Jerome Boateng, Per Mertesacker und Mats Hummels (v.l.n.r.) kämpfen um einen Stammplatz in der Innenverteidigung © getty

Hummels will kein Sündenbock sein, Mertesacker fühlt sich beflügelt, und Boateng ist auch eine Option als Rechtsverteidiger.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky,Onur Özdamar und Holger Luhmann

St. Martin/Passeiertal - Jerome Boateng, Mats Hummels und Per Mertesacker müssen sich im ersten WM-Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft in Südtirol derzeit ein bisschen vorkommen wie auf einer Casting-Couch.

Bundestrainer Joachim Löw steht vor der Aufgabe in der Innenverteidigung: Aus drei mach zwei.

Für die Abwehr gilt aber noch eine andere Devise: Sie muss beim Ernstfall in Brasilien weitaus besser funktionieren als zum Beispiel in den beiden Qualifikationsspielen gegen Schweden, in denen es gleich acht Gegentreffer hagelte.

Gegentore kein reines Abwehrproblem

Für Hummels sind die vielen Gegentore aber kein reines Problem der Abwehr.

"Das Defensivverhalten der ganzen Mannschaft ist noch nicht so, wie es sein muss. Man muss sehen, warum die Verteidigung in der Nationalmannschaft vielleicht anfälliger ist, als in den Vereinen", sagte der Dortmunder zuletzt beim DFB-Medientag im Passeiertal und fügte hinzu: "Das muss man auch mal hinterfragen und nicht nur denken, dass es vielleicht an der Individualität der Spieler liegt."

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Die Aussagen von Hummels, der als kritischer Geist gilt, können durchaus als Spitze an die eigenen Mannschaftskollegen verstanden werden. Womöglich sogar als indirekte Schelte an das eher offensiv ausgerichtete System von Löw.

Klar ist auf jeden Fall: Hummels mag mit der Innenverteidigung nicht als Sündenbock herhalten.

Hummels hat "keine Lust auf Kampfansage"

Hummels und Löw sind ja nicht die dicksten Freunde.

In Erinnerung sind noch die atmosphärischen Störungen, als Hummels dem Bundestrainer einen überkritischen Umgang mit den BVB-Spielern vorgeworfen hatte.

In der Vorbereitung will Hummels allein mit Leistung überzeugen. "Ich habe keine Lust, eine Kampfansage zu formulieren. Anders als mit Leistung kann man die Entscheidung des Trainers nicht beeinflussen", sagte der 25-Jährige: "Ich spiele, was ich spielen kann. In den letzten Monaten ist das gut gelungen."

Nach seiner langwierigen Sprunggelenkverletzung, die sich Hummels beim Länderspiel im November in England zugezogen hatte, zeigte er in der Rückrunde im BVB-Dress wieder starke Leistungen.

Im DFB-Team war Hummels bislang aber nicht immer der überzeugende Rückhalt. In Erinnerung ist unter anderem sein ungeschicktes Zweikampfverhalten im EM-Halbfinale gegen Italien vor dem 0:1 durch Mario Balotelli.

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"BFG" mit doppeltem Glücksgefühl

Mit großem Selbstvertrauen zum DFB-Team gestoßen ist Per Mertesacker ( 895607 DIASHOW: Das DFB-Team in Südtirol ).

Der Pokalsieg mit dem FC Arsenal und die Geburt seines Sohnes - "mit diesem doppelten Glücksgefühl möchte ich jetzt nochmal einen draufsetzen hier", sagte "BFG" (Big Fucking German), wie er in England scherzhaft genannt wird.

Der Pokalsieg mit Arsenal habe ihm "noch mal eine dritte Luft in dieser langen Saison" gegeben, er fühle sich "sehr, sehr positiv", erklärte er SPORT1.

Boateng: "In der Mitte am wohlsten"

Dritter Kandidat für die Abwehrzentrale ist Jerome Boateng.

"In der Mitte fühle ich mich am wohlsten", betonte der 25-Jährige bei der Pressekonferenz am Donnerstag einmal mehr.

Boateng ist aber auch eine Option für die rechte Abwehrseite, sollte Kapitän Philipp Lahm im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden.

"Ich glaube, der Trainer sieht meinen Platz schon in der Innenverteidigung", erklärte Boateng. Falls nicht, spiele er "dort, wo der Trainer mich aufstellt".

Als Rechtsverteidiger überzeugte Boateng zuletzt im Pokalfinale gegen Dortmund ebenso wie bei der EM vor zwei Jahren in Polen, als er unter anderem gegen Portugal Cristiano Ronaldo gut im Griff hatte. Und zum Auftakt in Brasilien geht es ja wieder gegen den Weltfußballer und seine Portugiesen (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Boateng lobt "Libero" Neuer

Uneins sind sich Boateng und Mertesacker übrigens über die Bedeutung des weiterhin verletzten Torhüters Manuel Neuer.

"Manuel ist sehr wichtig für uns", stellte Boateng klar - auch weil Neuer die Abwehr als "Libero" unterstütze.

Mertesacker hätte indes auch keine Probleme mit Roman Weidenfeller als Keeper. "Wenn ich mich richtig erinnere, hat es mit Roman bei seinem ersten Länderspiel gegen England super geklappt."

Mit welchem Torhüter und in welcher Formation auch immer: Um in Brasilien den Traum vom Titel Wahrheit werden zu lassen, muss die Abwehr wieder zu einem Bollwerk werden.

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