden."

Körperlich gehe es ihm dagegen gut: "Wir waren angeschnallt."

Auch Kevin Volland (21), der drittjüngste im Kader sprach von einem Schock, "aber wir hatten Zeit, uns darüber zu unterhalten."

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Kramer: Trainingslager unter keinem bösen Stern

Teammanager Oliver Bierhoff, der mit Rosberg und Wehrlein die Opfer besuchte, versicherte, "dass die schlimmen Ereignisse keinerlei Konsequenzen für den weiteren Verlauf der Vorbereitung" hätten.

"Dieser Unfall war ein Schock, aber wir sind nicht der Meinung dass das Trainingslager unter einem bösen Stern steht", sagte Mittelfeldspieler Christoph Kramer.

Beim DFB läuft die interne Aufarbeitung des Geschehens weiterhin, öffentlich darf und will sich der Verband nicht mehr zu dem Unfall äußern.

"Wir sind nicht abgetaucht, nicht sprachlos, auch nicht tatenlos. Wir respektieren nur die Arbeit der Behörden und der Ärzte", betonte Nationalmannschaftssprecher Jens Grittner.

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Behörden ermitteln

Damit der genaue Unfallhergang aufgeklärt werden kann, haben der DFB und sein Generalsponsor Mercedes Benz alle ihnen zur Verfügung stehenden Informationen an die zuständigen Behörden weitergegeben.

Damit sieht der Verband sich "nicht mehr als Herr des Verfahrens".

Dies sind nun die Ermittlungsbehörden, die bisher aber auch noch kein Licht ins Dunkel bringen konnten. Polizeihauptkomissar Johann Ramoser verwies auf einer offiziellen Pressekonferenz bei nahezu allen Nachfragen eisern auf laufende Ermittlungen.

Polizei: Die Strecke war sicher

Seltsamerweise legte er sich aber darauf fest, dass die Strecke sicher war, das könne er garantieren.

"Diese Ermittlungen sind ebenfalls noch nicht abgeschlossen, aber ich habe mich von der Sicherheit der Absperrung persönlich überzeugt", sagte Ramoser.

Auf einem Video des Unfalls, das die "Bild"-Zeitung veröffentlichte, waren allerdings keine Absperrungen zu erkennen.

Gerüchte, dass es auf der rund sechs Kilometer langen Strecke nur vier Streckenposten gegeben habe, bestritt Ramoser.

Einer der Sicherheitskräfte war ebenfalls verletzt worden, er gab in einem Interview mit der "Hamburger Morgenpost" den Passanten die Hauptschuld an dem Unglück.

Die Staatsanwaltschaft in Bozen äußerte sich auf Nachfrage bisher nicht.

Aktivitäten auf dem Prüfstand

Derweil stehen beim DFB Sponsoren-Aktivitäten wie der Sponsorentermin am Dienstag auf dem Prüfstand. Man wolle diese künftig "noch genauer bewerten", stellte Bierhoff klar.

Ob es Konsequenzen aus dem Unglück gibt, ist bisher aber noch nicht klar. "Die Lust auf eine solche Aktion ist momentan nicht vorhanden", gab der Teammanager zu: "Für zukünftige Aktivitäten kommt so ein Unfall natürlich in die Bewertung. Man überlegt, wie es weitergeht."

Der 46-Jährige betonte aber auch, dass sich "meine Meinung, Aktivitäten auch außerhalb des Platzes anzubieten, nicht geändert hat. Es wäre verkehrt, sich einzuigeln und nur auf eine Sache zu konzentrieren. Wir werden auch weiterhin Teamaktivitäten anbieten, bei denen es ein kleines Restrisiko gibt".

Bierhoff: Restrisiko bleibt immer

Schwer sei es, dieses abzuschätzen. "Wir haben eine Radtour durchgeführt, da kann man sich auch fragen, ob man die machen kann", erklärte der Europameister von 1996: "2010 ist Thomas Müller bei einer Radtour gestürzt. Man hat im Leben immer ein Restrisiko. Das müssen wir aber so klein wie möglich halten."

Im Südtiroler Trainingslager sind keine weiteren Aktivitäten geplant. Bei der WM in Brasilien ist eine Aktion mit dem Weltumsegler Mike Horn vorgesehen.

Laut Bierhoff werde man dabei "größte Sorgfalt walten lassen, damit es kein Risiko gibt".

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