Die Ankunft von Neuer und Lahm ist eine gute Nachricht für Joachim Löw. Neuers Gesundheitszustand lässt jedoch Fragen offen.

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Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Onur Özdamar

St. Martin/Passeiertal - Am Freitagmorgen lagen kleine schwarze und blaue Koffer auf den Sitzen im Medienzentrum neben dem Trainingsplatz des DFB.

"Erraten Sie, was Manuel Neuer in seinen Koffer packt", steht darauf. "Manuel Neuer muss seinen Koffer für das nächste Spiel packen. Helfen Sie ihm, seine sieben wichtigen Sachen einzupacken."

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Ein netter Werbegag eines Sponsors, aber überaus passend. Schließlich hatte die Frage, ob und wann Neuer ins Trainingslager in Südtirol reist, ganz Fußball-Deutschland in den letzten Tagen beschäftigt ( 895607 DIASHOW: Das DFB-Team in Südtirol ).

Ankunft am späten Nachmittag

Um 17.45 Uhr war es dann endlich so weit. In einem schwarzen Geländewagen wurde der Nationaltorhüter zum Teamhotel in St. Martin chauffiert.

Neuer saß auf dem Beifahrersitz und grüßte freundlich. Auf dem Rücksitz saß Philipp Lahm, der ebenfalls verletzungsbedingt den Auftakt des Trainingslagers verpasst hatte.

Während der Rest der Nationalmannschaft in Südtirol am Freitag die erste Einheit absolvierte, hatte sich Neuer in München bei Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt behandeln lassen.

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Neuer hält sich bedeckt

Als der Keeper am Vormittag die Praxis zwischen Marienplatz und Hofbräuhaus verließ, trug er seinen rechten Arm in einer Schlinge, um seine lädierte Schulter zu stabilisieren.

Auf die Frage, wann er denn ins Trainingslager reisen werde, meinte Neuer noch zu SPORT1: "Ich sage nichts, bevor ich nicht mit den Verantwortlichen gesprochen habe."

Neuers Ankunft dürfte bei Joachim Löw für Erleichterung gesorgt haben.

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Bender fällt aus

Der Bundestrainer hatte schließlich bereits Lars Benders WM-Aus hinnehmen müssen und hatte viele offene Baustellen in seinem Team (BERICHT: WM-Aus für Bender).

Dennoch gibt Neuers Gesundheitszustand weiter Anlass zur Sorge und ist 24 Tage vor dem deutschen WM-Auftakt gegen Portugal das beherrschende Thema.

Einriss am Kapselbandapparat des rechten Schultereckgelenks lautet die genaue Diagnose.

Experten sind skeptisch, dass der Schlussmann es mit seiner Schulterverletzung rechtzeitig bis zur WM schafft.

Kabelka: DFB verharmlost

"Aus meiner Sicht verharmlost der DFB die Situation", sagte der renommierte Sportmediziner Bernd Kabelka der "tz".

"Jeder, der eine solche Verletzung schon einmal hatte, kann bestätigen, wie schmerzhaft und langwierig das sein kann", erklärt Kabelka. "Das Problem ist, dass er eine ganze Zeit lang die Arme nicht über die Horizontale nach oben nehmen kann. Und das ist ja für einen Torwart nicht ganz unwichtig."

Bodo Illgner, Torwart der deutschen Weltmeistermannschaft von 1990, kennt Neuers Blessur aus eigener schmerzvoller Erfahrung.

"Ich hatte selbst zwei Schulterverletzungen, auch vor der WM 1990. Da war ich zuvor ein ganzes Jahr angeschlagen. Darum ist so eine Schultergeschichte so kurz vor der WM natürlich nicht optimal", sagte Illgner der "Welt".

Illgner lobt Weidenfeller

Neuer sei aber bei der medizinischen Abteilung des DFB in besten Händen. "Den Physiotherapeuten Klaus Eder hatte ich schon damals. Darum glaube ich, dass er bis zur WM keine Probleme mehr haben wird."

Sollte Neuer jedoch nicht rechtzeitig fit werden, sieht er in Roman Weidenfeller einen gleichwertigen Ersatz.

"Weidenfeller hat in der Liga und der Champions League bewiesen, dass er ein erstklassiger Mann ist. Da bräuchten wir uns überhaupt keine Sorgen machen", meint Illgner.

Zwei Meistertitel mit Borussia Dortmund, ein Champions-League-Finale, starke Werte in der abgelaufenen Bundesliga-Saison, Weidenfeller muss sich nicht hinter Neuer verstecken( 888136 DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader ).

Weidenfeller mit weniger DFB-Erfahrung

Seine SPORT1-Durchschnittsnote ist mit 2,92 sogar knapp besser als Neuers (2,95).

In Sachen Länderspielerfahrung kann der 33-Jährige allerdings nicht mit Neuer mithalten. Weidenfellers Debüt im November 2013 beim 1:0 in England war sein bisher einziger Einsatz in Löws Team. Neuer kommt auf bislang 45.

Wer am 2. Juni gegen Kamerun, am 6. Juni gegen Armenien und vor allem am 16. Juni beim WM-Star gegen Portugal im deutschen Tor stehen wird, ist trotz Neuers Ankunft in Südtirol nicht sicher.

Manuel Neuer hat seinen Koffer für Südtirol gepackt. Ein großes Fragezeichen ist mit dabei.

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