Sami Khedira hat sich zurückgekämpft und die Champions League gewonnen. Für Joachim Löw ist er der Schlüssel zum WM-Erfolg.

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Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Onur Özdamar

St. Martin/Passiertal - Sami Khedira weiß, wie es sich anfühlt, einen großen Titel zu gewinnen.

Er wurde Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart, gewann die U-21-EM, holte in Spanien mit Real Madrid Pokal und die Meisterschaft. Am vergangenen Samstag folgte mit dem Gewinn der Champions League der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere.

Doch für seinen größten Sieg hat der 27-Jährige keine Schüssel, Pokal oder Henkelpott in die Hand gedrückt bekommen.

Sami Khedira hat einen Kampf gewonnen. Den Kampf gegen die Zeit ( 895607 DIASHOW: Das DFB-Team in Südtirol ).

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Khedira trauert nur Minuten

Rückblende: Mailand, 15. November 2013, Stadion Giuseppe Meazza:

In der 67. Minute des Länderspiels zwischen Italien und Deutschland liegt Khedira am Boden, das Gesicht ist schmerzverzerrt, er hebt den rechten Arm, fasst sich ans rechte Knie.

Die schlimmsten Befürchtungen treten ein. Diagnose: Kreuzbandriss. Prognose: mindestens sechs Monate Pause, womöglich das WM-Aus.

"Ich habe mir die Szene der Verletzung natürlich angeschaut, aber den Blick sehr schnell nach vorn gerichtet", erzählte Khedira am Mittwoch in Südtirol. "Die Trauer war eine Sache von Minuten. Ich habe sofort versucht alles einzuleiten, damit ich schnell zurückkomme."

190 Tage bis Lissabon

Und er schaffte es. 190 Tage nach seiner Verletzung stand er im Endspiel von Lissabon in Real Madrids Startelf. Nun ist er der große Hoffnungsträger der Nationalelf bei der WM.

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In den Planspielen des Bundestrainers nimmt der ehemalige Stuttgarter eine tragende Rolle ein. Deshalb hatte Joachim Löw in den vergangenen Monaten und im Vorfeld der Kadernominierung stets betont, Khedira eine Sonderrolle zu gewähren.

"Er kann noch nicht 90 Minuten im Vollbesitz seiner Kräfte sein und muss noch etwas aufholen, aber er wird physisch von Woche zu Woche stärker", sagte Löw im Trainingslager des DFB-Teams. "Sami ist auf einem guten Niveau, ich sehe überhaupt keine Probleme."

Geduld des DFB zahlt sich aus

Nicht nur Löw fühlt sich bestätigt und erleichtert, auch im Mannschaftskreis und bei DFB-Teammanager Oliver Bierhoff herrschen Freude über das Comeback des Jahres.

"Er hat die Verletzung überstanden. Die meisten Experten hätten gesagt: Das klappt nicht mehr", sagte Bierhoff am Sonntag im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1. "Aber dass er jetzt drei Spiele gemacht hat, darunter ein Champions-League-Finale, das hätten die wenigsten geglaubt."

Mit enormer Disziplin hatte Khedira an seinem Comeback gearbeitet und dabei stets mit Joachim Löw und Bierhoff Kontakt gehalten.

Khedira dankbar für Unterstützung

Der Bundestrainer hatte immer an die Rückkehr seines Mittelfeldstrategen geglaubt und ihm alle erdenkliche Hilfe zugesichert, was Khedira zusätzliche Motivation verschaffte (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

"Der DFB hat von Anfang an alles Menschenmögliche versucht, um mich zu unterstützen. Das freut und pusht einen und erleichtert viele Dinge", meinte der Spanien-Legionär.

"Das war eine großartige Unterstützung. Ich bin sehr dankbar und versuche, durch Einsatz und Leistung und hoffentlich auch Erfolg zurückzuzahlen. Ich möchte in Brasilien etwas davon zurückgeben."

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Einmalige Führungsqualitäten

Wie wichtig Khedira für eine Mannschaft sein kann, zeigt ein Blick in seine Biographie.

Im Mai 2007 köpfte er den VfB Stuttgart am letzten Spieltag zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Er war damals erst 20 Jahre alt und hatte nur siebeneinhalb Monate vorher sein erstes Spiel in der Bundesliga absolviert.

Im Juni 2009 führte er die deutsche U-21-Nationalmannschaft bei der EM in Schweden als Kapitän zum Titel. Drei Monate später gab er sein Debüt im DFB-Team von Joachim Löw, der ihn im Mai 2010 in sein vorläufiges Aufgebot und schließlich in seinen WM-Kader berief.

Durchbruch bei Real

Nach der WM wechselte Khedira zu Real Madrid und strafte dort alle Kritiker Lügen, die ihm den Durchbruch bei einem internationalen Spitzenverein nicht zugetraut hatten.

Sein ehemaliger Real-Trainer Jose Mourinho schenkte Khedira von Beginn an volles Vertrauen und ihn formte ihn zum internationalen Top-Spieler.

"Sami ist physisch und mental sehr stark und er hat noch viel mehr drauf", sagte DFB-Trainerausbilder Frank Wormuth im Gespräch mit SPORT1. "Er hatte es zu Beginn seiner Karriere nicht immer leicht, weil seine Position nicht so im Fokus stand, aber ich finde es toll, dass die Sechser-Position nun so hervorgehoben wird. Von diesen Spielern hängt sehr viel ab."

Kopf des Teams?

Bei der WM soll Khedira zusammen mit Bastian Schweinsteiger die Fäden im zentralen Mittelfeld ziehen, so wie es beide vor vier Jahren in Südafrika so großartig getan haben.

Schweinsteiger war lange verletzt, trainiert zwar mittlerweile wieder mit dem Rest der Mannschaft und dem Ball, ist aber noch nicht so fit wie Khedira. Gut möglich, dass ihre Rollen in Brasilien vertauscht sein werden. Dann wäre Khedira der Kopf der Mannschaft.

"Bisher ist alles perfekt gelaufen. Es gibt noch wenige Details, die ich verbessern muss. Ich hoffe, dass ich am 16. Juni in optimaler Verfassung bin."

"Genieße jede Skunde"

Bis dahin arbeitet Khedira weiter. Im Trainingslager im Südtirol will er sich die letzten fehlenden Prozente holen.

"Ich genieße jede Sekunde auf dem Platz, die ich mich schinden muss und auch darf. Ich habe immer auf das eine Ziel hingearbeitet", sagt er.

Am 16. Juni startet Deutschland gegen Portugal in die WM, der Titel in Brasilien würde alles überstrahlen. Sami Khedira hat den ersten großen Erfolg bereits erreicht. Er ist wieder da.

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