Nach dem Autounfall suchen Julian Draxler und Benedikt Höwedes Hilfe beim DFB-Psychologen - und zittern zudem um ihren WM-Platz.

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Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzkyund Onur Özdamar

St. Martin/Passeiertal - Benedikt Höwedes und Julian Draxler machten am Mittwochmittag einen völlig normalen Eindruck.

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Auf dem Platz in St. Martin trainierten die beiden Schalker mit dem Rest der Mannschaft, lächelten, wirkten entspannt.

Wie es in ihnen aussah, ließ sich nur erahnen. ( 895607 DIASHOW: Das DFB-Team in Südtirol )

Nur etwa hundert Meter oberhalb des Platzes hatten Höwedes und Draxler einen Tag zuvor den tragischen Unfall während einer Sponsoren-Aktion hautnah miterlebt - Höwedes hatte bei der Erstversorgung der Verletzten geholfen.

"Ich habe nichts getan, was nicht jeder andere auch gemacht hätte. In einer solchen Situation Hilfe zu leisten, ist selbstverständlich", erklärte Höwedes am Mittwoch auf der DFB-Homepage.

Seelische Nachwirkungen?

Psychologische Nachwirkungen des Unglücks schließt der Verteidiger jedenfalls nicht aus.

"Ich glaube, dass die Bilder noch eine Zeit lang in meinem Kopf bleiben werden. Mir haben Gespräche mit den Trainern, der Mannschaft und den Betreuern geholfen", sagte Höwedes.

"Benedikt und Julian mussten die Situation miterleben", berichtete DFB-Teammanager Oliver Bierhoff.

Bei einer Produktvorstellung des DFB-Generalsponsors waren die Spieler als Co-Piloten von DTM-Nachwuchsfahrer Pascal Wehrlein,, der mit seinem Wagen einen deutschen Urlauber erfasst hatte, und Formel-1-Star Nico Rosberg unterwegs.

DFB-Psychologe hilft

"Beide Fahrer waren wirklich geschockt. Das gilt auch für die Spieler", meinte Bierhoff. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Beide hätten nach dem Unfall mit DFB-Psychologe Dr. Hans-Dieter Hermann gesprochen, berichtete der Teammanager.

"Als sie zurück ins Hotel gekommen sind, sind sie nicht direkt aufs Zimmer, sondern hatten das Bedürfnis zu sprechen." Hermann habe sich daraufhin mit den beiden Spielern und auch den Fahrern zusammengesetzt.

Schon am Dienstagnachmittag, nur wenige Stunden nach dem Unfall, trainierten Höwedes und Draxler wieder mit der Mannschaft.

Höwedes geschockt:

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Training gegen trübe Gedanken

"Es war gut, dass sie in Bewegung waren", betonte Bierhoff. Beide hätten das Bedürfnis gehabt, in der Gruppe zu sein.

Für Höwedes und Draxler dürfte es trotz psychologischer Betreuung nicht leicht sein, die Erinnerungen an den Unfall während der letzten drei Tage im Trainingslager völlig auszublenden.

Zumal beide sich ihrer WM-Teilnahme nicht sicher sein können. Im Gegenteil.

Insgesamt 26 Spieler sind im Trainingslager in Südtirol dabei, drei muss Bundestrainer Joachim Löw bis zur WM noch streichen. Und die beiden Schalker gehören zum Kreis der Wackelkandidaten.

Höwedes war in der zweiten Hälfte der abgelaufenen Bundesliga-Saison lange verletzt, Draxler steckte in einem Formtief.

Höwedes fühlt sich gut

Erst am letzten Spieltag wurde Höwedes nach acht Spielen Pause eingewechselt. Beim 0:0 gegen Polen ließ ihn Löw eine Halbzeit lang spielen.

"Ich bin auf einem guten Weg. Das Vertrauen in den Körper ist wieder da, ich fühle mich richtig gut", sagt der Innenverteidiger.

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Ob der Bundestrainer ihm für die WM vertraut, ist jedoch die Frage. Bei Löw war Höwedes bisher zumeist eine Alternative für die rechte Abwehrseite, auf seiner Lieblingsposition in der Innenverteidigung hat der Schalker aufgrund der starken Konkurrenz keine Chance.

"Ich habe auch linker Verteidiger gespielt und dort meine Sache ganz gut gemacht. Die Vielseitigkeit ist ein Vorteil", glaubt Höwedes. Doch für die linke Seite hat der Bundestrainer neben Marcel Schmelzer auch dessen Dortmunder Vereinskollegen Erik Durm.

Duell mit Großkreutz

Rechts ist Höwedes als Backup für Philipp Lahm keinesfalls gesetzt. Selbst wenn Lahm ins Mittelfeld rücken sollte, hätte Kevin Großkreutz als Mitbewerber wohl bessere Chancen.

Ähnlich groß ist die Konkurrenz für Draxler.

Der 20-Jährige hat im offensiven Mittelfeld gleich mehrere starke Spieler vor sich. Marco Reus, Lukas Podolski und Andre Schürrle auf der linken Seite, und auch an Mesut Özil, Mario Götze oder Thomas Müller kommt er nicht vorbei.

Im vergangenen Sommer war der junge Schalke auf dem Sprung zum internationalen Star, stand bei Spitzenklubs in England und Spanien auf der Liste. Doch es folgte eine Saison mit mehr Tiefen als Höhen.

Das Training am Mittwoch:

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Draxler und die "Talent-Falle"

"Ich dachte, ich muss jedes Spiel alleine gewinnen, ich war gehemmt", gab er sich zuletzt selbstkritisch. Er müsse "einfach aufhören, wie ein Talent zu denken."

Mittlerweile hat sich Draxler klar zu Schalke bekannt, doch nun droht ihm dasselbe Schicksal wie vor zwei Jahren.

Vor der EM 2012 war Draxler als absoluter Youngster ins vorläufige Aufgebot berufen worden. Nach dem Trainingslager in Südfrankreich strich ihn Löw aus dem Kader.

Draxler sei ein Spieler für die Zukunft, hieß es damals. Wenn es schlecht für ihn läuft, fängt diese Zukunft erst nach der WM an.

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