Roman Weidenfeller feierte erst mit 33 Jahren sein Nationalmannschaftsdebüt. Die Bilder vom Trainingslager des DFB-Teams ZUM DURCHKLICKEN © getty

Roman Weidenfeller spricht im SPORT1-Interview über WM-Ambitionen, seinen Rivalen Manuel Neuer und den Eklat um Kevin Großkreutz.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Onur Özdamar

St. Martin/Passeiertal - Roman Weidenfeller kann man getrost als Spätberufenen bezeichnen.

Im zarten Alter von 33 Jahren absolvierte der Torhüter von Borussia Dortmund im vergangenen November beim Testspiel in England sein erstes A-Länderspiel.

Seit Jahren glänzt Weidenfeller in Bundesliga und Champions League mit konstant starken Leistungen und sicherte sich damit einen Platz im vorläufigen WM-Kader von Bundestrainer Joachim Löw ( 895607 DIASHOW: Das DFB-Team in Südtirol ).

Als Nummer 1 nach Brasilien?

Nach der Schulterverletzung von Stammkeeper Manuel Neuer darf sich der BVB-Torhüter jetzt sogar leise Hoffnungen machen, als Nummer 1 in die Weltmeisterschaft in Brasilien zu gehen.

Im SPORT1-Interview spricht Weidenfeller über seine WM-Ambitionen, die Rivalität zwischen Bayern und Dortmundern und den Eklat um BVB-Kollege Kevin Großkreutz.

SPORT1: Erfüllt sich für Sie mit der WM-Teilnahme ein Lebenstraum?

Roman Weidenfeller: Es ist für mich sensationell, dabei zu sein. Ich glaube, meine Karriere rundet sich damit auch vollkommen ab. Es ist etwas ganz Besonderes. Vor allem in so einem fußballverrückten Land wie Brasilien.

SPORT1: Sie haben im November in England Ihr erstes Länderspiel absolviert und viel Lob erhalten. Seit wann waren Sie sich sicher, dass der Bundestrainer Sie nominieren würde?

Weidenfeller: Das hat sich erst Anfang des Jahres herauskristallisiert. Dass er mich für das Spiel gegen Chile im März eingeladen hat, war ein positives Signal. Aber letzten Endes musste ich, wie jeder andere auch, die Nominierung des vorläufigen WM-Kaders abwarten.

SPORT1: Manuel Neuer ist wegen seiner Schulterverletzung verspätet ins Trainingslager nachgekommen. Haben Sie schon mit ihm geredet und wie schätzen Sie die Situation mit Blick auf die Weltmeisterschaft ein?

Weidenfeller: Wir haben am Samstag kurz miteinander gesprochen. Wir haben uns ausgetauscht, ich hatte ja auch schon eine Schulterverletzung. Ich denke, dass er pünktlich zum Start der WM fit sein wird.

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SPORT1: Können Sie kurz erklären, was für einen Torhüter das Schlimmste an einer Schulterverletzung ist?

Weidenfeller: Man braucht die Schulter bei jeder einzelnen Bewegung. Deshalb ist es eine bescheidene Situation, so eine Verletzung zu haben. Es ist unheimlich wichtig, dass die Schulter durch Muskelaufbau gehalten wird. Aber heutzutage ist alles zu meistern. Meine Schulter ist auch wieder voll aktiv, von daher ist das kein Thema.

SPORT1: Sollte der Fall doch eintreten, trauen Sie sich zu, als Nummer eins in die WM zu gehen?

Weidenfeller: Wie gesagt, ich gehe stark davon aus, dass Manuel rechtzeitig wieder zurückkommt. Wenn etwas passieren sollte, stehe ich natürlich bereit.

SPORT1: Gibt es schon Absprachen, wer in den Testspielen gegen Kamerun und Armenien im Tor spielen soll?

Weidenfeller: Nein, die gibt es noch nicht.

SPORT1: Es wurde nach dem Pokalfinale viel über das Verhältnis zwischen Dortmundern und Bayern in der Mannschaft diskutiert. Ist die Rivalität ein Thema?

Weidenfeller: Für uns geht es einzig und allein darum, uns gemeinsam auf die WM vorzubereiten. Die Bayern wissen, dass die Dortmunder Mannschaft eine hohe Qualität hat. Sie haben im Pokalfinale auch ein Quäntchen Glück gehabt, aber das kann man jetzt nicht mehr ändern. Wir wollen den Fokus komplett nach vorn richten.

SPORT1: Kevin Großkreutz stand nach einem Vorfall nach dem verlorenen Pokalfinale in einem Hotel in den Schlagzeilen. Was können Sie dazu sagen?

Weidenfeller: Es ist sehr schade, dass er gerade jetzt mitten im Fokus in der Medienwelt steht. Das hat er sportlich nicht verdient. Er ist ein exzellenter Spieler, der alles auf dem Platz gibt. Wie er selbst auch gesagt hat, scheint an diesem Abend die Enttäuschung überwogen zu haben. Dennoch muss man sich darüber klar sein, dass man eine Vorbildfunktion hat und sich im Zaum halten sollte.

SPORT1: Wie finden Sie den WM-Ball?

Weidenfeller: Ein ehrlicher Ball, ich kann mich nicht beklagen.

SPORT1: Ihr Vereinskollege Erik Durm ist auch hier im Trainingslager dabei. Was zeichnet ihn aus und wie sehen Sie seine Chancen, mit nach Brasilien zu fliegen?

Weidenfeller: Erik hat eine sehr gute Saison hinter sich. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als er vor einem Jahr nicht sicher war, ob er zur Profi- oder Amateurmannschaft gehören würde. Ich glaube nicht, dass er ein Streichkandidat ist. Er versprüht Frische und zuckt nicht vor großen Namen zurück. Er hat seinen Spielstil und den zieht er auch durch.

SPORT1: Auch Sie zucken nicht vor großen Namen zurück. Was wäre, wenn Sie bei der WM wieder auf Cristiano Ronaldo treffen?

Weidenfeller: Ich denke, dass ich in allen Duellen mit Real Madrid bewiesen habe, dass ich meinen Mann stehen kann.

SPORT1: Waren Sie schon einmal in Brasilien? Worauf freuen Sie sich?

Weidenfeller: Bisher war ich leider noch nicht in Brasilien. Ich freue mich auf die Erfahrung. Ich freue mich auf das Land und das Lächeln der Menschen.

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