Christoph Kramer war einer von zwölf Debütanten gegen Polen. ZUM DURCHKLICKEN: Die Bilder des Spiels © getty

Joachim Löw verkleinert das vorläufige WM-Aufgebot und sorgt für eine Überraschung. Einige Entscheidungen sind ein Fingerzeig.

Aus Hamburg berichtet Tom Vaagt

Hamburg - Fast auf den Tag genau vor einem Jahr verbrachte Christoph Kramer seinen Sonntagnachmittag im Rewirpower-Stadion von Bochum. Zweitliga-Alltag.

Der Leihspieler von Bayer Leverkusen trat mit dem VfL zum Abschluss der Saison gegen Union Berlin an. Das Spiel ging 1:2 verloren. Kramer erzielte den einzigen Treffer der Gastgeber.

So richtig Notiz nahm niemand davon. Nur einige Eingeweihte hatten den Mittelfeldspieler damals auf dem Zettel.

DFB-Debüt am Dienstag

Seit Dienstagabend ist Kramer Nationalspieler. Beim 0:0 gegen Polen (Bericht) war der 23-Jährige einer von insgesamt zwölf Debütanten. ( 890951 DIASHOW: Die Bilder des Spiels ).

Seit Mittwochnachmittag ist Kramer nun sogar ein ernsthafter Anwärter auf einen Platz im endgültigen deutschen WM-Aufgebot. Eine Karriere auf der Überholspur.

Ursprünglich hatte Bundestrainer Joachim Löw den "Sechser" nicht einmal für sein 30-köpfigen vorläufigen Kader vorgesehen. ( 888136 DIASHOW: Der vorläufige WM-Kader ).

Nun ließ Kramer die aus dem Aufgebot gestrichenen Max Meyer, Leon Goretzka, Marcell Jansen und Andre Hahn hinter sich. Am 21. Mai geht es für ihn ins WM-Vorbereitungscamp nach Südtirol.

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Sonderlob von Löw

Kramer hat das DFB-Trainerteam im torlosen Test gegen Polen und der vorherigen Trainingseinheit offenbar derart überzeugt, dass kein Weg an ihm vorbeiführte.

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"Im zentralen Mittelfeld haben wir einige Spieler, die zuletzt ein wenig angeschlagen waren oder längere Pausen hinter sich haben", erläuterte Löw:

"Wir wollen deswegen eine weitere Option mit ins Trainingslager nehmen, um für alle Fälle vorbereitet zu sein. Und Christoph Kramer hat in Training und Spiel einen hervorragenden Eindruck hinterlassen."

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Auf Leihbasis in Gladbach

Kramer, der vor der abgelaufenen Saison von Leverkusen erneut für zwei Jahre verliehen worden war und seitdem das Gladbacher Trikot trägt, schaffte es bei der Borussia auf Anhieb in die Stammelf.

Nun scheint selbst das Ticket nach Brasilien durchaus greifbar. Im defensiven DFB-Mittelfeld herrscht nicht gerade ein Überangebot. Und der eigentlich gesetzte Sami Khedira ist gerade erst von einem Kreuzbandriss genesen.

Mit insgesamt 27 Spielern wird Löw nach Südtirol aufbrechen. Während Hahn für Kramer Platz machen musste, können Meyer, Goretzka und Jansen zumindest noch ein wenig hoffen.

Das Trio hält sich auf Abruf bereit und könnte im Falle einer Verletzung oder eines Formeinbruchs bei einem Konkurrenten nachrücken.

Noch vier Spieler werden gestrichen

Erst am 2. Juni muss sich der Bundestrainer auf sein endgültiges 23-köpfiges Aufgebot festlegen. Bis dahin ist der Konkurrenzkampf eröffnet. Vier weitere Spieler werden also noch auf der Strecke bleiben.

"Unsere Mannschaft muss ausgewogen sein. Wir wollen jede Position doppelt besetzen", sagte Löw: "Im Trainingslager will ich sehen, dass die Spieler um ihr WM-Ticket kämpfen."

Auf einer Position scheint die Vorentscheidung allerdings bereits gefallen. Nach nur 19 Bundesligaspielen hat Dortmunds Erik Durm den Sprung in den finalen Kader so gut wie sicher geschafft.

Von den ursprünglich drei nominierten Linksverteidigern wurde Jansen bereits aussortiert. Es verbleiben Durm und dessen BVB-Klubkollegen Marcel Schmelzer.

(DATENCENTER: Der Spielplan der WM 2014) .

Noch zwei Testspiele

In anderen Bereichen ist hingegen noch manches offen.

Neben den Übungseinheiten und den geplanten inoffiziellen Partien gegen Nachwuchsmannschaften bleibt den Kandidaten vor der endgültigen Benennung des WM-Aufgebots nur noch eine Gelegenheit, um den Bundestrainer unter Wettkampfbedingungen zu überzeugen:

Am 1. Juni geht es in Mönchengladbach gegen Kamerun. Für Überraschungsmann Kramer wird es also ein Heimspiel.

Fünf Tage später trifft der dann nur noch 23 Mann starke Kader in Mainz auf Armenien. Am 7. Juni steht die Abreise nach Brasilien auf dem Programm.

Schalkern "gehört die Zukunft"

Für Schalkes Juwel Max Meyer dürfte es besonders bitter sein, dass das Flugzeug wahrscheinlich ohne ihn abhebt. Gegen Polen war der 18-Jährige einer von insgesamt zwölf Debütanten und zeigte dabei die vielversprechendsten Ansätze.

Noch unmittelbar nach dem Spiel gab es von Löw sogar ein Sonderlob. Für das WM-Ticket reichte es trotzdem nicht.

"Gerade Spielern wie Leon Goretzka und Max Meyer gehört die Zukunft", erklärte der Bundestrainer am Mittwoch: "Sie sind noch jung, haben noch viele Möglichkeiten, große Turniere zu spielen."

Den beiden Gelsenkirchenern dürfte vor allem das Überangebot an etablierten Kräften im offensiven Mittelfeld zum Verhängnis geworden sein.

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