Bundestrainer Joachim Löw muss sechs Monate auf seinen Führerschein verzichten © imago

Joachim Löw muss seinen Führerschein abgeben und sorgt im DFB-Camp für Unruhe. Teammanager Oliver Bierhoff beschwichtigt.

St. Martin/Passeiertal - Ihr Besuch war als Abwechslung gedacht. Als nette Unterbrechung des auch am Dienstag verregnten Trainingsalltags.

Doch als Formel-1-Pilot Nico Rosberg und DTM-Talent Pascal Wehrlein auf der DFB-Pressekonferenz neben Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff Platz nahmen, wirkte es zeitweilig wie eine Expertenrunde. ( 895607 DIASHOW: Das DFB-Team in Südtirol ).

Thema: Höchstgeschwindigkeiten und Tempolimits im Allgemeinen. Joachim Löw im Speziellen.

Auslöser der Debatte: Der Bundestrainer muss seinen Führerschein abgeben. Für sechs Monate. Er war zu schnell.

Löw: "Nichts schönzureden"

"Selbstverständlich stehe ich dazu, dass ich manchmal leider zu schnell gefahren bin, ich weiß, dass ich mich hier zügeln muss", ließ der 54-Jährige in einer offiziellen Erklärung aus dem WM-Trainingslager in Südtirol mitteilen:

"Ich habe meine Lektion gelernt und werde mein Fahrverhalten ändern. Es gibt da nichts schönzureden, natürlich muss ich jetzt mit den Konsequenzen leben und nutze häufig die Bahn."

Teammanager Oliver Bierhoff versuchte, den Wirbel um Löws Fehltritt mit Humor zu nehmen.

"Wir werden mit unserem Generalsponsor sprechen, dass man Jogi nur noch Autos gibt, die tempolimitiert sind", sagte der Europameister von 1996 (Zum Nachlesen: Die PK im LIVE-TICKER).

Mit Handy am Steuer

Bierhoff schien dennoch genervt davon, dass an diesem verregneten und trostlosen Tag in Südtirol der Besuch von Monaco-Sieger Rosberg, Wehrlein sowie Golf-Star Martin Kaymer etwas in den Hintergrund rückte.

In Helmut Sandrock äußerte sich auch der DFB-Sekretär zu der Angelegenheit, die der Verband wohl am liebsten unter Verschluss gehalten hätte: "Joachim Löw hat uns bereits vor einiger Zeit darüber informiert, dass er den Führerschein abgeben musste. Wir wissen, dass sich Jogi selbst am meisten darüber ärgert."

Löw soll nach übereinstimmenden Angaben verschiedener Medien nicht nur zu schnell gefahren sein, sondern auch mit dem Handy am Steuer seines DFB-Dienstwagens telefoniert haben.

Der Vorfall soll sich bereits im März ereignet haben. Bereits 2006 hatte Löw wegen eines ähnlichen Vergehens für vier Wochen seine Fahrerlaubnis abgeben müssen.

Rufschädigung für DFB?

Nach der Pinkel-Affäre um Kevin Großkreutz, der wegen seines Aussetzers in Berlin nach dem Pokalfinale von Löw die dunkelgelbe Karte gesehen hatte, wirft allerdings auch Löws Verhalten kein gutes Licht auf die Nationalmannschaft.

Diese sieht sich gerne als wichtiger Repräsentant Deutschlands.

"Wir wollen natürlich immer Vorbild sein. Wir sind aber auch nur Menschen, die Fehler machen. Ich sehe jetzt keine Gefahr, dass Jogi als Raser durchgeht. Er ist halt viel unterwegs, da passiert so etwas dann schneller", betonte Bierhoff und versuchte, den Vorfall herunterzuspielen.

Rosberg privat ohne Punkte unterwegs

Ausgerechnet WM-Spitzenreiter Rosberg konterkarierte allerdings Bierhoffs Aussage: "Ich fahre auf der Straße ganz normal und habe noch nie einen Punkt in Flensburg gehabt."

Löws Eskapaden auf der Autobahn waren aber nicht das einzige Thema, mit dem sich die Nationalmannschaft und ihre prominenten Gäste am zehnten Tag des WM-Trainingslagers beschäftigten.

Rosberg (28) und der ehemalige Weltranglistenerste Kaymer (29) berichteten der Mannschaft beim Mittagessen von ihren jüngsten Siegen und ihrem jeweiligen Erfolgsgeheimnis.

"Man muss an sich selbst glauben, sich selbst vertrauen und dann locker ins Spiel gehen", riet der frühere Mittelstürmer Kaymer dem DFB-Team.

Rosberg empfahl, dass man "mit ganz viel Spaß" an die Sache gehen und dazu den Teamgeist beschwören müsse.

DFB-Team auf Golfplatz und Teststrecke

Bierhoff betonte, dass man diese Ratschläge beim WM-Turnier (12. Juni bis 13. Juli) in Brasilien beherzigen werde, ehe Kaymer mit einigen Nationalspieler auf dem Golfplatz übte und Rosberg mit anderen auf einer eigens präparierten und hermetisch abgeschirmten Teststrecke ein paar Runden drehte.

Am Abend stand dann für die DFB-Auswahl ein weiteres Testspiel gegen die eigene U20 auf dem Programm.

Kapitän Philipp Lahm konnte dabei zwar noch nicht mitwirken, aber zuvor erstmals nach seiner Sprunggelenkverletzung gemeinsam mit seinem Bayern-Kollegen Bastian Schweinsteiger wieder eine Laufeinheit absolvieren.

Geschont wurde gegen den Nachwuchs auch Champions-League-Sieger Sami Khedira, der am Vorabend in Südtirol eingetroffen war und zunächst regenerieren sollte.

Marcel Schmelzer (Knieprellung) konnte nach einer dreitägigen Pause wieder am Trainingsbetrieb teil, während Torwart Manuel Neuer (Schulter) weiter im Teamhotel Andreus behandelt wurde.

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