Der schwere Unfall bei einem Sponsorentermin überschattet das Trainingslager der Nationalmannschaft. Die Lage ist angespannt.

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Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Onur Özdamar

St. Martin/Passiertal - Hoch über dem Trainingsplatz in St. Martin standen am Dienstagabend noch immer zwei abgedeckte Fahrzeuge.

Um 18.45 Uhr kam ein Transporter, in den der erste Wagen verladen wurde.

Der Beginn von Aufräumarbeiten nach einem Tag, den alle Beteiligten am liebsten vergessen machen würden:

Die zwei Männer, die bei einer Fahr-Aktion des DFB-Hauptsponsors am frühen Nachmittag angefahren wurden und von denen einer schwer verletzt ins Krankenhaus nach Bozen geflogen wurde - mittlerweile aber offenbar außer Lebensgefahr ist.

Der junge DTM-Fahrer Pascal Wehrlein, der den Unglückswagen gesteuert hatte.

Formel-1-Star Nico Rosberg, der gerade noch einen Unfall verhindern konnte, die Szene aber als Augenzeuge mitbekam.

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Julian Draxler und Benedikt Höwedes, die als Beifahrer machtlos zusehen mussten.

Und die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes, die in der WM-Vorbereitung von einem Problem zum nächsten stolpern.

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Risse im positiven Image

Eigentlich wollte der DFB den Nationalspielern mit der Autofahrt eine Abwechslung vom Training bieten und schicke Fotos und Filmchen mit den Starkickern in schnittigen Sportwagen zeigen.

Doch das, was die Kameras am Dienstagnachmittag einfingen und die Medien nach Deutschland und in die Welt hinaus schickten, waren keine schönen Bilder und Nachrichten.

Da konnten auch das rot-weiße Absperrband an den Leitplanken und die Planen über den Autos nichts kaschieren.

Über dem Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft im Passeiertal liegt nach den traurigen Ereignissen vom Dienstag ein dunkler Schatten.

Rosberg zeigt sich geschockt:

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In Gedanken bei den Verletzten

"Im Moment sind unsere Gedanken bei den Verletzten. Der DFB wird eng mit allen zuständigen Stellen und Behörden zusammenarbeiten", teilte Pressesprecher Jens Grittner mit.

Am Mittwoch um 12 Uhr wird der Deutsche Fußball-Bund in einer Pressekonferenz über weitere Details informieren.

Statement von Mercedes:

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Löw sorgt für Schlagzeilen

Doch nicht nur der Unfall sorgte für negative Schlagzeilen. Am Dienstagmittag musste DFB-Teammanager Oliver Bierhoff darüber informieren, warum Joachim Löw seinen Führerschein für sechs Monate abgeben muss.

Bierhoff versuchte zunächst, die Verfehlung des Bundestrainers mit einer humorigen Note zu moderieren.

Löws Führerscheinentzug, übrigens nicht sein erster, sei nichts Besonderes, "wir werden mit unserem General-Sponsor sprechen, dass man Jogi in Zukunft Autos gibt, die tempolimitiert sind", meinte Bierhoff lächelnd.

Pleiten, Pech und Pannen

Doch zum Lachen dürfte den DFB-Verantwortlichen spätestens seit dem tragischen Zwischenfall nicht mehr sein. Das Trainingslager in Südtirol steht eher unter dem Motto Pleiten, Pech und Pannen ( 895607 DIASHOW: Das DFB-Team in Südtirol ).

Schon im Vorfeld des Trainingslager hatte der Verband vor dem Testspiel gegen Polen in ein PR-Fettnäpfchen getreten, als er für eine Trainingseinheit einen antifaschistischen Spruch im Stadion des FC St. Pauli am Millerntor abdecken ließ.

Es folgten ein Torwart mit einer verletzten Schulter, ein Kapitän mit einem lädierten Knöchel, ein Mittelfeld-Star, der nur Dauerläufe absolviert und ein Verteidiger, der in eine Hotel-Lobby pinkelt (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Seit dem Auftakt der heißen Vorbereitungsphase vor einer Woche wurde über vieles berichtet. Über Fußball aber kaum.

Dabei sind es nur noch zehn Tage bis zum Abflug nach Brasilien und 19 Tage bis zum deutschen WM-Auftakt gegen Portugal.

Die Zeit wird knapp

Löw bleibt nicht mehr viel Zeit, um seine Mannschaft vorzubereiten. Und er muss dabei immer wieder neue Probleme lösen.

Nach außen strahlt er Zuversicht aus. Er gehe davon aus, dass die angeschlagenen Manuel Neuer, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger "in ein paar Tagen voll belastbar" sein werden, erklärte der Bundestrainer am Montag.

Seine medizinische Abteilung habe ihm versichert, die Verletzungen seiner drei Leistungsträger seien "keine dauerhaften, sondern kurzfristige" Probleme.

Doch zunächst bleibt die Personalsituation angespannt. Wohl auch deshalb beließen es Löw und Bierhoff zumindest vorerst bei einer ernsthaften Ermahnung für Kevin Großkreutz, nach dessen nächtlicher Pöbelei in einem Berliner Hotel.

Vorbildfunktion nicht erfüllt

"Er ist Nationalspieler und muss Vorbild sein. Auch außerhalb des Platzes", hatte Bierhoff am Sonntag im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 erklärt.

Diese Vorbildfunktion erfüllt aber auch ein Bundestrainer, der zu schnell fährt und deshalb zum wiederholten Mal seinen Führerschein verliert, nicht.

Sportlich spielt Löws Fehltritt zwar keine Rolle, aber es wirft kein gutes Licht auf den DFB und die Nationalelf. Das Gleiche gilt für die verunglückte Aktion des Sponsors.

Die Frage, ob diese Aktion angesichts der ohnehin kniffligen sportlichen Situation unbedingt nötig war, darf gestellt werden. Die Antwort muss der DFB geben.

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