Das Polen-Spiel war ein Schaulaufen der Debütanten und kam zur Unzeit. Kurz vor dem WM-Start ist kein Platz für Experimente.

Es war kein schöner Abend.

Das Spiel plätscherte, der Regen nieselte und die Vorfreude auf die WM hatte bei manchem Fan offenbar große Mühe, nicht den Bach runter zu gehen.

Im Anschluss an das 0:0 gegen Polen gab es Pfiffe. Joachim Löw wollte diese nicht gehört haben. Deutlich vernehmbar waren sie trotzdem.

Die junge deutsche Mannschaft mit ihren zwölf Debütanten hatte diese Reaktion nach nur einer gemeinsamen Trainingseinheit nicht verdient. Manch anderer hingegen schon.

Der Bundestrainer sprach im Bauch der Hamburger Arena von "wichtigen Erkenntnissen", die er in den vorherigen 90 Minuten gewonnen habe. Für die WM - aber auch und vor allem für die Zukunft.

Das Problem: Die Zukunft ist jetzt und jetzt ist WM. Das Spiel war ein Schaulaufen zur Unzeit.

Zumal den DFB-Verantwortlichen schon bei der Terminierung klar gewesen sein muss, unter welchen Umständen man da rund einen Monat vor WM-Beginn testen wird.

[image id="43c5c613-63ad-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Dass zahlreiche Leistungsträger vier Tage später im DFB-Pokalfinale antreten würden, kam ebenso wenig überraschend wie das Fehlen der im Ausland beschäftigten Stars.

Löw hat das gute Recht, Spieler aus der zweiten Reihe zu testen. Er kann ausprobieren, experimentieren, Gedankenspiele spielen. So kurz vor dem Start einer Weltmeisterschaft ist dafür aber nicht wirklich der richtige Zeitpunkt.

Zumal auch der Gegner nicht in Bestbesetzung antrat und so kaum als internationaler Gradmesser taugte.

Klar, man konnte sehen, wer sich mit welchem Engagement in die Zweikämpfe wirft. Wer taktische Vorgaben umsetzt und mittelfristig ins Konzept passt.

All diese Eindrücke hätte man aber auch an den 34 Bundesliga-Spieltagen der vergangenen Saison gewinnen können.

Im Hinblick auf die WM wäre es besser gewesen, einen weiteren Test im Trainingslager in Südtirol abzuhalten. Mit allen Stützen des Teams. Mit der Chance, sich einzuspielen.

Löw ist nun gefordert, seiner potenziellen Stammelf den nötigen Schliff im Schnelldurchgang zu verpassen.

Eine schwierige Aufgabe. Aber auch ein selbst gewähltes Schicksal.

Weiterlesen