Nach dem Hotel-Eklat gibt sich Großkreutz reumütig. Bierhoff spricht bei SPORT1. Löw muss vor der WM noch drei Spieler streichen.

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Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Onur Özdamar

St. Martin/Passeiertal - Kevin Großkreutz sah am Sonntag recht bedröppelt und zerknirscht aus.

Er saß im Teamhotel der Nationalmannschaft direkt neben dem Pool an einem Tisch mit einer kleinen Gruppe Journalisten - und er wusste, was nun auf ihn zukommen würde.

Am Abend zuvor war bekannt geworden, dass sich der Dortmunder nach dem verlorenen Pokalfinale gegen den FC Bayern in einem Hotel heftig daneben benommen hatte. Nach Informationen mehrerer Medien soll er in der Lobby alkoholisiert gegen eine Säule uriniert haben. (News).

"Es wird nicht mehr vorkommen"

"Es war eine schwere Niederlage, man war sehr frustriert. Was danach passiert ist, tut mir sehr leid. Ich entschuldige mich auch dafür", erklärte er mit leiser Stimme und versprach: "Es wird nicht mehr vorkommen."

Es klang ein bisschen wie aufgesagt.

Er habe mit dem Trainer und dem Manager gesprochen und ab jetzt sei das Thema abgehakt, ergänzte er: "Ab jetzt werde ich mich voll auf die Nationalmannschaft konzentrieren."

"Tolerieren das nicht"

Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Teammanager Oliver Bierhoff hatten sich den reumütigen Sünder bereits zur Brust genommen.

"Sowas darf nicht passieren. Wir haben ihm auch gesagt, dass wir das nicht tolerieren", sagte Bierhoff am Sonntag im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 und wies nachdrücklich auf die Vorbildfunktion eines Nationalspielers hin.

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Bierhoff äußerte aber auch ein wenig Verständnis für den BVB-Profi.

"Das sind junge Kerle. Kevin ist sehr emotional, er hat viel Leidenschaft, nach dem Endspiel aber auch viel Frust. Das kann passieren. Ihr wollt doch solche Typen", sagte der ehemalige Nationalstürmer.

Ernstes Gespräch mit Löw

Man habe mit Großkreutz ein ernstes Gespräch geführt, hatte Löw zuvor erklärt, seinen Spieler aber ebenfalls in Schutz genommen.

"Man muss auch sehen, dass Kevin sich bei der Nationalmannschaft immer einwandfrei verhalten hat", betonte der Bundestrainer in der "Bild".

Bierhoff verwies darauf, dass es sich um eine Sache handele, die im Verein passiert sei. Vom BVB hatte Großkreutz eine Geldstrafe aufgebrummt bekommen.

Nicht der erste Skandal

Doch sein nächtlicher Blackout lässt sich nicht gänzlich abhaken. Er wirft einen weiterer Schatten auf die sportliche Karriere des 25-Jährigen.

Bereits Anfang Mai war ihm vorgeworfen worden, jemandem in Köln einen Döner ins Gesicht geworfen zu haben, nachdem er sich augenscheinlich von Bemerkungen in seine Richtung angegriffen gefühlt hatte.

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Die Vorwürfe bezeichnete Großkreutz im "Express" als "unwahr". Er habe eine Gegenanzeige wegen Falschaussage gestellt.

Doch klar ist auch. Einen weiteren Ausrutscher kann er sich nicht erlauben. Und der Bundestrainer wird bis zur WM noch drei Spieler aussortieren.

Vielseitigkeit spricht für Großkreutz

Dass Löw und Bierhoff es nach dem jüngsten Eklat bei einer ernsten Ermahnung belassen, könnte auch der ohnehin schon kniffligen Personalsituation im DFB-Team geschuldet sein. ( 895607 DIASHOW: Das DFB-Team in Südtirol )

Großkreutz ist für die WM-Planungen ein nicht ganz unwichtiger Spieler, denn er ist auf verschiedenen Positionen einsetzbar.

Sollte Löw zum Beispiel Philipp Lahm im zentralen Mittelfeld benötigen, könnte der Dortmunder ihn auf der rechten Abwehrseite ersetzen. Großkreutz könnte aber auch Linksverteidiger oder im Mittelfeld spielen.

"Wo der Trainer mich braucht, werde ich alles geben", versprach Großkreutz: "Ich fühle mich auf jeder Position gut und möchte für das Team alles raushauen. Das zählt für mich."

Zuspruch von den Teamkollegen

Zuspruch bekam Großkreutz von seinen Dortmunder Vereinskollegen. "Er ist ein exzellenter Spieler, der alles auf dem Platz gibt. Das hat er sportlich nicht verdient", sagte Roman Weidenfeller.

"Dennoch muss man sich darüber klar sein, dass man eine gewisse Vorbildfunktion hat und sich einigermaßen im Zaum halten sollte", ergänzte der Torhüter.

In der Mannschaft sei die Geschichte kein Thema gewesen, berichtete Erik Durm und betonte: "Kevin ist ein super Junge." Der sein Temperament aber eben nicht immer im Griff hatte.

"Jeder weiß ja, dass unter Alkohol-Einfluss so einiges passiert. Unschön ist nur, wenn es rauskommt", meinte Abwehrchef Per Mertesacker mit einem Schmunzeln.

Kapitän Philipp Lahm will kein klärendes Gespräch mit dem Dortmunder suchen, "weil es nicht hier passiert ist". Vor allem aber, "weil es wichtig ist, dass er alles für seine Kameraden tut. Und das macht er".

Traum von Brasilien

Mit der WM in Brasilien will sich Großkreutz seinen großen Traum erfüllen. "Ich würde mich riesig freuen. Ich war schon einmal dort, die Menschen sind alle fußballverrückt", erzählte er: "Ich habe auch selbst schon in Brasilien gespielt. Es macht riesigen Spaß dort."

Auf einem ziemlich schlechten Platz habe er bei einem Spaßspiel für Dedes Freunde mitgewirkt.

Als Kevin Großkreutz über seinen Kumpel aus gemeinsamen Zeiten sprach, konnte er sogar schon wieder lächeln.

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